Felsenreitschule

Fischer eröffnet 89. Salzburger Festspiele

25. Juli 2009, 17:09
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    Bundespräsident Fischer eröffnete die diesjährigen Salzburger Festspiele.

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    Johannes Martin Kränzle (l.) als' Valens, 'Christine Schäfer (m.) als 'Theodora' , Joseph Kaiser (r.) als 'Septimius' und Mitglieder des Salzburger Bachchor am Dienstag, 21. Juli 2009, während der Fotoprobe zu Georg Friedrich Händels Oratorium 'Theodora' in Salzburg. Die Oper hat heute, Samstag, im Grossen Festspielhaus Premiere.

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    Das portugiesische Präsidentenpaar Maria Cavaco Silva und Präsident Anibal Antonio Cavaco Silva, Präsident Heinz Fischer, seine Frau Margit Fischer, Kanzler Werner Faymann, und Nationalrats-Präsidentin Barbara Prammer (von links nach rechts).

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    Festredner, Autor Daniel Kehlmann während seiner Ansprache.

Kehlmann setzte sich kritisch mit Regietheater auseinander - Bundespräsident erinnert an Zweiten Weltkrieg - Mit Video

Salzburg - Bundespräsident Heinz Fischer hat heute, Samstag, in der Felsenreitschule die 89. Salzburger Festspiele bei einer Festveranstaltung eröffnet. Die Festrede mit dem Titel "Die Lichtprobe" hielt der 34-jährige Autor Daniel Kehlmann. Das Festival steht heuer unter dem Generalthema "Das Spiel der Mächtigen". Rund 190 Veranstaltungen auf 14 Spielstätten stehen bis 30. August - also 37 Tage - auf dem Programm.

"Etwas Absonderliches ist geschehen"

Das Verhältnis zwischen Autor und Regisseur bildete ein zentrales Element der Festrede und veranlasste Kehlmann zu einer kritischen Betrachtung des sogenannten Regietheaters: "Bei uns ist etwas Absonderliches geschehen. Irgendwie ist es in den vergangenen Jahrzehnten dahin gekommen, dass die Frage, ob man Schiller in historischen Kostümen oder besser mit den inzwischen schon altbewährten Zutaten der sogenannten Aktualisierung aufführen solle, zur am stärksten mit Ideologie befrachteten Frage überhaupt geworden ist.

Eher ist es möglich, unwidersprochen den reinsten Wahnwitz zu behaupten, als leise und schüchtern auszusprechen, dass die historisch akkurate Inszenierung eines Theaterstücks einfach nur eine ästhetische Entscheidung ist, nicht besser und nicht schlechter als die Verfremdung, auf keinen Fall aber ein per se reaktionäres Unterfangen." Wo Regisseure die Stars seien, "dort halten sich die Autoren zurück. Wo sich Autoren zurückhalten, beanspruchen die Regisseure den Status eines Stars, dem kein Urheber - lebend oder tot - dreinzureden habe", so der Festredner.

Rede des Bundespräsidenten

Der Bundespräsident würdigte in seiner Eröffnungsrede anlässlich des Staatsbesuchs von Portugals Präsidenten Anibal Antonio Cavaco Silva die hervorragenden Beziehungen zwischen beiden Ländern. Fischer erinnerte in diesem Zusammenhang an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der sich heuer zum 70. Mal jährt und der ein unglaubliches Ausmaß an Gewalt, Leid und Verbrechen mit Millionen von Opfern mit sich brachte.

Es sei unsere Pflicht, "diese Tragödie im Gedächtnis zu behalten und Lehren daraus zu ziehen", betonte der Bundespräsident. "Auch das Prinzip der Freiheit der Kunst hat erst nach dem Ende von Krieg und Diktatur seinen Stellenwert wieder finden können", sagte Fischer. Die Salzburger Festspiele hätten der Idee eines Europas immer wieder Impulse gegeben. "Heute wird europäische Kunst von überwiegend europäischen Interpreten vor internationalem Publikum auf Salzburger Boden präsentiert."

"Spiel der Mächtigen"

Das Generalmotto der diesjährigen Salzburger Festspiele "Das Spiel der Mächtigen" stellte Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) in den Mittelpunkt ihrer Rede. Schmied ging vor allem auf die "Macht" ein und spannte dabei einen kritischen Bogen von der politischen Macht zur Macht der Kultur. Oft sei es die Politik, der man Macht zumesse und vielfach auch den Missbrauch unterstelle. Aufgabe der Kunst sei es, an der Macht zu rütteln.

