Präsident Lugo nennt Fund "Zeugnis der Barbarei und Grausamkeit" des früheren Regimes
Asunción - In Paraguay sind auf dem Gelände einer Polizeikaserne Leichenreste von zwei Opfern der Militärdiktatur unter Alfredo Stroessner (1954-1989) entdeckt worden. Der paraguayische Präsident Fernando Lugo, der am Freitag die Fundstelle in der Nähe der Hauptstadt Asunción besichtigte, sagte, die Entdeckung zeuge von der Barbarei und Grausamkeit des Stroessner-Regimes.
Er hoffe, dass der Fund mehr Licht in die dunkle Zeit der Diktatur bringe. "Die Ausgrabung dieses schmerzvollen Teils der Geschichte des Landes ist für viele nicht angenehm." Innenminister Rafael Filizzola sagte, es sei mehr als sicher, dass es sich bei den Leichen um verfolgte, gefolterte und ermordete Opfer des Diktatur handle. Er schloss nicht aus, dass noch mehr Leichen gefunden werden. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde die Suche nach weiteren Opfern auf dem Gelände fortgesetzt.
Berüchtigter Kerker
Menschenrechtler stuften den Fund als sehr wichtig für die Suche nach Wahrheit über die Diktatur-Zeit ein. Die Leichen hätten sich nicht in einem Sarg befunden. Alles weise auf eine heimliche Bestattung hin, sagte der Rechtsanwalt und Menschenrechtler Carlos Portillo. Es wird vermutet, dass es sich bei einem der Opfer um einen argentinischen Regime-Gegner handelt, der seinerzeit im berüchtigten "Emboscada"-Kerker unweit von Asunción inhaftiert war.
Der deutschstämmige Stroessner hatte sich 1954 in Paraguay an die Macht geputscht und das Land 35 Jahre lang bis 1989 mit eiserner Faust regiert. Die Diktatur des Generals gilt als eine der brutalsten Südamerikas. Während seiner Zeit kam es zu Folterungen, Entführungen und Morden von Regimekritikern. Menschenrechtler machen den 2006 im brasilianischen Exil gestorbenen Stroessner für insgesamt 900 Morde in Paraguay verantwortlich. (APA/dpa)