Mozilla ist aus Googles Nachbarschaft weggezogen, aber könnte es auch ohne das Geld des Internetgiganten überleben?
Seit der Veröffentlichung von Googles Browser Chrome im vergangenen Herbst, hat sich die enge Beziehung zwischen dem Suchmaschinenprimus und Mozilla verkompliziert. Ein erheblicher Teil von Mozillas Einkünften stammt von Google, das als Gegenleistung die Standard-Suchmaschine in Firefox ist. Bereits zum Release von Chrome wurde gemunkelt, dass Google aufgrund der neuen Rivalität den Deal mit Mozilla aufkündigen könnte. Bislang hat sich derartiges noch nicht abgezeichnet. Im Gegenteil, Google hat den Deal vor kurzem bis 2011 verlängert. Doch Mozilla beginnt sich nun stärker von Google zu emanzipieren.
"Mit Google konkurrieren ist ermüdend"
Mozilla hat sein Headquarter vor kurzem aus Googles Nachbarschaft ans andere Ende von Mountain View in Kalifornien umgesiedelt. Grund dafür sei hauptsächlich einer erhöhter Platzbedarf, doch es sei schwer den Schritt nicht auch symbolisch aufzufassen, meint Miguel Helft von der New York Times. Mozilla habe zwar gelernt, mit Microsoft und Apple zu leben, Google sei aber ein weiterer Gigant mit dem zu konkurrieren ermüdend sei, so John Lilly, der den Posten des CEO im vergangenen Jahr von Mitchell Baker übernommen hatte. Vor Chrome sei es einfacher gewesen.
Erfolgreichstes Open-Source-Produkt
Mit dem Release von Firefox war der damals etwas eingerostete Browser-Markt wieder wachgerüttelt worden und zu neuen Innovationen angespornt. Die Marktanteile des Browsers nehmen laufend zu und für viele Experten ist es nur eine Frage der Zeit, bis Firefox Microsofts Internet Explorer endgültig überholt hat. Mit etwa 300 Millionen Usern sei Firefox nicht nur das erfolgreichste Consumer-Open-Source-Produkt, sondern eines der erfolgreichsten Programme überhaupt, so Helft.
Mozilla muss sich beweisen
Der Erfolg von Firefox baut vor allem auf dem umfangreichen Add-On-System und der starken Entwickler-Community auf. NYT-Autor Helft beschreibt die Geschichte von Mozilla als ein "strahlendes Beispiel für das Potential von Open-Source-Software, die jeder modifizieren und verbessern kann". Der Aufstieg des Unternehmens sei eine der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten von Silicon Valley. Mozilla habe der Welt einfach gezeigt, dass Browser wichtig seien. Mittlerweile bestehe die Herausforderung jedoch darin, zu zeigen, dass Mozilla selbst noch wichtig sei.
Wettbewerb wird härter
Mit dem Release der neuesten Generationen von Apples Safari, Microsofts Internet Explorer und Googles Chrome sei der Kampf um die Gunst der User wieder härter geworden. Die drei Konzerne verfügen über wesentlich mehr Kapital, um die Entwicklung ihrer Browser voranzutreiben. Mozilla kann allerdings wie erwähnt auf eine große Community zurückgreifen, die sich unentgeltlich in die Verbesserung des Browsers einbringt. Bislang sieht es nicht danach aus, dass Firefox Marktanteile an Chrome abgeben muss. Laut Net Applications weist Chrome einen weltweiten Marktanteil von unter 2 Prozent auf, während Firefox auf über 22 Prozent gestiegen ist und Microsofts Internet Explorer kontinuierlich verliert und derzeit bei 66 Prozent liegt.
Es ginge auch ohne Google-Geld
Bei Mozilla habe man wenig Bedenken, dass Google sein Kapital abziehen könnte. Und laut dem NTY-Bericht sei man bei dem Unternehmen auch zuversichtlich, einen ähnlichen Deal mit einem anderen Konzern abschließen zu können, sollte sich Google tatsächlich zurückziehen. Um weiterhin erfolgreich zu bleiben, müsse Mozilla auch weiterhin innovativer als die Konkurrenz sein. Generell ist man sich bei Mozilla aber offenbar einig, dass ein stärkerer Wettbewerb auch die Innovationskraft antreibe. (red)