Beschluss durch Außenminister einstimmig angenommen
Brüssel - Island hat einen weiteren Schritt in Richtung Annäherung an die Europäische Union gemacht: Bei ihrem Treffen in Brüssel am Montag erteilten die EU-Außenminister der Kommission den Auftrag, ein Gutachten über den isländischen Beitrittswunsch vorzulegen. Der Beschluss wurde einstimmig angenommen.
In Ratskreisen in Brüssel wird nicht erwartet, dass die EU-Kommission ihre Stellungnahme zu Island vor Jahresende abgeben wird. Erst nachdem die Behörde ihr Gutachten vorgelegt hat, können die EU-Staaten über den Kandidatenstatus entscheiden und grünes Licht für Beitrittsverhandlungen geben. Der isländische Außenminister Össur Skarphedinsson erklärte zuletzt, dass er mit etwa dreijährigen Verhandlungen rechne. Da der EU-Beitrittsvertrag dann noch von allen Mitgliedsstaaten ratifiziert werden muss, dürfte Island der Union somit kaum vor 2013 beitreten.
Keine "Schnellspur"
Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft sieht gute Chancen für eine baldige Aufnahme Islands. Es gebe keine "Schnellspur" für das Land, "aber die Strecke, die Island zurücklegen muss, ist kürzer" als bei anderen Beitrittskandidaten, sagte der schwedische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Carl Bildt. Außenminister Michael Spindelegger erklärte, Island habe durch die EFTA-Mitgliedschaft gute Voraussetzungen für den Beitritt. Man dürfe jedoch Island nicht alle Tore öffnen und die Staaten des Westbalkans benachteiligen.
Auch Island werde auf dem Weg in die EU noch "schwere Fragen" zu lösen haben, wie etwa jene nach dem Zusammenbruch der Banken, Fischerei und Walfang. "Ich bin nicht so optimistisch, dass es nur ein Durchgang ist, der rasch erledigt ist." (APA)