Crossover: "Triage"

Vor, während und nach dem Krieg

27. Juli 2009, 23:18
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    foto: reuters/sagolj

    Der irische Schauspieler Colin Farrell als Kriegsreporter Mark Walsh in dem Drama "Triage" bei Drehaufnahmen in Spanien.

Der bosnische Regisseur und Oscar-Preisträger Danis Tanović hat einen neuen Film über den Krieg gedreht

Ihn interessiert der Zustand der Krise. Weil er sie aber offenbar schwer aushält, gründete er auch eine linke Partei.

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Er kommt auf dem Motorrad, in Jeans und Lederjacke, Letzteres ist sowieso klar. In dem Restaurant unweit der Akademie für angewandte Kunst in Sarajewo ist Danis Tanović Stammgast. Auf seinem Tisch steht zuerst immer eine Flasche Mineralwasser. Erst später folgt der Wein. Als der Regisseur hereinkommt, begrüßt er zuerst seine Bekannten in dem Lokal.

Seit er 2002 für seinen Film No Man's Land (Nièija zemlja) den Oscar bekam, hat Tanović noch Wie in der Hölle (L'enfer, 2005) - einen Film der auf Dantes Trilogie beruht - und Triage gedreht. Triage wurde im Vorjahr in Spanien und Irland gefilmt nach dem gleichnamigen Buch von Scott Anderson. Für die Hauptrolle konnte Tanović Colin Farrell gewinnen, der einen Fotografen spielt. "Die Art, wie er ins Zimmer kam, die Art, wie er seine Zigarette geraucht hat und die Nervosität, die sich da entwickelte, sagten mir, dass er der Richtige für die Rolle des Kriegsjournalisten ist" , erzählt Tanović dem Standard.

Für den Tod verantwortlich

Im Film wird Farrell als Mark Walsh auf einem Kriegsfeld in Kurdistan verwundet, und sein Freund wird bei der Aktion tödlich getroffen. Nach der Rückkehr in die USA erholt sich Walsh zwar körperlich, bricht aber geistig zusammen. Er fühlt sich für den Tod seines Freundes verantwortlich, kapselt sich immer mehr von der Außenwelt ab und lebt in einer Art Trancezustand. Letztlich hilft ihm ein Psychiater, Großvater seiner Freundin Elena, mit seinen Kriegserinnerungen und Schuldgefühlen fertigzuwerden. Tanović sagt, dass ihn bei seinen Filmen immer der Krisenzustand interessiert. Und Krieg sei eben der größte Krisenzustand. Triage sieht er als eine Art Fortführung des vorherigen Films Wie in der Hölle. Beide Streifen erzählen die Geschichte nach einem Konflikt. Im No Man's Land geht es um den Konflikt selbst und in seinem nächsten Film Cirkus Columbia wird die Situation vor dem Konflikt dargestellt.

Die Vorbereitungen dafür laufen schon auf Hochtouren. Nach einem Film auf Französisch und einem auf Englisch kehrt Tanović mit Cirkus Columbia zu seiner Muttersprache zurück. Das Drehbuch hat er zusammen mit dem Autor des gleichnamigen Buches, Ivica Ðikić, geschrieben. Cirkus Columbia sei eine "wundersame Liebesgeschichte im Kriegsaufbruch" , erzählt er. Die Drehorte stehen fest - Slowenien und Stolac, eine Kleinstadt in der Herzegowina. Ein Badeplatz in Stolac hat es ihm besonders angetan. Tanović gibt lachend zu, dass es ihn, je älter er wird, immer mehr in die sonnige Herzegowina zieht, da seine Familie ursprünglich aus diesem Teil des Landes stammt.

Als er 2001 den Oscar überreicht bekam, sagte er: "Das ist für mein Land, für Bosnien!" Und machte damit viele, wenn auch nicht alle Bosnier stolz, weil aus ihrem Land endlich positive Nachrichten kamen. Damals dachte man, dass es vielleicht auch auf anderen Ebenen bergauf gehen könnte. In jedem noch so kleinen Geschäft war ein Plakat mit seinem Gesicht aufgehängt. Tatsächlich scheint es so, als hätte Tanović mit seinem Erfolg für viele junge bosnische Regisseure den Weg vorgezeichnet. Die meisten Filme, die folgten, beschäftigen sich mit dem Krieg und seinen Folgen. Grbavica von Jasmila Žbanić wurde mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet und der im letzten Jahr erschienene Film Schnee (Snijeg) der Regisseurin Aida Begić bekam den "Grand prix" im Rahmen des Programms Kritikwoche beim 61. Filmfestival in Cannes.

Unerträgliche politische Lage

Tanović ist erst vor zwei Jahren mit seiner Großfamilie (das fünfte Kind kommt im Oktober zur Welt) aus Paris zurückgekehrt. Im Vorjahr gründete er mit Freunden die Naša stranka (Unsere Partei), die an den Gemeindewahlen vergangenen Oktober teilnahm und junge, gebildete und alternativ denkende Leute um sich sammeln konnte. Er sei zu einem Punkt gelangt, an dem die politische Lage für ihn nicht mehr zu ertragen war. Die Kampagne wurde aus Privatgeldern finanziert. Der Regisseur und Vorsitzende von Unsere Partei, Dino Mustafić, der in den Gemeinderat von Sarajewo-Zentrum gewählt wurde, setzt ganz auf moralische Werte. So schlugen in allen Gemeinden die Abgeordneten von Unsere Partei bei der ersten Sitzung vor, die Zuschüsse für die Arbeit in den Komissionen zu streichen, was von den Abgeordneten der anderen Parteien prompt abgelehnt wurde. Unsere Partei ist eine linke, sozialdemokratische Partei und wurde mittlerweile mit der Partei der sozialen Gerechtigkeit vereint.

Denn Tanović hält die unfähige und zerschlagene Linke für die Lage in Bosnien-Herzegowina für mit verantwortlich. Mit Unsere Partei will er die Linke vereinen. Er selbst will zwar weiterhin in der Politik bleiben, aber bei den Parlamentswahlen kommenden Herbst nicht kandidieren. (Maida Hasecić aus Sarajewo/DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2009)

 

http://manu.theoffside.com/files/2009/01/2mci0y.jpg
31
29.7.2009, 12:28
na bitte, wenigstens einer in der srebrenica-industrie

der mit märchenerzählen fett kohle macht ...

wo war ihm denn die politische lage "unerträglich" unter seinen hutu- und tutsi-brüdern in paris oder ganz tief im herzen ....?

mfg

feurio
 
01
29.7.2009, 10:32
ich warte schon ungeduldig

bis dieser Film raus ist. Auf jeden fall ist dieser Film auf meiner "To See"-Liste

Psycho87
00
28.7.2009, 12:30

Bin schon gespannt, klingt sehr vielversprechend.
Und auch ein sehr interessantes Thema.

laggingape
00
28.7.2009, 07:51

klingt durchaus sehenswert.

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