Streckenposten von Suzuki

27. Juli 2009, 16:29
24 Postings

Suzuki bringt die lang ersehnte Enduro. Wenn alles gut geht, spielen die Suzuki-Manager weiterhin Streckenposten

In Österreich boomt der Endurosport, und die heimischen Suzuki-Manager können nur wie die Streckenposten zuschauen, wie die anderen Marken mit dem Dreck um sich schmeißen. KTM ist in Österreich soundso eine Bank. Den Yamaha WRs hat einst Joe Lechner auf die Beine geholfen. Rund um Ampflwang war eh schon fast alles blau-weiß. Die 250er WR erfreute nicht nur die Herzen ausgesprochener Trialisten wie das des Dr. Redl, der für uns zuletzt die Montesa testete (Taktvoll trialn). Heuer zeigt Martin Sulzbacher mit der 250er WR in der ACC auf (Sulzi hebt ab).

Der Dr. Redl hat inzwischen die Yamaha gegen eine 250er Sherco eingetauscht. Joe Lechner fährt mittlerweile weniger Yamaha, trainierte zwischendurch hart auf Aprilia und hat im Fuhrpark viele KTMs und BMWs stehen. Ja, während BMW den Einstieg in den Endurosport mit der 450er ganz galant schaffte, schauten die Suzuki-Manager zu, wie die anderen Marken im Dreck wüteten.

Beim Motocross waren die Suzukis aber stehts vorne mit dabei - sowohl mit den Zwei- als auch mit den Viertaktern. Sie waren es auch, die die erste Motocross mit elektronischer Benzineinspritzung bauten. Und wenn man das alles weiß, ist auch klar, dass der Schritt von einer guten Crosser zu einer sportlichen Enduro gar nicht so weit ist. Und Suzuki macht es sich im Grunde recht einfach, nimmt die Viertakt-Crossmaschine RM-Z450 und schenkt ihr einen E-Starter, ein Licht, ein Infodisplay und einen Seitenständer. Ratzfatz noch ein bisserl Feintuning, und fertig ist die RMX-450Z.

Alurahmen, Fahrwerk und Plastics bleiben also gleich. Geändert wird die Airbox. Suzuki hat sie nun so verbaut, dass sie leichter zugänglich und trotzdem besser vor Verschmutzungen geschützt ist. Der Einlass wie auch die Nockenwelle wurden modifiziert, und die RMX bringt im Vergleich zur RM etwas mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich auf den Boden. Dazu wurde das Fünf-Gang-Getriebe höher abgestuft.

Größer ist der Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit, und auf der RMX gibt es einen eigenen Motorschutz gegen Steinschlag. Das Fahrwerk ist, wie gesagt, gleich wie bei der Crosser: eine vollverstellbare 47-mm-Federgabel von Showa und ein Federbein, das in Vorspannung und Dämpfung verstellbar ist, sowie zweifach in der Kompression. Lediglich die Federrate hat man an die Enduroerfordernisse angepasst.

Ein gute Idee ist im Display versteckt: Es arbeitet in zwei Modi. Im Sportmodus werden nur drei Infos angezeigt: Kilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit und der „Diameter-Calculator" - eine Reifendurchmesser-Korrektur, die beim Umstecken auf eine andere Reifendimension eine korrekte Anzeige ermöglicht. Im Normalmodus kann man zusätzlich Geschwindigkeit, Zeit, zwei Tageskilometer-Zähler und die Spannung ablesen.

Weil die RMX direkt von der RM abstammt, ist klar, dass die Enduro für Wettbewerbe und den echten Hard-Enduro-Einsatz gebaut ist und nicht als Spielzeug zum Spazieren fahren auf der Autobahn. Trotzdem wird es die RMX auf Wunsch auch zulassungsfähig geben. Das heißt, mit der Suzuki kann man auch die Endurotouren mitfahren, bei denen es notwenig ist, dass das Fahrzeug eine Nummerntafel hat. Sehen werden wir sie also nicht auf der Straße, sondern nur im harten Gelände.

Mit dem Preis will sich Suzuki an der Konkurrenz orientieren und denkt ganz leise einmal 9.000,- für die RMX-450Z an. Sollte die Enduro dann aber in alter Suzuki-Manier doch ein Eck günstiger sein als sonst alles, was es am Markt gibt, werden die Manager im gelben Gwandl in Zukunft erst wieder wie Streckenposten am Rand stehen. Diesmal aber nicht, um die Konkurrenz zu bestaunen, sondern weil ihnen alle Radln unterm Hintern weg gekauft wurden, so dass ihnen selber keines mehr geblieben ist. Uns kann es recht sein, von den Managern nicht auf der Rennstrecke gerichtet zu werden. Aber wir werden ja sehen. Ab November, wenn die Radln in den Handel kommen.
(Guido Gluschitsch)

  • Artikelbild
    foto: werk
  • Artikelbild
    foto: werk
  • Artikelbild
    foto: werk
  • Artikelbild
    foto: werk
Share if you care.