Zugriff auf SWIFT-Server

Datenschützer wegen Bankdaten auf Barrikaden

27. Juli 2009, 18:49
  • Artikelbild
    foto: apa

Die EU-Außenminister erteilten Brüssel ein Mandat zu Verhandlungen mit den USA über die Herausgabe sensibler Daten

Täglich werden über den Finanzdienstleister SWIFT fast 15 Millionen Finanztransfers zwischen über 8.000 Banken und anderen Finanzinstituten weltweit abgewickelt. Auf diese sensiblen Daten dürfen Regierungen normalerweise nicht zugreifen.

Die US-Behörden haben sich allerdings nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 Zutritt zum Zentralserver in Virginia verschafft und auch europäische Bankdaten kontrolliert - ohne die EU zu fragen. CIA, FBI und sogar die amerikanische Notenbank konnten so europäische Bank-Überweisungen kontrollieren. Die EU protestierte heftig, SWIFT musste daraufhin den Zentralserver in die Schweiz verlagern.

Verhandlungsmandat erteilt

Zum Schutz vor Terror wollen die USA aber auch künftig Einblick in die SWIFT-Server haben. Bei einem Treffen der EU-Außenminister heute, Montag in Brüssel haben diese der EU-Kommission ein Mandat für Verhandlungen darüber erteilt.

Die Ankündigung der Verhandlungen sorgte bereits im Vorfeld für gehörigen Unmut unter Datenschützern und Politikern. Der Grünen-Fraktionschef im EU-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, attackierte den Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso scharf - und hat mit einem "Aufstand" der Abgeordneten gedroht. Barroso müsse die Abgeordneten in das Vorhaben einbinden oder die Pläne sofort stoppen, sagte Cohn-Bendit der "Berliner Zeitung", "sonst wird es einen Riesenputsch im Parlament geben. Barroso spielt mit dem Feuer."

Kein Mitspracherecht des EU-Parlaments

Grüne und Liberale im EU-Parlament sind empört, weil nach derzeitigem Recht das Parlament über solche Vereinbarungen noch kein Mitspracherecht hat. Dies würde sich ändern, wenn der Vertrag von Lissabon inkraft treten würde, was noch von der Volksabstimmung in Irland und der raschen Änderung des Begleitgesetzes zum Vertrag in Deutschland abhängt.

Österreichs Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) verteidigte das Verhandlungsmandat und betonte, dass datenschutzrechtliche Bestimmungen stets eingehalten werden müssten. "Der Datenschutz spielt eine besondere Rolle."

Einstimmiger Beschluss vor zwei Jahren

In Österreich gab es allerdings bereits zuvor deutliche Warnungen von Parlamentariern. "Das österreichische Parlament hat bereits vor zwei Jahren einstimmig einen Antrag beschlossen, wo sich alle Parteien gegen die Weitergabe von Bankdaten von Europäern an die USA ausgesprochen haben", erklärte der Vize-Vorsitzende des Datenschutzrates, SPÖ-Abgeordneter Johann Maier, kürzlich im SPÖ-Pressedienst. Die jetzige Diskussion in der EU ist für ihn nicht nachvollziehbar. Hier hätten alle Parteien eine eindeutige Haltung. Zudem gebe es auch eine kritische Stellungnahme des Datenschutzrates dazu.

Am Montag setzte es für Spindelegger neuerlich scharfe Kritik. "Der von Amerika geplante Zugriff auf die Bankdaten der Europäer ist abzulehnen. Auch der Vorwand, dass dies der Terrorismusbekämpfung dient, rechtfertigt nicht, den Datenschutz zu lockern und in die Persönlichkeitsrechte gravierend einzugreifen", sagte BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz.

Daten fünf Jahre lang gespeichert

Das neue Abkommen zwischen der EU und den USA soll nach der Sommerpause stehen und ein Jahr gültig sein. Die Daten können nach dem Verhandlungsmandat für maximal fünf Jahre zur Terrorfahndung gespeichert werden.

