Kupferstichsammlung kehrt teilweise heim

23. Juli 2009, 13:34
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Für "Notfallmaßnahme" Raum der Bibliothek adaptiert - Gemäldegalerie ab 1. August erneut geschlossen

Wien - Teile des Kupferstichkabinetts der Akademie der Bildenden Künste kehren umständehalber zurück. Mit einer "Notfallmaßnahme" reagiert die Kunstuniversität auf die Evakuierung des Albertina-Depots nach dem Wasserschaden vor etwa vier Wochen, in dem seit 2005 auch die 160.000 Werke umfassende Kupferstichsammlung der Akademie untergebracht war. Wissenschaftsminister Johannes Hahn unterstützt die Adaptierung eines Raumes der Akademie-Bibliothek mit 35.000 Euro. Sie kommen aus der im taufrischen Universitätsgesetz geschaffenen "Ministerreserve": "Genau dafür gibt es sie", so Hahn am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

"Wir haben die Werke aus dem Kupferstichkabinett behandelt wie unsere eigenen", betonte die stellvertretende Albertina-Direktorin Maria Luise Sternath. In der Albertina wird unterdessen die Auslagerung der Kunstwerke ins externe Depot vorbereitet, die Ende Juli beginnen und "weniger als einen Monat dauern"soll. Derzeit werden die "ohnehin sehr guten" Sicherheits-Standards im Ausweich-Quartier nach der Überprüfung durch externe Gutachter "noch einmal zusätzlich ausgebaut".

Gemäldegalerie vor Umbau

40.000 Handzeichnungen und 20.000 Fotografien werden aus der Albertina in die Bibliothek geholt, die dafür mit Lagerungsmöglichkeiten und Alarmanlagen ausgestattet wird. Durch den "Notfall" werden die Pläne der Akademie allerdings nur beschleunigt: "Wir haben die Rückholung schon seit Jahren geplant", so Rektor Stephan Schmidt-Wulffen. Das Kupferstichkabinett sei ein "wichtiges Element der Lehre und des Profils dieser Universität". Das Gesamtkonzept der Sammlungen, für das sich die Akademie derzeit im Umbau befindet, umfasst neben dem Kupferstichkabinett auch die Gemäldegalerie - die wegen Baumaßnahmen ab 1. August bis zur Fertigstellung im Frühjahr erneut zur Gänze geschlossen wird - und einen zeitgenössischen Ausstellungsteil.

Dass auch die rund 100.000 weiteren Werke der Grafik-Sammlung ins Haus geholt werden, die derzeit noch in der Albertina-Bastei lagern, soll in Zukunft ein eigener Tiefspeicher ermöglichen. "Dieses Haus ist ein wunderschönes historisches Kostüm, dass uns aber immer enger wird", so Schmidt-Wulffen. Geschätzte 2,5 Millionen Euro würde ein Depot unterhalb des Hofes kosten, mit dem Wissenschaftsministerium ist man "noch ziemlich am Anfang" der Verhandlungen, erklärte Hahn.

"Ministerreserve" von 44 Millionen pro Jahr

Die "Soforthilfe" von 35.000 Euro für die Rückholung der Bestände war dagegen spontan aus der "Ministerreserve" möglich, die nach dem neuen Universitätsgesetz zwei Prozent des Uni-Budgets beträgt und bedarfsorientiert vergeben wird. Über die gesamte Periode der Leistungsvereinbarungen (2010-12) stehen 132 Millionen Euro - pro Jahr 44 Millionen - zur Verfügung, für das erste Jahr will Hahn ein Prozent (rund 22 Mio. Euro) über den Wissenschaftsfonds FWF "in die Exzellenz" investieren, das zweite Prozent war für "akute Situationen" einbehalten, die "sowohl wissenschaftlicher wie bautechnischer" Natur sein können. Zwar hat kein Werk der zweitgrößten grafischen Sammlung Österreichs (nach der Albertina) bei den Wassereintritten Schaden genommen, aber "die Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste", so Hahn. (APA)

 

  • Zur Zeit (und bis 13. Oktober) zu "Eros und Thanatos" ins Sigmund Freud Museum "ausgelagert": Bonaventura Genellis Bleistiftvorzeichnung "Eros entwaffnet den Kriegsgott" (1859-1862) aus dem  Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
 
    kupferstichkabinett

    Zur Zeit (und bis 13. Oktober) zu "Eros und Thanatos" ins Sigmund Freud Museum "ausgelagert": Bonaventura Genellis Bleistiftvorzeichnung "Eros entwaffnet den Kriegsgott" (1859-1862) aus dem Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

     

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