Gänserndorf

Krimi ohne Ende um die Baxter-Affen

26. Juli 2009, 19:53
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    der standard/robert newald

    Aiderbichl, Ungarn oder Südafrika? Darüber, wo die Schimpansen, die derzeit im ehemaligen Safaripark Gänserndorf untergebracht sind, künftig leben sollen, wird seit Jahren gestritten

Seit sechseinhalb Jahren sind 41 ehemalige Versuchsschimpansen übergangsmäßig in Gänserndorf untergebracht - Ihre Zukunft ist ungewiss

Gänserndorf/Wien - Ob die Suche nach einer Zukunftsperspektive für die Baxteraffen glimpflich ausgeht, ist immer noch fraglich: Seit sechseinhalb Jahren leben die 41 Schimpansen, die davor in den Labors der Pharmafirma Versuchstiere für die HIV-Forschung waren, schon im Affenhaus des ehemaligen Safariparks Gänserndorf. Davon fünf Jahre nur von Pflegern betreut, also ohne jede Störung durch Besucher - weil der Park im strukturschwachen Marchfeld 2004 endgültig in Konkurs gegangen ist.

Laut Gesundheitsministerium stehen jetzt die Chancen, dass die Tiere dort auch weiterhin bleiben dürfen, nicht schlecht. "Es ist noch nichts unterzeichnet, aber bezüglich eines Vertragsabschlusses mit Gut Aiderbichl schaut es gut aus", sagt Thomas Geiblinger, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ). Die Aiderbichler, allen voran der Gründer des dortigen Tierrettungshofes, Michael Aufhauser, wären bereit, Affen und Affenhaus zu übernehmen, sagt Geiblinger. Doch Aufhauser selbst bestätigte das dem Standard bislang nicht.

Für Minister Stöger wäre eine Lösung in der Affenaffäre ein politischer Erfolg - zumal sich zwei seiner ÖVP-Amtsvorgänger an dem Problem die Zähne ausgebissen haben. Doch in seinem Büro gibt man sich ebenso bedeckt wie bei Baxter oder dem Gänserndorf-Masseverwalter Ferdinand Bruckner: vielleicht, weil es hinter den Kulissen bereits heftig kracht.

Fertiges Gehege in Ungarn

Erstens, weil Baxter den Plan, die 18 nicht HIV-infizierten Gänserndorfer Affen in den ungarischen Zoo Vezsprem unweit des Balaton zu bringen, offenbar noch immer ventiliert. Kein Wunder, wurde diese Option doch auch gründlich vorbereitet; wie gründlich, geht aus einer Gesprächsmitschrift einer Sitzung im Gesundheitsministerium vom Oktober 2008 hervor, das dem Standard vorliegt. Im Februar 2008 sei mit dem Zoo Veszprem ein Vertrag abgeschlossen worden, im August 2008 hätten die Ungarn mit dem Bau geeigneter Gehege begonnen, wird da Masseverwalter Bruckner zitiert. Die Bauarbeiten seien inzwischen abgeschlossen, bestätigte Baxter-Sprecher Roland Bettschart. Die Frage, ob das Geld dafür überwiegend vom Pharmakonzern kam, beantwortete er nicht. Laut einem Recherchebericht, der dem Standard vorliegt, sind für das Affengehege in Veszprem umgerechnet 1,8 Millionen Euro verbaut worden. Für Gehege, in die jetzt vielleicht nie ein Baxteraffe einziehen wird.

Zweitens hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten am 21. Juli 2009 gegen Masseverwalter Bruckner Mahnklage erhoben. Bruckner hatte von den Tierschützern die Option prüfen lassen, sämtliche Affen in eine südafrikanische Auffangstation zu bringen. Dafür hatte er den von der Vier Pfoten vermittelten Südafrikanern am 20. August 2008 schriftlich 20.000 Euro zugesagt. Die Beauftragten erfüllten die Vorgaben, doch dem Südafrikaprojekt wurde nicht nähergetreten. Jetzt, knapp ein Jahr später, will Bruckner auf einmal nicht bezahlen: Die Rechnung sei "nicht nachvollziehbar".

Außerdem habe der Vier-Pfoten-Zweigverein in Ungarn "durch unrichtige Agitation der Masse erheblichen Schaden zugefügt", schrieb der Masseverwalter am 14. 7. 2009. Für Vier-Pfoten-Anwalt Josef Unterweger "ein klarer Abmachungsbruch". Bruckner selbst gab keinen Kommentar ab.