Hintergrund des Abkommens ist die Verlagerung des SWIFT-Hauptservers von den USA nach Europa, genauer in die Niederlanden. Ziel des Umzugs und der Inbetriebnahme eines weiteren Servers in der Schweiz war es eigentlich, die EU-Daten vor den US-Ermittlern zu schützen. Der Schweizer Server wird die gleichen Daten enthalten wie jener in den Niederlanden.

Die EU geht laut Diplomaten davon aus, dass die USA so großes Interesse an Einsicht in die Daten habe, dass sie bereit sein werde, verschiedene Datenschutzbestimmungen zu übernehmen. Unter anderem sollen ein Rechtsschutz gewährt und die Speicherfristen der Daten beschränkt werden. Unklar bleibt noch, ob und wie Kunden darüber informiert werden, dass die USA auf ihre Daten zugreifen. (red)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 198
1 2 3 4 5
Tepoztecatl
02
28.7.2009, 19:27
Schon interessant ...

Einerseits ist man zutiefst empört darüber, dass "Verbrecherstaaten" wie Liechtenstein, Schweiz, Luxemburg und wir selbst am Bankgeheimnis festhalten wollen, weil damit ja pöhse Steuerhinterzieher ihr Geld woanders bunkern könnten, andererseits ist man vehement dagegen, dass die USA Zugriff auf *exakt dieselben Daten* bekommen.

Würde mich schon interessieren: warum ist es in Ordnung wenn der Herr Steinbrück auf Knopfdruck auf alles zugreifen kann, aber nicht bei den USA?

Die Antwort ist: es ist eben in beiden Fällen *nicht* in Ordnung!!

Wer angesichts dieser Entwicklungen immernoch gegen das Bankgeheimis ist, dem ist nicht mehr zu helfen!

Grüße, ...

Pingu407
00
29.7.2009, 15:55

Steinbrück kann es ja auch nicht, deswegen kommt dieses Abkommen ja.

Most Schedl
02
28.7.2009, 14:39
Schweinerei

Was sich die Amis erlauben koennen, und die Europaer buecken sich nur.

Wenn man so sieht, was sich die Amis in den letzten Jahren ('Terrorkampf') an Rechten herausgenommen haben (und von UNS bekommen haben)....

Datenschutz ade. Is eh schon vorbei. Habe noch nicht gehoert das irgendwelche solche Regelungen jemals zurueckgenommen wurden.

Ein wenig hier ein wenig da, und weg is die 'privacy'

europa fassen
03
28.7.2009, 14:04
Armes Europa

Wenn schon die Aussenminister über Datenschutz entscheiden müssen.

Armes Österreich,
wenn ein gelobb'ter Aussenminister offenbar mehr Macht hat, als das ganze Parlament und es ihm scheißegal ist, was die Bürger wollen.

Ich frage mich aber, welches Theater da die Konservativen wiedermal spielen.
Im Parlament entrüstet vorgeben, gegen die Datenweitergabe zu sein und dann ihren Minister dafür stimmen zu lassen.

Schämt euch!!

monella laputa
02
28.7.2009, 12:23
Ich frage mich...

wozu wir eigentlich noch ein EU-Parlament und EU-PolitikerInnen haben! Wenn sowieso irgendwelche Agenten und Handlanger der USA ganz Europa ausliefern. Schafft die gesamte EU-Politik einfach ab. Das spart massiv Kosten. Zum Datenabsaugen genügen auch ein paar wenige Server.

Achja, auf all unsere Daten sollte China und Russland auch offiziell Zugriff haben. Schließlich schützen uns die genauso vor dem pösen Terror. Wenn schon, denn schon.

Systemimmanenter Dodel
02
28.7.2009, 12:16

He he, freu mich schon auf den Tag, an dem bekannt wird, dass das Konto eines Abgeordneten, oder gar ein Parteikonto durchsucht wurde.

