Trotz 5000 neuer Einträge lässt der Rechtschreibduden in seiner 25. Auflage manche Wünsche offen
Die Dudenredaktion präsentiert heute, Samstag, den 25. Juli, den Bestseller Die deutsche Rechtschreibung in der 25. Auflage, zusammen mit einer Korrektur-Software für den Computer. Sie enthält auch die Daten der neuen Printausgabe. Allem Anschein nach ist mit Print allein heutzutage kein Staat mehr zu machen, doch ohne Print geht es auch (noch) nicht. Denn die Angehörigen von ganz verschiedenen schreibenden Berufsgruppen - wie zum Beispiel Journalisten und Lehrer - haben den Duden auch gerne griffbereit auf dem Schreibtisch.
Mit rund 135.000 Stichwörtern, davon mehr als 5000 Neuaufnahmen, ist der aktuelle Rechtschreibduden der umfangreichste, den es je gab, meldet die Presseaussendung des Bibliografischen Institutes. Nach welchen Kriterien werden eigentlich neue Wörter aufgenommen? Dazu sagt Werner Scholze-Stubenrecht von der Dudenredaktion zum Standard: "Ob ein Wort aufgenommen wird oder nicht, entscheiden wir in erster Linie nach der Gebräuchlichkeit: Es muss sich nach unserer Sprachbeobachtung relativ häufig in unterschiedlichen Quellen nachweisen lassen. Dabei hilft uns eine große elektronische Datensammlung aus Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchtexten, unser sogenanntes Dudenkorpus."
Zu den Neuaufnahmen dieser 25. Auflage gehören Wörter wie zum Beispiel die Angsthäsin, Crema (ital., Schaumschicht auf dem Kaffee), fremdschämen (sich stellvertretend für andere schämen), It-Girl (eine - zumeist jüngere Frau mit dem "gewissen Etwas", dem It, die zudem durch ihre häufige Medienpräsenz auffällt), Kuschelkurs (Kritik zurückhalten) und Zwergplanet (kleiner Himmelskörper im Sonnensystem mit eigener Umlaufbahn).
Hybridauto
Natürlich sind auch neue Wörter, die aus dem Gebiet des Internets kommen, wie die Blogsphäre (Gesamtheit der Weblogs im Internet) und twittern (nach dem Dienstleistungsprogramm Twitter) sowie aus der Wirtschaftssprache wie Konjunkturpaket, Kreditklemme und verzocken (verspielen) im Spiel. Am Beispiel der Neuaufnahmen Ehrenmord, Hybridauto, Komasaufen und Schlüsselkraft sehen wir einerseits, wie sehr Wörterbücher dem aktuellen Sprachgebrauch hinterherhinken, am Beispiel Partikelfilter, dass neue Erfindungen umgangssprachlich anders, nämlich als Rußfilter, realisiert werden; doch das gebräuchliche Wort fehlt im Duden.
Auch einige Neuwörter aus der Schweiz sind aufgenommen worden, zum Beispiel Gassenarbeit (für Streetwork - das hat in diesem Fall nichts mit dem Strich zu tun, sondern mit Hilfe und Beratung für Drogenabhängige), Blaufahrer/-in (alkoholisierte/-r Autofahrer/-in) und hirnen nachdenken). Österreich hat unter anderem mit dem Ökopunkt (nach einem Punktesystem berechnete Straßenbenutzungsgebühr für Lastkraftwagen) verjankern (verjubeln, verlieren) und mit dem Lebensmenschen einen kleinen Beitrag geleistet. Und wie wird Letzterer erklärt? Als "Mensch, mit dem man durch eine besondere langjährige Beziehung verbunden ist" .
Tendenz nach Norden
Davon einmal abgesehen, steht die Dudenredaktion dem österreichischen Deutsch nach wie vor distanziert gegenüber. Das betrifft zum Beispiel grammatische Unterschiede wie etwa den Artikelgebrauch. Man erfährt auch in der Neuauflage nicht, dass wir in Österreich meist das Monat anstelle von der Monat, aber auch der Benzin und das Pauschale sagen. Bei E-Mail wird vermerkt, dass in Süddeutschland, Österreich und in der Schweiz auch der Artikel das gebraucht wird, ebenso bei SMS (allerdings ohne Süddeutschland).
Der Klagenfurter Sprachwissenschafter Heinz Dieter Pohl bedauert in diesem Zusammenhang, dass "das Sprachverhalten der Österreicher selbst nach Norden tendiert." Von den Mitarbeitern des ORF höre man meist die E-Mail und die SMS, oder dass man eine Eins oder eine Zwei per SMS senden solle. Auch bei der Aussprache von Wörtern französischer Herkunft gibt es im neuen Duden nach wie vor keine klare Differenzierung nach der Herkunft der Länder.
Während Wörter wie Blamage, Garage und Kampagne in Deutschland mit einem schwachen Endungs-e (Schwa-Laut) gesprochen werden, ist dies in Österreich nicht der Fall. Und auch bei Chirurg gibt es in der 25. Auflage des Rechtschreibduden keinen Hinweis auf die hier übliche Aussprache mit k im Anlaut.
Zur Auswahl von Fachwörtern sagt Scholze-Stubenrecht: "Wir wollen vor allem das erfassen, was für ein breiteres Publikum interessant ist. Vollständigkeit ist hier nicht angestrebt und eine genaue Abgrenzung naturgemäß schwierig." Da bleibt aber dennoch die Frage offen, warum die eher seltenen Wörter der Börsensprache Baisse und Hausse schon in den früheren Auflagen aufgenommen wurden, bis heute jedoch nicht die inzwischen weitverbreitete Metapher Kursfeuerwerk. Oder aus der Werbesprache das Wort Claim, nicht aber Testimonial. Hier findet man also eine gewisse Inkonsequenz.
Zur Arbeit an einem Wörterbuch gehört auch die Einschätzung, welche Wörter im gegenwärtigen Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden. In der Duden-Neuauflage wurden daher einige Wörter eliminiert: etwa ehegestern (vorgestern), Federbüchse und Genüssling (Genießer).
Verschwundenes Rot
Was die Typografie betrifft, so ist es beim dreispaltigen Layout geblieben, verschwunden ist allerdings die rote Farbe für Wörter und Wortteile, die in den beiden letzten Auflagen die neue Orthografie kenntlich gemacht hat. Das ist bedauerlich für alle, die den Umstieg von der alten zur neuen deutschen Rechtschreibung und Silbentrennung schneller erlernen wollen. (Josef Schneeweiß, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 25./26.07.2009)
Duden - die deutsche Rechtschreibung. 25., völlig neu bearbeitete und
erweiterte Auflage 2009. € 25,70 / 1216 Seiten und Duden Korrektor
kompakt 6.0. Der Rechtschreibduden ist auch in einer Variante plus
CD-ROM erhältlich, in diesem Fall um € 28,80. Bibliografisches Institut
AG, Mannheim 2009