Zweiter Auslieferungsantrag Strafverfahren in Wien läuft
Wien - Der strafrechtliche Teil der Causa Rakhat Alijew spielt am Landesgericht für Strafsachen Wien. Österreichs Justiz hatte ja die Auslieferung zur Strafverfolgung Alijews nach Kasachstan verweigert: Es erwarte ihn kein faires Verfahren. Inzwischen wurde der Ex-Schwiegersohn von Staatspräsident Nursultan Nasarbajew, Ex-Vizegeheimdienstchef, Ex-Vizeaußenminister und Ex-Botschafter daheim zu 40 Jahren Haft (räuberische Erpressung, Bildung einer kriminellen Vereinigung, versuchter Staatsumsturz) verurteilt.
Hintergrund: Alijew hatte sich in Opposition zu seinem Schwiegervater begeben, fiel 2007 endgültig in Ungnade, blieb in Österreich. Daheim begann ein Kampf um seine Besitztümer. Alijew war etwa Mehrheitseigner der Nurbank; die sollte verkauft werden, auch Raiffeisen zeigte Interesse. Als Vermittler trat Ex-Notenbank-Chef Adolf Wala auf; er galt als Aufsichtsratschef der Nurbank. Inzwischen gehört Alijews Aktienpaket seiner Ex-Frau Dariga und Sohn Nurali.
2007 waren zwei Nurbank-Manager entführt worden - sie blieben bis heute verschwunden. Eben deswegen ermittelt in Wien Staatsanwalt Peter Seda gegen Alijew und andere; es geht um den Verdacht der erpresserischen Entführung und Erpressung, und es gilt die Unschuldsvermutung. Zudem hat Kasachstan einen Antrag auf Auslieferung Alijews zur Strafvollzugvollzugsvollstreckung gestellt - darüber wird das Straflandesgericht demnächst entscheiden. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2009)