Die Kritik an einer normalen Zootierperspektive für die 18 gesunden Affen hat auch inhaltliche Gründe: Mit den Schimpansen, vielfach als Babys ihren Müttern entrissen, von der Baxter-Vorläuferfirma Immuno nach Österreich gebracht und dann jahrelang in engen Käfigen gehalten, sei fast so schwer umzugehen wie mit psychisch kranken Menschen, meint die Primatenforscherin Signe Preuschoft. "Die Schimpansen haben ein Trauma. Unter ungewohnten Verhältnissen kann es zu ernsten Problemen kommen." (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juli 2009)

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Posting 1 bis 25 von 69
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Laura Hansen
01
30.7.2009, 08:48

Ich hab das Affenhaus in Gänserndorf gesehen, das ist wunderschön und ganz neu...und war sicher teuer. Was passiert dann damit?
Warum können die Affen nicht dort bleiben?

Irgendwas ist da ziemlich schlecht geplant worden.

www.weicheier.com
03
29.7.2009, 09:36
Ein Jammer,

wenn noch immer viele Menschen Tiere als Schweinsbraten sehen oder zur Belustigung in Zoos oder Zirkussen empfinden. Nur weil sie keine verständliche Sprache vom "lieben Gott" zugeteilt bekamen...
Schaut einmal in die Augen dieser gequälten Kreaturen, das ist ihre Kommunikation...

Helmut Z
02
30.7.2009, 09:37

100% d´accord.

Franz von der Wolke
21
27.7.2009, 13:44
obwohl der mensch hoffentlich nicht vom affen abstammt,

er tut nur so,

ein grausliche geschichte.

wenn ich jetzt schreibe, dass "die spritze" wohl das beste wäre, werde ich sicher verprügelt.

Michael Bakunin
01
28.7.2009, 11:00

na vom wem sollte deiner meinung nach der mensch denn sonst abstammen? vom regenwurm?

Desert Eagle .50
01
28.7.2009, 18:33

nein, es gibt keine evolution! die hominide lebensform kommt vom mars! also bitte, das weiss doch mittlerweile schon jeder... ;-)))

ela vie
06
27.7.2009, 14:40
kommt drauf an, für wen die spritze bestimmt ist

FalscherProphet
00
12.8.2009, 17:13
Eine Spritze zur versuchsmäßigen Infektion

mit Hepatitis B oder HIV
hätte man sich in Baxter-Kreisen jedenfalls untereinander verabreichen sollen - und nicht Schimpansen,
die diesbezüglich nicht klar "nein" sagen können...

Mike 23
00
27.7.2009, 15:55
Für die Affen wahrscheinlich.

mfg Michael

NONE
02
27.7.2009, 14:36

Ist es so schwer biologische Literatur zu lesen? Wo wird behauptet das Menschen "vom Affen abstammen"?

Fakt ist - es gab gemeinsame Vorfahren.

Wie bei allen anderen multizellulären Lebewesen ebenso.

Und ob du verprügelt wirst oder nicht ist unerheblich - die Frage ist eine ethische. Darf man Affen die man als Versuchstiere verwendet hat liquidieren? Zählen sie doch einfach alle pros und cons auf ohne a prior ein Urteil gefällt zu haben.

Michael Bakunin
00
28.7.2009, 11:00

der gemeinsame vorfahre war aber auch ein affe.
also stimmt die aussage schon so.

Mike 23
01
28.7.2009, 20:58
Im eigentlichen Sinn ist der Mensch ja immer noch

ein Affe.
Michael

ela vie
02
27.7.2009, 13:25
das pferd von hinten aufgezäumt

kann mir bitte jemand erklären,weshalb man in ungarn ein affenhaus um 1,8 mio errichten lässt, egal von wem das jetzt finanziert wurde, und dann im nachhinein plötzlich doch wieder eine andere lösung gesucht wird ? immerhin sind die schimpansen ja nicht erst seit gestern im safari-park und weiss man schon seit jahren über deren psychsichen zustand bescheid. scheint fast so, dass die zuständigen politiker, wwf -leute und sonst noch alle vom wilden affen gebissen wurden.

Austrokiwi
04
27.7.2009, 12:51
Wer ein Zeichen für...

