Armut treibt vor allem Ostdeutsche an den Hindukusch

24. Juli 2009, 17:27

Berlin wegen "Verharmlosung" des Bundeswehreinsatzes unter Druck – Kämpfe gegen Taliban im Norden

Berlin/Wien/Kabul - In einem Punkt herrscht in Deutschlands großer Koalition Einigkeit: Das heikle Thema "Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr" würden sowohl Union als auch SPD gerne aus dem Bundestagswahlkampf heraushalten. Doch es gelingt nicht. Im Gegenteil: Nach der bisher größten Offensive der Bundeswehr in Afghanistan ist eine neue Debatte entfacht, und diese dreht sich auch um einen bis jetzt in Deutschland noch nicht beachteten Aspekt.

"Treibt die Not viele Ostdeutsche zum Afghanistan-Einsatz?" Diese Frage stellte nun die in Halle (Sachsen-Anhalt) erscheinende Mitteldeutsche Zeitung und legt Zahlen aus dem deutschen Verteidigungsministerium vor. Diese belegen, dass 49,2 Prozent der Soldaten im Auslandseinsatz aus der ehemaligen DDR stammen. Der Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung beträgt jedoch nur 20 Prozent. Besonders auffällig: Vor allem niedrigere Dienstgrade kommen aus dem Osten; fast zwei Drittel der "Mannschaften" - Gefreite und Hauptgefreite - in Afghanistan und bei den anderen Auslandsmissionen sind Ostdeutsche. Ein ähnliches statistisches Phänomen kennt man aus dem Irak. Dort sind - gemessen an der Gesamtbevölkerung - überdurchschnittlich viele schwarze US-Streitkräfte im Einsatz, weil sie zu Hause keinen Job finden.

Doch auch die Großoffensive der Deutschen im Norden des Landes sorgt wieder für Unruhe in Berlin. 300 Deutsche kämpfen mit schweren Panzern gegen die Taliban, sogar der Generalinspekteur der deutschen Truppen, Wolfgang Schneiderhan, spricht von einer "Eskalation" . Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, wirft der Regierung Verharmlosung vor. Sie sei mit dem Einsatz "nie offen, ehrlich und konkret" umgegangen, sondern beschönige ihn immer noch als friedenssichernde Mission. Links-Chef Oskar Lafontaine fordert erneut den sofortigen Abzug der Deutschen aus Afghanistan.

Die Kämpfe im Distrikt Char Darrah in der Region um die nördliche Stadt Kundus begannen am vergangenen Sonntag. Bereits Ende Juni waren dort drei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen, als ihr Panzerwagen bei einem Gefecht mit Taliban-Kämpfern in einen Wassergraben stürzte und die Deutschen sich nicht mehr aus dem Fahrzeug befreien konnten.

Nun beteiligte sich die Bundeswehr zusammen mit 800 afghanischen Soldaten und 100 Polizeikräften an der Operation "Falke" . Dabei setzte die Bundeswehr erstmals die 40 Tonnen schweren Schützenpanzer vom Typ "Marder" ein. Es war der erste Gefechtseinsatz überhaupt seit der Indienststellung dieses Panzertyps im Jahr 1979. Erstmals feuerten die deutschen Soldaten auch Artilleriegeschoße aus Mörsern ab; bis dahin sollen sie für die Mörser nur Leuchtmunition verwendet haben. 4500 Bundeswehrsoldaten sind mittlerweile in Afghanistan im Einsatz, 31 kamen dabei bisher um. (von Birgit Baumann und Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2009)

 

Kommentar posten
13 Postings
karli9
01
27.7.2009, 22:11

Ist ja ne tolle Erkenntniss, dabei ist es doch schon
seit Anbeginn von kriegerischen Auseinandersetzungen bekannt, das der "Bodensatz"
der Gesellschaft die "kämpfende" Truppe stellt!
Das war noch nie anders und wird auch nie anders
sein.

harhar
00
karli9

Bitte, Sie den "Bodensatz"
der Gesellschaft nicht mit den normalen "Ossis" gleich.
Wo komm wa denn da hin.....

