"Die Konkurrenz hat den Markt für uns aufbereitet"

24. Juli 2009, 16:32
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Café+Co-Geschäftsführer Gerald Steger über sein Geschäft mit Kaffeeautomaten in Zeiten der Wirtschaftskrise

Letztes Jahr flossen 400 Millionen Portionen Kaffee aus den 40.000 Café+Co-Automaten in Ost- und Zentraleuropa. Das bedeutete gleichzeitig ein Umsatzwachstum von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Mit diesen Zahlen werden wir 2009 wohl nicht aufwarten können" , meint Café+Co-Geschäftsführer Gerald Steger, "obwohl unsere Auftragslage sehr gut ist." Aber die Kunden von Café+Co sind hauptsächlich Unternehmen. Werden Mitarbeiter abgebaut, Schichten und Überstunden eingespart, wirkt sich das direkt auf den Kaffeekonsum in den Betrieben aus.

Starbucks und die Kaffeehaustradition

Das Geschäft mit den vollautomatischen "Alleskönnern" boomt seit gut sechs Jahren besonders stark. Wer - ohne es zu wollen - dazu wesentlich beigetragen hat, ist justament die Konkurrenz. Starbucks eröffnete 2001 seine ersten Lokale in Österreich und machte den "coffee to go" in simplen Pappbechern salonfähig: "Starbucks hat dem Becher ein neues Image gegeben, und das in einem Land mit einer der größten Kaffeehaustraditionen überhaupt" , konstatiert Steger.

"Wir waren doch sehr erstaunt, dass die Menschen hier bereit sind, Preise von drei bis fünf Euro für eine Portion zu zahlen. Aber damit war für uns jedenfalls klar, dass wir mit unseren Produkten voll in die Offensive gehen müssen" , so Steger.

Folgt man Berichten des 48-jährigen Kärntners, hat sein Unternehmen auch von einem anderen potenten Mitbewerber, Nespresso, sehr profitiert.

Die Ansprüche der Kaffeetrinker seien, seitdem sie selbst mit kleinen Espressomaschinen und verschiedensten Kaffeemischungen einen hocharomatischen Mocca machen können, enorm gewachsen. Die Leute wollten heute eine große Auswahl und die beste Qualität haben.

"Und die können wir zweifellos bieten, und gleich dazu noch viele andere Vorteile." Firmenphilosophie bei Café+Co ist von jeher, kein Geld für die Beobachtung der Mitbewerber auszugeben, aber dafür weder Mühe noch Aufwand zu scheuen, um den Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.

Individuell gefüllte Geräte

Fast jede Nachfrage könne man bei Café+Co zu 100 Prozent befriedigen. Sucht ein Firmenchef einen Automaten für seine Mitarbeiter aus, kann er mit ihnen oder auch alleine ganz individuell entscheiden, mit welchen Kaffeesorten das Gerät gefüllt wird, welche Kaffeevariationen gebraut werden und auch wie viel die Portion kosten soll. "Und da wir keine Kapseln verwenden, fällt sehr wenig Abfall an."

An 45 Standorten von Moskau bis München beschäftigt das Unternehmen derzeit 1150 Mitarbeiter. Das Bemerkenswerte dabei: Nirgends sind zentrale Stabstellen zu finden. Insgesamt sind nur 30 Angestellte mit administrativen Tätigkeiten beschäftigt, Steger mit eingerechnet.

"Jede Führungskraft ist einerseits operativ im Tagesgeschäft tätig und andererseits für die personelle Leitung ihres Teams zuständig" , sagt der Betriebswirt, "Unsere angestellten Unternehmer (so nennt Café+Co seine Führungskräfte, Anm.) haben alles zu machen, sie stellen ihre Mitarbeiter ein, sie müssen sie aber auch selbst wieder verabschieden, wenn es denn sein muss." (Judith Hecht, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. Juli 2009)

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    Vollautomatische Kaffeemaschinen sind aus Österreichs Betrieben kaum mehr wegzudenken.

  • Geschäftsführer Steger: "Die Leute wollen heute eine große Auswahl und die beste Qualität haben".
    foto: ots/cafe+co

    Geschäftsführer Steger: "Die Leute wollen heute eine große Auswahl und die beste Qualität haben".

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