Nachlese 2009

Contador holte seinen zweiten Sieg ab

27. Juli 2009, 17:14
  • Die dänische Hymne für Alberto Contador.

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    Contador vor allen...

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    ...mit dem Gelben vor dem Arc de Triomphe.

Nicht unumstrittener Spanier wurde Favoritenrolle gerecht - Supersprinter Cavendish zweiter großer Star der Tour

Paris - Alberto Contador war bei seinem zweiten Toursieg so sattelfest wie Lance Armstrong in seinen besten Zeiten und Mark Cavendish als sechsfacher Etappensieger unantastbar: Die 96. Tour de France, die am Sonntag nach 3.549,5 Kilometern und bis dato dopingfrei zu Ende ging, hatte in dem Spanier und dem Briten die großen Protagonisten. Gegen den überragenden Contador, der sich anschickt, seinem Landsmann und fünffachen Tour-Champion Miguel Indurain nachzueifern, hatte kein Fahrer etwas entgegenzusetzen.

"2007 habe ich mit den Beinen gewonnen, diesmal auch mit dem Kopf", sagte der 26-Jährige, dem nach seinem zweiten Tour-Triumph noch weitere Tour-Siege und der Angriff auf Lance Armstrongs sieben Triumphe zuzutrauen sind. Der Luxemburger Andy Schleck, bester Jungprofi, war mit 4:11 Minuten Rückstand der Kronprinz des nicht unumstrittenen Matadoren aus Pinto bei Madrid, der die Serie der spanischen Toursiege seit 2006 fortsetzte.

Der 37-jährige Armstrong konnte vier Jahre nach seinem letzten Triumphzug auf den Champs Elysees nicht ganz an alte Klasse anknüpfen und war mit Platz drei 5:24 Minuten hinter Contador durchaus zufrieden. "Als alter Sack hierherzukommen und das Podium zu erreichen, ist nicht so schlecht", umschrieb Armstrong seine eigene Leistung mit einer Prise Ironie.

Der 24-jährige Cavendish, der bei seiner dritten Teilnahme Paris zum ersten Mal erreichte, schrieb sein Kapitel im Rekordbuch der Tour weiter. Noch nie schaffte ein Profi in seinem Alter zehn Etappensiege in zwei Jahren. Auf der prestigeträchtigen Final-Etappe ließ Cavendish, der dem Norweger Thor Hushovd das Grüne Trikot nicht entreißen konnte, der Konkurrenz am Sonntag beim Schaulaufen über 164 Kilometer im Ziel des 21. und letzten Abschnitts abermals keine Chance.

Cavendishs' österreichischer Teamkollege Bernhard Eisel, der sich wie im Vorjahr in den Dienst seines erfolgreichen Columbia-Teams stellte, beendete die Tour als 150. unter 156 in Paris angekommenen Startern. Der Kärntner Milram-Profi Peter Wrolich hatte vor der 13. Etappe aufgeben müssen. Überschattet wurde die 96. Tour vom Unfalltod einer Zuschauerin auf der 14. Etappe.

Freilich gilt für das Gesamtklassement der Tour wie in den vergangenen Jahren die Lotto-Klausel "Ohne Gewähr". Zu oft mussten die Annalen der Rundfahrt umgeschrieben werden, weil den Fahnder nachträglich ein prominenter Doper ins Netz gegangen war. Vor drei Jahren ließ sich Floyd Landis als Armstrong-Nachfolger in Paris feiern - wenige Tage später wurde der US-Amerikaner des Testosteron-Dopings überführt und der Spanier Oscar Pereiro als Gesamtsieger notiert. Im Vorjahr blieben auch die Verfehlungen eines gewissen Bernhard Kohl, damals wie heuer Armstrong zunächst Dritter, nicht ohne Konsequenzen.

Fragen nach der Doping-Vergangenheit Armstrongs, der den Tour-Rekord von acht Podestplätzen des Franzosen Raymond Poulidor einstellte, wurden vom Veranstalter längst nicht mehr gestellt. Seine nachträglichen Positiv-Analysen der Tour 1999 waren vor vier Jahren aus formellen Gründen ohne Sanktionen geblieben. Der Texaner wurde als gern gesehener Rückkehrer begrüßt und der Fortsetzung seines Comebacks 2010 mit neuem Team sehen die Organisatoren unter ökonomischen Gesichtspunkten bereits mit Ungeduld entgegen.