MichaelKS
02
27.7.2009, 11:39
Folgen der Wiedervereinigung

HartzIV ist die Folge der Wiedervereinigung - nur darf man darüber in der Öffentlichkeit nicht sprechen. 1989 war in keinem Haushalt Geld für 16 Mio DDR-Bürger vorhanden, schon gar nicht, um ihnen Reisen und PKW zu finanzieren - von der Renovierung der Städte ganz zu schweigen. Kurz danach kamen die Russlanddeutschen. Den sowjetischen Soldaten wurden in ihrer Heimat Häuser gebaut - von deutschem Geld. Da kommt mittlerweile eine Summe von 4 Bio Euro zusammen. Die hohe Arbeitslosigkeit hat natürlich damit zu tun, dass mehr Ostbürger in den Westen kamen als umgekehrt. Die Arbeitslosen zahlen dafür die Zeche mit großer Armut. Die Bespitzelung der Bedürftigen + deren Verhöhnung ist nur eine weitere Folge.
http://www.graz.coolix.com

Sieh an
01
29.7.2009, 23:22
... Hartz IV war schon lange geplant und eine Folge verfehlter Politik insbesondere im Bereich der Wirtschaft, Bildung und fehlenden Unterstützung der Familien...

... so wird ein Schuh daraus! Ohne die Facharbeiter aus dem Osten und den vielen ostdeutschen Jugendlichen, hätte die ach so gepriesene westdeutsche Wirtschaft schon lange Arbeitermangel gehabt... von der imensen Nachfrage nach Westprodukten nach der Wende ganz zu schweigen ... ohne die hätte es die Rezession 2 bis 3 Jahre früher gegeben...

Übrigens war es Kohl der nur faustdicke Lügen erzählt und Arbeiterfreund Schröder der Hartz IV eingeführt hat... soviel zur sozialen Verantwortung und Gerechtigkeit...

Sieh an
01
25.7.2009, 22:22
... ohne die Ossis, hätte die Bundeswehr wohl keine Deutschen mehr...

und niemand der für dieses "Vaterland" den Kopf hinhält...

... und was ist der Dank? ... bei Verwundung - keinen Versicherungsschutz und keinen Arbeitsplatz...

isidor vom billa
01
25.7.2009, 14:43
Was der US-Army die Hispanics und die Schwarzen sind,

sind für die Bundeswehr die Ossis ...

zimbo
 
01
25.7.2009, 10:52
Wie praktisch doch die Verarmung der Unterschichten ist.

Le parapluie a un motif floral
10
25.7.2009, 10:52

Ich kenne keinen österreicherischen Soldaten, der nicht wegen des Geldes in den Kosovo ging. Früher war es mit dem Golan oder Zypern doch das gleiche.

flöten spielerin
00
25.7.2009, 09:48
auch frühere Hartz IV Empfänger

Ava Tar
15
25.7.2009, 05:36
Das hat in Deutschland Tradition

auch an der Ostfront waren überwiegend die armen Schweine, die sich's nicht richten konnten

nun unter Merkel ist es wieder soweit

Jürgen Rembremerding
00
wie?

Jetzt dachte ich immer, das waren die Verbrecher! Jetzt sind es die Opfer?

Nick Tameer
03
25.7.2009, 03:11

Solange die blühenden Landschaften nur auf sich warten lassen, blüht das Reisläufertum in der Zone und bei den Potentaten dieser Welt werden sog. Ossi-Garden zum persönlichen Schutz in Mode kommen.

soseies
01
25.7.2009, 01:11

""Treibt die Not viele Ostdeutsche zum Afghanistan-Einsatz?" "

ja natürlich...auch ich kenne einige soldaten die nur des geldes wegen an die "front" gehen...

das pervertierte gesellschaftssystem machts möglich...

zuhause sozialleistung kürzen und in afghanistan das geld für bomben mit vollen händen ausgeben...

und angeblich hatin d schwarz/geld die mehrheit laut den umfragen,,,

ein witz wenn den puls der bürger "hört"...

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