Lieferanten kassieren Körberlgeld aus Ökotopf

23. Juli 2009, 13:36
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Die grüne Energie wird von den Stromfirmen mit einem durch­schnittlichen Aufschlag von 40 Prozent an die Verbraucher weitergeben

Wien - Die Mehrzahl der Stromversorger in Österreich ist nicht zimperlich, wenn es darum geht, Aufschläge zu verrechnen - etwa auf Ökoenergie. Das geht aus Daten hervor, die von der Regulierungsbehörde E-Control gesammelt und analysiert wurden. Allein heuer müssen Haushalte, Gewerbe- und Industriebetriebe in Summe rund 77 Millionen Euro mehr für Ökostrom bezahlen als notwendig.

"Es besteht der dringende Verdacht, dass Stromlieferanten die Kosten für Ökostrom überhöht ausweisen", sagte der E-Control-Chef Walter Boltz. "Wenn sich das bestätigt, werden wir die Bundeswettbewerbsbehörde einschalten." Auch ein Antrag an das Kartellgericht sei vorstellbar. Boltz: "Eine Weiterverrechnung von Ökostromkosten, die im Durchschnitt um 40 Prozent überhöht sind, geht nur, wenn der Wettbewerb nicht ausreichend funktioniert. Andernfalls würden Mitbewerber diese überhöhten Kosten dazu nutzen, mit knapper kalkulierten Preisen größere Marktanteile zu gewinnen."

Wer wo wieviel zahlt

Hohe Ökostromkosten müssen die Endkunden von Energie Ried (0,60 Cent/kWh; siehe Grafik) zahlen. Auch Stadtwerke Hartberg (0,57 Cent/kWh), Energie Graz, Unsere Wasserkraft (0,55 Cent/kWh) sowie Wien Energie, EVN und Bewag (jeweils 0,53 Cent/kWh) liegen weit über dem von der E-Control errechneten Wert von 0,42 Cent/kWh. Positiv stechen die Tiwag in Tirol und die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB) hervor.

Die Mehraufwendungen für Ökostrom, die auf den meisten Stromrechnungen gesondert ausgewiesen werden, erklären sich durch die Verrechnungspreise, die der Stromhändler für Ökostrom bezahlen muss. Diese liegen über den Preisen für "normalen" Strom (aus nichterneuerbaren Energieträgern), der zum Marktpreis eingekauft wird. Die Differenz zwischen Marktpreis - derzeit rund fünf Cent/kWh - und Verechnungspreis bedeutet für den Stromhändler einen Mehraufwand aus dem Bezug von Ökostrom. Diesen kann er seinen Kunden weiterverrechnen, muss es aber nicht. Wie viel Ökostrom ein Stromhändler zugewiesen bekommt, hängt von der Strommenge ab, die er an Endverbraucher in Österreich liefert. Hat ein Stromhändler einen Marktanteil von fünf Prozent, bekommt er über die Ökostrom-Abwicklungsstelle OeMAG auch fünf Prozent zugewiesen.

Sechs Euro mehr

Die laut E-Control überhöhte Weiterverrechnung der Ökostromkosten bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt, dass er (inklusive 15 Euro Zählpunktpauschale) 2008 statt 28 Euro um sechs Euro mehr, nämlich 34 Euro für die Ökostromförderung gezahlt hat.

Der Verband der Elektrizitätswerke (VEÖ) hat die Kritik des Regulators am Donerstag zurückgewiesen. Alles sei korrekt. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.7.2009)

 

  • Energie-Regulator Walter Boltz
    foto: standard/urban

    Energie-Regulator Walter Boltz

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