"Sie ist gefordert, den gesellschaftlichen Wandel mahnend zu begleiten und Werthaltungen und Motive zu hinterfragen", sagte die Kulturministerin. Aus der Analyse, dass Macht den konstruktiven Beitrag, auch den Widerspruch brauche, entstehe ein gesellschaftlicher Auftrag. Demokratie sei kein statisches Gebilde. Sie müsse täglich erarbeitet und weiterentwickelt werden. "Es muss uns daher gelingen, auch die junge Generation davon zu überzeugen, dass es ihr möglich ist, die politische und die wirtschaftliche Macht zu kontrollieren", so Schmied.

"Schlimme Attacken" eines "ökonomischen Pessimismus"

Mit der ökonomischen Krise und der Macht befasste sich Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) in ihrer Begrüßungsrede. "Wir leiden derzeit unter einer schlimmen Attacke an ökonomischem Pessimismus", zitierte Burgstaller den britischen Ökonom John Maynard Keynes. Aber einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts mache es sich - und uns, den Urenkeln seiner Epoche - nicht zu einfach. "Das Paradies gibt's schließlich nicht zum Nulltarif", so die Landeshauptfrau. Wir alle hätten es in der Hand, dass unsere Welt besser, schöner und gerechter denn je aus den vielfachen Prüfungen der Gegenwart hervorgehe.

Musikalisch untermalt wurde die Eröffnungsveranstaltung mit dem Adagio aus Joseph Haydns Symphonie d-Moll Hob. I:26 "Lamentatione", das vom Mozarteumorchester Salzburg unter seinem Chefdirigenten Ivor Bolton gespielt wurde. Auch das Chorstück "He saw the lovely youth" aus Georg Friedrich Händels Oper "Theodora", bei dem der Salzburger Bachchor sang, kam zum Einsatz. Den musikalischen Abschluss bildete eine Komposition für drei Schlagzeuger von Iannis Xenakis mit dem Titel "Okho", die von Martin Grubinger, Slavik Stakhov und Leonhard Schmidinger interpretiert wurde. (APA)

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Anna Lüse
00
27.7.2009, 15:18
Hört, hört

"Es muss uns daher gelingen, auch die junge Generation davon zu überzeugen, dass es ihr möglich ist, die politische und die wirtschaftliche Macht zu kontrollieren", so Schmied.
Diese Worte aus dem Munde einer Politikerin - klingt ziemlich absurd. Ich hoffe, die Schüler- und Studentenvertreter nehmen die Bildungsministerin bei nächster Gelegenheit beim Wort.

DesEsseintes
20
26.7.2009, 12:01
Zwangsbeglückung

Was ist mit all den "Losern" hier, die Kehlmanns intellektuelle und künstlerische Brillianz nicht wahrhaben wollen?
Büchnerpreis, mindestens. Eher Nobelpreis.

aperolsprizzz1
10
26.7.2009, 15:39
ja, alle Preise für den Dolm

und Leuten wie dem Winkler, die was Essentielles sagen, Einreiseverbot in Döbling. So gehört es sich.

Isogseich Eini
04
26.7.2009, 01:53

Was soll eigentlich die ganze Aufregung, nur weil Kehlmann es wagt, das (sogenannte) Regietheater zu relativieren? Er sagt ja nur, es sei eine "ästhetische Entscheidung", ein Stück oder so zu inszenieren, nicht mehr und nicht weniger. Eine Möglichkeit unter vielen. Na und?

najanichtwirklich
10
27.7.2009, 19:43
er relativiert nicht

auch wenn das ganze gern so sehen möchte. er setzt "regietheater = diktatur". das ist der wahnsinn. diese rede relativiert GAR NICHTS.
abgesehen davon, dass der begriff des regietheaters einfach so schwammig ist, dass er vernünftigerweise gar nicht mehr verwendet werden sollte. das kann jeder aufladen mit was immer er will.

besser wäre er auf dahinter liegende strukturen eingegangen, auf wirkliche institutionen und personen. da kann es problematische verhältnisse geben. DAS wäre mutig gewesen. Das alles dem "linken regietheater" in die schuhe zu schieben, ist wirklich etwas billig.

najanichtwirklich
00
27.7.2009, 20:05
okay, jetzt relativiere ICH mich

das war jetzt ein bißchen hart. aber er spielt schon damit.

