Studie: Die Wassertemperatur an der Oberfläche zur Badezeit steigt
Wien - Die heimischen Seen werden wärmer: Bis zum Jahr 2050
wird die Wassertemperatur an der Oberfläche zur Badezeit im Schnitt um zwei Grad steigen, ergab eine von den
Bundesforsten in Auftrag gegebene Studie. Dafür untersuchte Studienautor Martin
Dokulil vom Institut für Limnologie der Akademie der Wissenschaften in Mondsee zwölf heimische Seen und orientierte sich einerseits an bestehenden Temperaturaufzeichnungen der Seen und andererseits an dem Verhältnis zwischen Lufttemperatur und Wassertemperatur. Er stellte fest, dass die
Oberflächenwassertemperaturen in der Badezeit (Juni bis September) teils deutlich zunehmen werden.
Aus manch einem reinen "Segel-See", der derzeit nur für besonders Motivierte zum
Schwimmen einlädt, wird künftig ein Badesee werden, errechnete Dokulil. So wird
der Traunsee im Jahr 2050 mit 19 Grad Durchschnittstemperatur beispielsweise den
Attersee mit seiner heutigen Temperatur von 18,8 Grad übertreffen.
Kärntner Seen
Am wärmsten werden die heute schon nicht gerade kühlen Kärntner Seen. Die
mittlere Temperatur des Wörthersees wird laut der Studie im Durchschnitt von
heute 22,3 Grad auf 24 Grad steigen, jene des Ossiacher Sees von 21,8 Grad auf
23 Grad. In besonders heißen Saisonen könnte die Temperatur solcher Gewässer
durchaus auch höher sein, so Dokulil: "Gerade in Kärntner Seen können auch 28,
29 oder 30 Grad auftreten."
Angenehme Badetemperaturen werden künftig der Fuschlsee und der Attersee
in Salzburg haben: 2050 werden sie durchschnittlich 22 bzw. 21 Grad haben.
Fische
Für die Fische ist dies relativ unbedenklich, betonte der Gewässerforscher.
Die Prognosen würden nur die oberste Wasserschicht betreffen. Die Fische müssten
daher vereinfacht gesagt einfach in tiefere und kühlere Schichten abtauchen.
Eine Erwärmung der Seen ist laut Dokulil bereits seit den 60er Jahren
erkennbar. Seitdem seien die Temperaturen kontinuierlich gestiegen, eine
Beschleunigung der Entwicklung sei nicht zu verzeichnen.
Beratungen
Die Österreichischen Bundesforste und die Österreich Werbung (ÖW) wollen mit
der Studie nun in einen Informationsprozess treten. "Wir werden mit den
betroffenen Regionen beraten, was damit zu tun ist", sagte ÖW-Geschäftsführerin
Petra Stolba. Dass man es auch positiv sehen könne, wenn künftig auch in bis
dato kühleren Seen Badetemperaturen herrschen, getraute sich
Bundesforste-Vorstand Georg Schöppl nicht zu beurteilen. "Man könnte sehr salopp
sagen, dass es ein Vorteil ist, wenn man im Traunsee schwimmen kann", allerdings
seien ja gerade Seen ein sensibles Ökosystem, auf das man besonders achten
müsse.
Konkrete Gegenmaßnahmen sind ohnehin nur in einem größeren Kontext möglich,
meint Dokulil: Entgegenwirken könne man auch der Seeerwärmung nur mit
Klimaschutz, betonte er. (APA/red)