Regisseur Christof Loy, Dirigent Ivor Bolton, das Freiburger Barockorchester und der Salzburger Bachchor machten aus einem statischen Heldenepos einen bejubelten Opern-Abend
Salzburg - Bei seiner Uraufführung 1750 ist Händels Oratorium "Theodora" beim Publikum gnadenlos durchgefallen. Nicht ganz zu Unrecht - das moralisierende Heldenepos im urchristlichen Milieu ist statisch, die Handlung ist langwierig und derart undramatisch, dass die Geschichte für einen Flop auf der Bühne wie geschaffen scheint. Die erste Opernpremiere zum Auftakt der Salzburger Festspiele 2009 ist dennoch ein rundum gefeierter Erfolg geworden. Der Grund dafür ist die hervorragende Arbeit des Regieteams von Christof Loy und der Musiker um Dirigent Ivor Bolton.
Loy hat seiner "Theodora" behutsam und musikalisch Tempo verliehen, ohne sie mit interpretierenden Regieeinfällen zu überfrachten. Der Regisseur nützte den Riesenraum des Großen Festspielhauses, um die ätzende Selbstlosigkeit ultrakeuscher Christen und die bornierten Machtdemonstrationen der römischen Herrschaft aus der historischen Totenstarre zu befreien. Die vier Stunden Spielzeit bleiben lang. Aber nicht zuletzt durch die kluge und moderne Ästhetik der Bühne von Annette Kurz und vor allem durch das außergewöhnlich plastische Musizieren des Freiburger Barockorchesters und des Salzburger Bachchores ist diese behäbige Opern-Kiste zu einem bejubelten Ereignis geworden.
Auch den Solisten gebührt ein Anteil am Erfolg, obwohl Star-Sopranistin Christine Schäfer in der Titelrolle ein wenig blass agierte und hinter den Erwartungen zurück blieb. Dafür sorgten Countertenor Bejun Mehta, Bariton Johannes Martin Kränzle, Tenor Joseph Kaiser und mit Abstrichen auch Mezzo Bernarda Fink für berührende Opern-Momente. Verdienter Applaus für alle am Ende der ersten Premiere in Salzburg 2009. (APA)