Isogseich Eini
00
27.7.2009, 21:22

Das wirkliche Problem sind die Fundis, die ästhetische Möglichkeiten zu weltanschaulichen Fragen aufblasen.

najanichtwirklich
00
28.7.2009, 12:23
bin ich ein fundi?

hoffentlich nicht. maximal etwas verärgert...

najanichtwirklich
00
28.7.2009, 12:30
wenn ich der ansicht wäre

dass kehlmann sagt: hey, regietheater schön und gut, aber bitte nicht als einzig wahre möglichkeit - damit HÄTTE ich kein problem. tut er meiner auffassung nach aber nicht, sondern er färbt, lässt assoziationen entstehen und behauptet eine angeblich objektive Außensicht. Allein schon die direkte Verbindung "Mein Vater als Opfer des Regietheaters" finde ich ausgesprochen problematisch...

Isogseich Eini
00
28.7.2009, 14:40
... er färbt, lässt assoziationen entstehen und behauptet eine angeblich objektive Außensicht ...

Die Rede hat schon auch etwas von einer Abrechnung, das stimmt schon. Es stimmt allerdings auch, dass Michael Kehlmann auch (nicht nur) ein Opfer des Regietheater-Zeitgeistes war. Aber selbst wenn ich diese sehr persönliche (und gerade deswegen authentische) "Färbung" weglasse, bleibt für mich als Befund, dass das "Regietheater" (also der Regisseur als der eigentlich Schaffende) als Paradigma vorbei ist und dass man sich über die Angemessenheit theatralischer Mittel jedes Mal neu Gedanken machen sollte. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich mir die angeblich goldenen Zeiten zurückwünsche, wo alles noch besser war und man sicher sein konnte, das Maria Stuart auch wirklich elisabethanische Unterwäsche trägt.

najanichtwirklich
00
28.7.2009, 14:49
nochmals verdeutlicht

was mich stört ist nicht grundsätzlich, DASS er die argumente färbt (bei seinem vater ja verständlich), sondern dass er angebliche Objektivität und subjektive Abneigung so ineinanderfließen lässt. entweder oder, sonst wird die subjektive Ablehnung schnell objektives Werturteil, und dass kanns ja nicht sein.
und ich bin mir nicht sicher, ob eben jenes "regietheater" gegen das gewettert wird, in vielen fällen gar nicht mehr so viel mit dem regisseur gleichgesetzt werden muss. mittlerweile werden z.B. viele ästhetische elemente schon von den darstellern selbst eingebracht (im gegensatz zum konzept der michael kehlmanns, wo ja angeblich alles im kopf des regisseurs schon klar ist, wird heute oft weniger hierarchisch gearbeitet, mehr probiert)

chilli p.
11
26.7.2009, 11:13
richtig.

und da sprechtheater sowieso eine zwiespältige und im besten falle knapp gelingende angelegenheit ist: wozu überhaupt der ganze zinnober?

Letzte Tage
00
25.7.2009, 21:56
Das Gelabere der Politiker am Podium. Bravo!

Frau Landeshauptfrau und Herr Präsident - das ist die Revolution des Regietheaters.

humbert heller
110
25.7.2009, 20:11
vorgestrig

jaja, regietheater pro und contra:
kehlmann jr. weckt wieder einmal schlafende hunde.
wie auch schon bei den angestrengten debatten "experimentell" vs. "erzählend" etc.
zum gähnen.
ein bißchen zeit- und selbstkritik wär' zur abwechslung nicht schlecht: warum z.b. in ökonomisch unsicheren zeiten jemand mit seiner angepaßten schreibe auf eine sichere karte setzt...

Kaktus
11
25.7.2009, 19:38
Und was ist die Alternative?

Keine Regie? Kitsch? Langeweile, weil alles so ist wie im Kino, nur schlechter gemacht weil weigert Budget? Also ich erwarte von Theatermachern schon, dass sie den Text nicht nur lesen lassen, sondern auch interpretieren. Und im Theater einen vermeintlichen Realismus nachzumachen, kann nur peinlich werden.

