Malam Bacai Sanha ist neuer Präsident

Konkurrent Kumba Iala räumt Niederlage ein - Wahlbeobachter sprechen von fairen Wahlen

Bissau - Knapp fünf Monate nach dem Mord an Präsident Joao Bernardo Vieira hat das krisengeschüttelte westafrikanische Land Guinea-Bissau einen neuen Staatschef. Malam Bacai Sanha habe die Stichwahlen vom Sonntag mit 63 Prozent der Stimmen gewonnen, teilte die Wahlbehörde am Mittwoch in Bissau mit. Der Kandidat der im Parlament führenden Partei PAIGC, der in der DDR Politik studiert hatte, setzte sich gegen Kumba Iala von der oppositionellen Partei der Sozialen Erneuerung PRS durch. Alle Beobachter, darunter auch der Europäischen Union, sprachen von einem fairen und transparenten Urnengang. Der Termin der Amtsübernahme steht noch nicht fest.

In einer ersten Rede als Wahlsieger sprach Sanha von einem "Triumph des Volkes". Dieses habe "seine Reife unter Beweis gestellt". Der künftige Präsident wurde am PAIGC-Hauptsitz von tausenden Anhängern umjubelt. Iala räumte seine Niederlage ein und beglückwünschte Sanha zum Sieg. "Die Bevölkerung von Guinea-Bissau hat bewiesen, dass sie an politische Reife und Bürgersinn gewonnen hat", meinte Domingos Pereira, Exekutivsekretär der Gemeinschaft Portugiesischsprachiger Staaten CPLP.

Memorandum

Die PAIGC und die PRS hatten am Montag ein Memorandum über die Respektierung der Wahlergebnisse unterzeichnet. Man wolle "Hand in Hand für mehr Dialog in Bissau zusammenarbeiten", heißt es im Papier. Seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1973 gab es in Bissau selten Frieden. Es gab mehrere Staatsstreiche, es kam zu Bürgerkrieg und willkürlichen Festnahmen. Die Opposition warf der von früheren Rebellen gebildeten und lange als Einheitspartei regierenden PAIGC vor, in den Mord an Vieira Anfang März durch eine Gruppe von Soldaten verwickelt zu sein. Die PAIGC bestreitet dies.

Der 62 Jahre alte Sanha war bereits einmal Staatschef von Guinea- Bissau: Als ein Bürgerkrieg zum Sturz von Präsident Vieira führte, wurde er 1999 bis zu Neuwahlen zum Übergangspräsidenten bestimmt. Anfang 2000 unterlag er in den Stichwahlen Iala, der wiederum drei Jahre später durch einen Militärputsch gestürzt wurde. Bei Neuwahlen im Jahr 2005 verlor Sanha erneut, diesmal gegen Vieira. Sanha warf Vieira damals Wahlfälschung vor.

Guinea-Bissau, das rund 1,6 Millionen Einwohner hat und etwa so groß ist wie Baden-Württemberg, gehört nach einer Studie der Vereinten Nationen zu den vier ärmsten Ländern der Welt. Teile der Gesellschaft und der Regierung, aber vor allem die Streitkräfte, sind nach Einschätzung internationaler Experten in den Drogenhandel verwickelt. Die USA sprechen vom ersten "Drogen-Staat" der Welt. (APA/dpa)

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