Save the World in Zwentendorf

23. Juli 2009, 19:53
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Verleihung auf Areal des AKW - Das Kraftwerk soll auch in Zukunft mehr Besucher anziehen

Zwentendorf - Neben dem niedrigen Verwaltungsgebäude des AKW Zwentendorf stehen verloren ein paar Polstermöbel mit knallorangenem Stoffbezug und aus beigem Lederimitat herum. Es sieht aus, als hätte jemand seine Wohnzimmereinrichtung aus den Siebzigern entsorgt. Die guten Stücke machen den Künstlergarderoben für die "Save the World Awards Gala" Platz und werden im Kraftwerk, vor dem das Spektakel Freitagabend ab 21.45 Uhr als Open Air über die Bühne gehen soll, zwischengelagert. Platz genug ist ja dort.

An 150 Tagen im Jahr dient das Kraftwerk als Trainingszentrum für deutsche Ingenieure, die an den Geräten für den Normalbetrieb üben. Ab Herbst haben Zwentendorfer Volksschüler im Bürogebäude Unterricht. Sonst ist Cheftechniker Johann Fleischer auf dem Grund mit dem mächtigen Betonbau ganz allein, ölt und bewegt Maschinen, damit sie weiter zum Üben taugen. Einzig Hündin Leonie leistet ihm dabei Gesellschaft.

"Jetzt ist sehr viel los, aber das ist schon gut so", sagt Fleischer, denn mit der Ruhe ist seit Dienstag voriger Woche Schluss: Rund 80 Helfer sind seither damit beschäftigt, die Tribüne mit knapp 2200 Sitzplätzen, zwei Bühnen, Leinwände, Lichtanlagen und 22 Partyzelte aufzustellen. Ein "Green Carpet" wird ausgerollt, über den ab 19 Uhr die Prominenz schreiten soll.

Der AKW-Klotz wird mittels Performing Artists in das Event eingebunden. Vom 110 Meter hohen Schornstein und vom Dach des Krafthauses aus, das etwa halb so hoch ist, werden sich die Künstler abseilen. Auf die Wand des Gebäudeteils werden während der Veranstaltung Videos und Bilder projiziert. Eventmanagerin Irina Dörflinger sagt, die Widersprüche des Orts hätten im Zusammenhang mit dem Umweltpreis einen ganz besondern Reiz.

Die Turbinenhalle böte auch Platz für ein VIP-Dinner oder die Aftershow-Party. Der eierschalenfarbene Plastikboden wird allerdings von Kanten und Rohren durchzogen. Aus Angst, dass jemand stolpern und sich verletzen könnte, beließen die Organisatoren es doch beim Feiern unter freiem Himmel. Bei sehr schlechtem Wetter wird die Verleihung auf Samstag verschoben. Außerdem kann man sich in den 1050 fensterlosen Räumen des verwinkelten Kraftwerks auch leicht verlaufen. Und Handyempfang gibt es hinter 1,5 Meter dicken Stahlbetonwänden keinen.

Kleine Führungen für insgesamt 400 Personen sollen am Freitag vor der Gala aber stattfinden. Bisher war auch das kaum möglich: "Erst kürzlich haben wir dafür die Genehmigung erhalten", sagt Stefan Zach, Pressesprecher der EVN. In Zukunft soll die Möglichkeit dazu öfter bestehen. Auch Clubbings oder ähnliche Veranstaltungen seien - frühestens 2010 - denkbar. Die Eigentümer hoffen auch auf rege Nachfrage als Kulisse für Fotoshootings und Filme. Der Umstand, das im AKW die Zeit stehengeblieben ist, wie auch die bei allen Uhren abgebrochenen Zeiger beweisen, könnte sich ab Freitag also ändern. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Juli 2009)

  • Tribüne mit Blick aufs AKW Zwentendorf: Am Freitag soll dem Ort bei den Save the World Awards Glamour eingehaucht werden.
    foto: standard/heribert corn

    Tribüne mit Blick aufs AKW Zwentendorf: Am Freitag soll dem Ort bei den Save the World Awards Glamour eingehaucht werden.

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