...mehr Förderung für alternative Versuchsmethoden setzen möchte, sollte hier mitmachen:

www.makeanimaltestinghistory.org

hamstertier
00
27.7.2009, 15:11
an austrokiwi

meine familie und ich laufen da schon seit anfang der aktion mit, eine supersache ;-)

florianec
45
27.7.2009, 11:17
achmo ledbid,

ja, menschen dominieren die erde. tierversuche sind wohl in jeder hinsicht ein negatives beispiel für die dominanz der menschen. erstens sind sie grausam ohne ende, eine quälerei, die mE nur menschen zustande bringen. zweitens können die ergebnisse von tier auf mensch oft nicht übertragen werden (auch wenn schimpansen zu über 90% genetisch mit uns identisch sind)-zu viele fehler wurden dadurch schon gemacht. und drittens gibt es mittlerweile eben technologien/wissen, die tierversuche jeglicher art unnütz machen, somit ethisch um jeden preis vorzuziehen wären, leider ist tiere-töten billiger, egal ob maus, hund oder primat. ich glaube das argument der gesundheitlich davon profitierenden menschen gilt nicht mehr.

Mike 23
00
27.7.2009, 15:40
Welche Technologien meinen Sie?

Michael

Achmo Ledbid
60
27.7.2009, 13:31
wenn die....

...ergebnisse nicht von tier auf mensch übertragbar wären, dann würden wirtschafltich denkende pharma-forschungsinstitute keine tieversuche mehr machen. würden sie sich nun als versuchsobjekt zur verfügung stellen? ich wünsche ihnen, dass sie nie auf medikamente dauerhaft angewiesen sein werden.

florianec
01
ach, und noch was...

wirtschaftlich denken pharmakonzerne sehr wohl. fakt ist, dass tiere das billigere mittel sind (deshalb steht die qualität der versuche höchstens an zweiter stelle). wie sonst sollte es rentabel sein, dass anfang dieses jahrtausends über 1000 für medizin. zwecke herangezüchtete hunde dann einfach getötet wurden, weil man sie dann doch nicht brauchte?
hier geht's in erster linie um geld, um keine ethik und nichtmal um hausverstand.

florianec
01
ich empfehle...

...zu lesen. jane goodall hat beispielsweise gute informationen in büchern gesammelt, die sehr wohl bestätigen, dass a.) computerunterstütze tests oft viel genauer sind als tierversuchstests (abgesehen von der unglaublichen quälerei) und dass b.) es genügend beweise dafür gibt, dass tierversuchsergebnisse nicht unbedingt auf menschen übertragbar sind (einer der größeren bekannten skandale war rund um das arzneimittel contergan, das eben an tieren erfolgreich getestet wurde - die ergebnisse bei menschen sind ja bekannt).

NONE
03
27.7.2009, 14:39

Moment - was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wieso müsste er sich als Versuchsobjekt zur Verfügung stellen?

Im übrigen helfen Medikamente nicht immer, insofern darf man da sehr wohl die Frage stellen ob Forschung durch Pharmafirmen jemals deren eigenes Modell verändern würde (wozu denn auch, eine cashcow die man selbst abschiesst wäre sowieso komplett unsinnig)

Es geht hier aber nicht um GELD, sondern um ETHIK.

Bitte trennen sie diese Punkte.

Beaconsfield
04
27.7.2009, 12:34
..technologien/wissen, die tierversuche jeglicher art unnütz machen..

Ich frage, völlig wertefrei und einfach interessiert:

Welche Ansätze gibt es auf diesem Gebiet? Mir fallen EDV-Simulationen ein aber sie kämen mir, aus der Sicht eines künftigen Patienten, auch abenteuerlich vor. Vielleicht zum frühen Wegsortieren absoluter wissenschaftlicher Holzwege geeignet?

NONE
03
27.7.2009, 14:40

Hier stimme ich zu.

Meiner Meinung nach ist das Hauptproblem das man multizelluläre Systeme verwenden muss.

Ich denke aber auch das dies ein Problem ist, das lösbar erscheint, und in Zukunft wohl auch gelöst werden kann. (Aber wann das soweit ist ... wer weiss)

H. G.
00
27.7.2009, 09:40
warum nicht tiergarten schönbrunn

die brauchen doch auch geld, haben pfleger und die richtige infrastruktur

hamstertier
01
29.7.2009, 15:20
an h.g.

schönbrunn hat nicht die richtige infrastruktur für 41 affen, und, diese affen sind nicht zootauglich. deshalb sollten sie auch nicht in den ungarischen zoo gebracht werden.

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