Dann werden alle wieder wie aufgeschreckte Hühner herumirren, lautstark protestieren und einen UA abhalten!

katharina k
05
28.7.2009, 11:06

Der Artikel sollte eigentlich bei den Top News am Anfang der Seite stehen und nicht hier unter Wirtschaft!!!

Franz keiner
 
02
28.7.2009, 10:48

Bzgl Protest (frühere Beitrag, aber ich finde sehr wichtig, deshalb neu):
Eine email an Hernn Spindellegger ist mal auf jeden Fall eine gute Idee.
michael.spindelegger@bmeia.gv.at
(Dank an SiSe)

Wir sollten aber auch nach Europa protestieren.
Also emails an alle anderen Finanzminister von Europa.
Und vll eine große Email an das EU-Parlament.
Habe leider gerade keine Zeit email Adressen heraus zu suchen.
Werde das später noch erledigen, und hier reinschreiben. (Außer es findet sich wer anderer der auf email Adressen Suche gehen will).

Waldorf
 
11
28.7.2009, 10:35

Da muckieren sich österr. Politiker über den Datenschutz? Haben die mitbekommen was in ÖSterreich in dieser Hinsicht alles abläuft?

roundabout
20
28.7.2009, 10:34
Blablabla

die Amis werden einfach die SWIFT-Server knacken.

José Atento
12
28.7.2009, 10:29
Entwicklung ist absehbar

Es geht leider in fast allen westlichen Ländern alles in Richtung F*schismus.

Die einzige Frage, die noch offen ist, wird es ein linker oder rechter?

Derzeit tendiere ich eher zum linken.
Alles soll derzeit vom Staat geregelt/ kontrolliert/überwacht werden. Das ist anscheinend der tiefe Wunsch des Volkes, der jedes Mal bei den Wahlen zum Ausdruck gebracht wird. Warum sonst agieren Politiker in diese Richtung?

José Atento
04
28.7.2009, 10:16
Datenschutz gibt es schon lange nicht mehr!

Der Überwachungsstaat ist allgegenwärtig.
Auch die Schweiz ist in dieser Bankenkrise erpressbar geworden.

Am besten Bargeld nach Hause holen (Zinsen sind sowieso Null) und wo es geht NUR Cash transferieren. Kostet aber meist etwas mehr. Gut der Schutz der Daten muss einem schon etwas wert sein.

Alois Schwarz
07
28.7.2009, 10:07
YES, WE CAN

Die Amis können sich alles erlauben - wer geglaubt hat, dass sich mit Obama etwas ändert, wird zusehends enttäuscht.

José Atento
03
28.7.2009, 10:18
Obama

ist ein kleines Würstchen, eine Marionette.

Er war eben zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und wurde US- Präsident. Ich gebe ihm max. eine Periode.

devils grandma
 
17
28.7.2009, 09:48
der wahre terror sitzt mittlerweile nicht mehr in afghanistan oder im iran!

den schmäh vom "kampf gegen den terror" glauben wohl nur mehr ganz schlichte gemüter. wir werden in unserer freiheit immer mehr eingeschränkt, ausspioniert und überwacht. weil wir auch täglich von willfährigen medien hirngewaschen werden sind wir längst nicht mehr fähig uns dagegen zu wehren.
und genau deshalb hat der terror längst gesiegt!

José Atento
08
28.7.2009, 10:20

Die wahren Feinde der Bürger sitzen im eigenen Land.
Diese mächtigen Leute (Politiker, Finanzadel, Geheimdienste) wollen davon ablenken, indem sie den Terrorismus erfunden hatten, bzw. ihn inszenierten (siehe 9/11).

Beate Kreuzberg
04
28.7.2009, 09:40

"Das österreichische Parlament hat bereits vor zwei Jahren einstimmig einen Antrag beschlossen..."

Spindelegger, hast noch alle Ponys im Gehege diesen Unsinn gegen den Willen unseres Parlaments zu verteidigen?!?