Sportlich hatte Armstrong gegen den elf Jahre jüngeren Contador, der anders als bei seinem ersten Sieg 2007 inzwischen auch im Zeitfahren eine Macht ist, keine Chance. Das große Ziel seines achten Toursieges lag nie in Reichweite. Nach seiner Tour-Ehrenrunde kündigte Armstrong an: "Meine Vorbereitung für 2010 beginnt im August." (APA)

Ergebnis 21. Etappe (Montereau-Fault-Yonne - Paris Champs-Elysees/164 km):

1. Mark Cavendish (GBR) Columbia 4:02:18 Std.

2. Mark Renshaw (AUS) Columbia

3. Tyler Farrar (USA) Garmin-Slipstream

4. Gerald Ciolek (GER) Milram

5. Yauheni Hutarowitsch (BLR) FDJeux

6. Thor Hushovd (NOR) Cervelo

7. Jose Rojas (ESP) Caisse d'Epargne

8. Marco Bandiera (ITA) Lampre

9. Daniele Bennati (ITA) Liquigas

10. William Bonnet (FRA) Bouygues Telecom alle gleiche Zeit.

Weiter: 154. Bernhard Eisel (AUT) Columbia +1:08 Min.

Preisgeld-Rangliste: 1. Astana (Contador, Armstrong) 697.050 Euro - 2. Saxo Bank (Andy Schleck, Fränk Schleck) 362.850 - 3. Liquigas 156.360 - 4. Garmin-Slipstream (Wiggins) 152.870 - 5. Team Columbia-HTC (Cavendish, Eisel) 102.300. Weiter: 13. Milram (Wrolich) 32.830

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
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Longyearbyen
 
12
28.7.2009, 10:26
Fazit


Die ASO(TDF) hat die letzten Jahre versucht einen Krieg gegen das Doping zu führen, und hat ihn verloren. Zurück bleibt ein Trümmerfeld an Glaubwürdigkeit, und eine Gesellschaft, die einer beispiellosen Demaskierung einer Sportart teilhaftig wurde. Welche Lehren wird sie daraus ziehen?

maxx 77
10
27.7.2009, 12:51
Damit das auch erwähnt wird:

Der gestrige Sprint von Columbia gehört ins Lehrbuch eingeklebt => erst degradiert Hincapie den Garmin-Zug zur Bim, dann übernimmt Renshaw in einem derartigen Tempo, dass Hushovd das Hinterrad von Cavendish verliert und 200m vor der Linie zündet Cav schließlich den Turbo - beeindruckende Teamleistung!

Allerdings hatte man gestern schon das Gefühl, dass die Garmin-Leute zum ersten Mal in ihrem Leben einen Sprint anfahren, siehe auch die unmögliche Linie durch die letzte Kurve, die Hushovd um ein Haar noch das Grüne Trikot gekostet hätte...

Dr Zoidberg
10
27.7.2009, 14:37

Nach der letzten Kurve sind ausser Cav und Renshaw quasi alle gestanden, weil die Garmin-Dodeln allen die Kurve zugemacht haben.
So was gibts ja eigentlich nicht, dass der Anfahrer hinter seinem Sprinter zweiter wird. Naja, ausser Steegmans vielleicht, der sogar einmal vor seinem Boss Boonen ins Ziel kam. ;°)

Christ Kind
10
27.7.2009, 13:44
Moment,

Hushovd war ja auf der anderen (linken) Seite, die 2 Garmins waren aber rechts. Eigentlich waren die sehr smart, zu versuchen die Innenkurve zu bekommen, waer auch fast aufgegangen, haett nicht Hincapie dies ueberissen und noch vor der Kurve an Renshaw abgegeb. Dadurch ist er aus dem "Train" gegangen, nach rechts und hat den Garmins den Weg verstellt.

zu 50 % gehoert der Sprint Hincapie, das war eine taktische Meisterleistung.

der Garmintrain selbst war einfach viel zu frueh dran, die haetten wissen muessen, dass sie Columbia nicht so lange fuehren koennen.

maxx 77
10
27.7.2009, 14:06

Naja, das war wohl eher - wie unten erwähnt - eine Verzweiflungsaktion von Garmin, weil die sich eigentlich ausrechnen konnten, dass sie in dem Winkel nie und nimmer mit Fullspeed durch die Kurve kommen (ist sich ja sogar trotz Abbremsen nur haarscharf ausgegangen): http://www.youtube.com/watch?v=oB2zbf4vh1U

Hushovd war deshalb der Leidtragende, weil er dadurch von Farrar und seinem Anfahrer an der Bande eingeklemmt wurde - mit einem Sturz oder einem Finish außerhalb der Top-10 hätte er Grün noch an Cavendish verloren.

Christ Kind
10
27.7.2009, 14:20
ich habs mir wieder und wieder

angeschaut, haett Hincapie fuer die 2 Garmins ned Bremser gespielt, waer es sich vielleicht ausgegangen - dass als Ergebnis Hushovd eingeklemmt war ist zwar ned schoen, war aber sicher noch regelkonform.