Johanna Orleans
22
25.7.2009, 17:54
Kehkmann hat ja so recht...

mit seiner Kritik am ewigen Regietheater.

an kog
11
25.7.2009, 17:42

Hier die Rede von Daniel Kehlmann zum selbst nachlesen.


http://oe1.orf.at/highlight... 41206.html

Jake Gittes
03
25.7.2009, 17:12

"Das Spiel der Mächtigen"

Schön sich selbst getroffen.

Ein Kulturfestival wo sich die Schickeria ein Stelldichein gibt und altes, abgeschmacktes Theater zwischen dem Sektdinner und dem Szenetreff danach konsumiert.

kruazimuageli
10
25.7.2009, 17:09
wie er von seinem vater sprach

gefiel mir nicht besonders. wie er öffentlich & emotionslos dessen niederlage behandelte, war schlecht ödipal. mein vater fiel den neuen moden zum opfer. sein pech. ich weiss auch nicht, woher die kamen. auf alle fälle ist es (war ich) gescheiter: schriftsteller zu werden.

chilli p.
11
26.7.2009, 11:26
man darf also nicht empathisch und dennoch distanziert von seinen eltern reden?

oft ist distanz die einzige art, mit dem schmerz umgehen zu können. dass kleinbürger wie sie das nicht kapieren und auch noch öffentlich auf ihrem "recht" auf pathos bestehen, zeigt, wie sehr auf der höhe kehlmanns rede ist.

Der Tempelritter
 
14
25.7.2009, 18:48
Michael Kehlmann

Michael Kehlmann, Daniels Vater, wurde von fiesen und antisemitischen Lobbies gemobbt. Daniels zurückhaltende Form der Erinnerung war wohl die einzig erträgliche Art, mit diesem Stück Vertreibungsgeschichte nach 1945 (mit dem Spion Zilk an der Spitze) umzugehen.

kruazimuageli
00
25.7.2009, 16:53
kehlmann hat keine antworten

warum es zu diesem (wirkl o vermeintl) dt sonderweg des regietheaters gekommen ist. er nennt es nur "absonderlich". "irgendwie" ist es eben so gekommen. nun, muss er ja viell auch nich drüber nachdenken. es missbehagt ihm eben. gut. außerdem kann er m theater sowieso nich so total viel anfangen. ok. insofern seine rede langweilig war, war's für jedermann eine gute vorbereitung auf den tod (man will gar nicht, dass es ewig weitergeht).

das bsp für den "reinsten wahnwitz" hab ich auf Ö1 nicht gehört. in der kleinenzeitung.at steht: "jörg haider einen großen mann nennen oder george w. bush intelligent nennen". rausgeschnitten? von kehlmann weggelassen (in der kleinezeitung.at ein vorabdruck)?

karajan33
11
26.7.2009, 11:55

"Eher ist es möglich, unwidersprochen den reinsten Wahnwitz zu behaupten, eher darf man Jörg Haider einen großen Mann oder George W. Bush intelligent nennen, als leise und schüchtern auszusprechen, dass die historisch akkurate Inszenierung eines Theaterstücks einfach nur eine ästhetische Entscheidung ist, nicht besser und nicht schlechter als die Verfremdung, auf keinen Fall aber ein per se reaktionäres Unterfangen."- so etwas nennt man wohl populismus.

Isogseich Eini
00
26.7.2009, 16:19
... so etwas nennt man wohl populismus.

So etwas nennt man eher ein Adynaton.

kruazimuageli
02
25.7.2009, 16:38
er hat schon recht

wenn er meint, dass die verteidiger der modernen klassik heute die echten konservativen zu sein scheinen. nur ist er nicht imstande, den letzten schritt zu machen und sich im umkehrschluss als linken zu "diffamieren" (erkennen).
ähnlich verwickelt er sich in widersprüche, wenn er das verlangen, aus der bürgerlichen welt zu entfliehen, anerkennt (dies sei im theater möglich, aber etwa auch im schreiben), dem christdemokraten mit reihenhaus & kindern in privatschulen aber vorwirft, sich durch flucht ins regietheater einfach frei fühlen zu wollen.
oder wenn ihm einmal das regietheater zum altmodischen & überholten gerät (letzte schrumpfform linker ideologie), dann wieder der ehrwürdige stil des alten (zeitgeschmack änderte sich, er beharrte)

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