Muhu
 
06
28.7.2009, 09:32
Kriegt die EU auch Einblick in US-Geldtransfers?

Zum Zwecke der Bekämpfung von Drogen- und Mafia-Geldtransfers natürlich nur.

Minimonk
03
28.7.2009, 09:08

unfassbar. Wo bleibt die politische Diskussion dazu? Das entspricht der Abschaffung des Bankgeheimnisses. Kann mir schon vorstelllen, wie das weitergeht: Geklaute und verkaufte Daten, ins Internet gestellt auf irgendwelchen Funafuti-Servern. Unsere Politiker werden sagen: In Österreich gilt das Bankgeheimnis. Ja, aber nur dort. Nachher kann man sich die Daten ja wieder von den Amis besorgen. Schöne neue Welt. Man sollte auf die Straße gehen!

Nick Knattertoni
00
28.7.2009, 08:50

d.h. alle banken "wären" nur mehr kleine dienstleister der zentralbanken (bzw. FED) die überall mitschneiden und wo alle daten zusammenlaufen.

ranchorelaxo
07
28.7.2009, 08:44

zum kotzen unsere willenlosen politkaschperln!
ich freu mich auf die nächsten wahlen...

jeannebaptiste
 
30
28.7.2009, 11:39
nächste Wahlen

wem willst denn deine Stimme geben? lol
die kannst ja allesamt vergessen... die sind gar nicht daran interessiert Lösungen für echte Probleme zu finden. Oder zu unfähig.

und ungültig wählen oder nicht hingehn ist auch hirnrissig.
Es ist jedes Mal dasselbe. Man sucht nach dem geringsten Übel... es reicht schon, wenn man sich im Nachhinein nicht allzuoft ärgern muss, aba auch das ist selten geworten.
also auf die nächste Wahl freu ich mich nicht wirklich... ändert sich eh nix oder wird immer schlimmer...

ScroogeMcDuck
012
28.7.2009, 08:29
Einfach zum Kotzen

Das ganze wird als Akt der EU der breiteren Öffentlichkeit verkauft, die nicht versteht, dass ihre nationalen Vertreter ihnen das eingebrockt haben.

Es ist einfach nur schockierend mit welcher Blauäugigkeit von europ. politischer Seite agiert wird. Daten- und Rechtsschutz werden garantiert? Und an wen wende ich mich, wenn dem nicht so ist? Darf ich dann in die USA fahren und klagen? Die USA fordern, die EU kommt dem bei. Hat man in Brüssel Angst, dass man bei uns einmarschiert, wenn einmal ein "nein" über den großen Teich schallt?

Die öster. polit. Elite stimmt für die Offenlegung von Finanztransaktionsdaten gegenüber den USA. Die Offenlegung von Einkommen oder Parteienspenden im Inland ist aber ein striktes Tabu.

Scheinheilig..

Hakuna Matata
 
02
28.7.2009, 20:27
"Die Offenlegung von Einkommen oder Parteienspenden im Inland ist aber ein striktes Tabu. "

Ich bin mir sicher, daß auch jegliche Offenlegung von Daten im Zusammenhang mit STIFTUNGEN STRIKTES TABU BLEIBT.
Deshalb ist nach meiner Meinung das ganze schwachsinnige Gesülze von "Kampf gegen den Terror" (seit 8 Jahren sucht die ganze Welt nach Osama bin Laden !!) ein reiner Vorwand.
Man will der Bevölkerung nur ein Feindbild vorsetzen und damit deren Überwachung und Abzocke rechtfertigen.

Irgendwann kann man dann jeden Menschen (ausgenommen Stiftungsbegünstigte, Bonzen, Mafiosi und Terroristen) auf den Cent genau "berechnen / bewerten".

mfg

H.M.

José Atento
02
28.7.2009, 10:24
Die Frage ist immer

Falls irgendwelche Daten bekannt werden, wie gehen die Ö Gerichte damit um.

Werden sie als Beweis zugelassen?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 198
1 2 3 4 5

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.