Der Freund Deiner Frau
11
27.7.2009, 13:35
Das ist schoen,

dass hier auch noch mal jemand uebers Rennen spricht. Die Garmin haben mit dem Mut der Verzweiflung wirklich alles falsch gemacht. Es war aber schon sauknapp vor dieser Rechtskurve und ich glaube, Hushovd konnte sich kurz nicht entscheiden. An der Bande haette das noch ganz uebel fuer ihn ausgehen koennen. Seis wies sei, Cav war bei der Tour nicht nur der Allerschnellste, er hatte auch ein perfektes Team fuer das Anfahren der Sprints. Der Norweger ist dennoch ein weit kompletterer Radfahrer, oder wie er es gestern dann doch noch ausgedrueckt hat: "Ich war der beste Sprinter!" Hushovd passt irgendwie gut zu Typen wie Ulvang und Kjus.

Ein rechtschaffener Österreicher
11
27.7.2009, 11:27
Freiheit für Doping !

Lasst doch all die Deppen dopen wie sie wollen !
Einzige Bedingung: Die Gedopten dürfen niemals für ihre durch Doping verursachten gesundheitlichen Probleme aus der Kasse der Allgmeinheit behandelt werden. Wenn die an Doping verrecken ist das zwar tragisch, aber deren eigene entscheidung. Gels stinkt halt nicht - schon gar nich für die Sponsoren.

choice
11
27.7.2009, 11:57
Das dumme ist halt nur, dass es dann mind. 30 Tote bei der Tour geben würde...

und noch schlimmer ist, dass dann das halbe Feld so skeletthaft wie Rasmussen ausschauen würde...

Der einzige Vorteil wäre, dass nun Österreicher bei der LA-WM Chancen hätten

Van the Man
10
27.7.2009, 11:22
Danke auch für die

schöne Darstellung des Gesamtklassements!

Walter L.
11
27.7.2009, 11:15
Contador der ungeliebte Sieger

Ich war am Samstag am Mont Ventoux, als die Spitzengruppe mit Contador an uns vorbeifuhr waren ein dumpfes Raunen und vereinzelt sogar Buhrufe in Richtung Contador zu hören. Jubel hört sich auf jeden Fall anders an. Die Andy Schleck Fans waren deutlich in der Überzahl.

die_eidechse
 
12
27.7.2009, 09:23

macht euch doch nix vor.
jeder spitzensportler - und auch mancher breitensportler - betreibt doping im großen stil.

fußball, schwimmen, tennis... egal!

komisch nur, dass die spanier (laxe anti-doping gesetzte ohne tatsächliche umsetzung) plötzlich überall überragend sind...

anton-aus-tyrol
 
20
27.7.2009, 09:16
Gratulation an Novartis, oder wie seine Firma heißt!

systemfehler1
37
27.7.2009, 05:31
Ein Triumph der Medizin!

EPOchal!

PatBateman
10
27.7.2009, 09:17

Der Contador war sicher der Einzige, der gedopt hat, oder?

systemfehler1
11
27.7.2009, 11:37
Spritzige Antwort.

Nö, war er sicher nicht. Ich schätze mal, 50% des Starterfeldes dopt massiv, der Rest nur sehr dilettantisch.

Möter
20
26.7.2009, 22:52
Bravo!

Phil Phaust
10
28.7.2009, 11:27
die frau ist mir unsympathisch

allein wegen ihres kampfes gegen das vw-gesetz. oder ihre kritik am dt. sparkassenwesen. heute ist man froh, dass es sie gibt!

man muss nur einmal googlen, wo die gute überall als aufsichtsratsmitglied ihre finger im spiel hatte. wird einmal richtig schlecht.

wieso hat die gute sich nicht einmal mineralölkonzerne/versorger (bezinpreis zu ferienzeiten, gaspreise) vorgenommen? wo ist da der wettbewerb?

verglecht man den lh-aua-deal mit dem af-klm-deal, scheint die gute mir niederländische interessen zu vertreten. gut, kommt bei eu-kommissaren nicht selten vor...

leonhard minutillo
37
26.7.2009, 20:22
bild-zeitung:

"contador - schon der name klingt wie ein medikament"

Austro-Spanier0
11
27.7.2009, 22:00
Was kann man sich von der Bild anderes erwarten?

Bedauerlich allerdings das Niveau der Leser, dem sie auch angehören zu scheinen.

Mark Manko
11
27.7.2009, 08:10
eher wie ein Fussballbegriff

Contador = richtig ist "Kontator"

brandyard
24
26.7.2009, 21:20

das ist aber nur das vorläufige ergebnis. änderungen im klassement können sich schon nach der nächsten dopingkontrolle und mit hilfe von neuen analysetechniken ergeben... also mal abwarten

yo soy rebenga
10
27.7.2009, 08:32

ich dachte bisher, die proben für die dopingkontrollen werden vorne abgenommen.

brandyard
10
27.7.2009, 10:33

das schon, aber sobald es eine neue untersuchungsmethode gibt, wird die probe halt nochmals analysiert...

siehe börnie kohl

Killbill2
10
27.7.2009, 22:17
Dann ist Eisl der Sieg sicher ...

... nur eine Frage der Zeit ...

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