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23.07.2009 12:57

Sozialpartner vermissen Gesamtkonzept bei Bildungsreform
WKÖ-Leitl: "Derzeit nicht bestes Schulsystem, sondern teuerstes" - Fordern Ausbau der Neuen Mittelschule, mehr Ganztagsschulen und mehr Ressourcen für Weiterbildung - 1 Foto

Wien - Die Sozialpartner vermissen ein ganzheitliches Konzept bei der Bildungsreform, derzeit werde sie von allen Akteuren (Regierung, Länder) nur "stückchenweise angegangen", kritisierte Gewerkschaftsbund-Präsident Erich Foglar am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Das 2007 von den Sozialpartnern erarbeitete Grundsatzpapier "Chance Bildung" sei zwar teilweise in das Regierungsprogramm eingeflossen. Doch wesentliche Punkte wie die Umsetzung eines nationalen Qualifikationsrahmens, verbesserte Berufsorientierung über Einrichtungen der Sozialpartner und Ausbau des lebenslangen Lernens seien noch nicht angegangen worden, sagte der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Christoph Leitl.

Teuerstes System

Leitl nannte als Ziel der Sozialpartner, vor allem in Hinblick auf die Wirtschaftskrise künftig "das beste Bildungssystem Europas zu haben"; derzeit habe Österreich nur "das teuerste". Die Regierung müsse durch eine rasche Reform Ressourcen aus der Schulverwaltung holen und für Qualitätsverbesserung einsetzen. Wie die Verantwortlichkeiten in der Schulverwaltung danach aufgeteilt werden sollen, will Leitl erst klären, wenn es "ein klares System" gebe. Dringlich sei auch die Aufhebung der Begrenzung der Neuen Mittelschule auf zehn Prozent der Schulen, die Umsetzung von Bildungsstandards und mehr Verantwortung für Direktoren. Aufgabe der Sozialpartner sei es nun, die Regierung, vor allem Bildungsministerin Claudia Schmied und Wissenschaftsminister Johannes Hahn, "zu begleiten und zu ermutigen, dass sie in der Bildungspolitik nicht länger zuwarten, sondern den großen Wurf angehen".

Foglar betonte die Rolle der Bildung als Schutz vor Arbeitslosigkeit, achtzig Prozent der 230.000 Arbeitslosen hätten maximal Pflichtschulabschluss oder Lehre. "Was mir ein bisserl Sorge macht ist, dass im gesamten Bildungsbudget für Weiterbildung fast keine Mittel vorgesehen sind". Ohne entsprechende Mittel könne das Prinzip des lebenslangen Lernens aber nicht realisiert werden, so der ÖGB-Präsident. Auch die Bildungswegberatung müsse intensiviert werden, diese sei "ein wesentlicher Schlüssel, dass keine Ressourcen vergeudet werden". Derzeit würden sich noch immer über die Hälfte der Mädchen für eine Lehre zur Friseurin, Einzelhandels- oder Bürokauffrau entscheiden.

Mehr Hilfe für Eltern

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel forderte mehr Hilfestellung für Eltern durch einen Ausbau der ganztägigen Betreuung an Volksschulen. Derzeit gebe es dieses Angebot nur an 17 Prozent der Schulen, wodurch viele Frauen ihr Potenzial beruflich nicht nutzen könnten. Die Sozialpartner wünschen sich deshalb wenigstens in jedem Verwaltungsbezirk eine Ganztagsvolksschule. Durch pädagogische Unterstützung sollten zusätzlich die Ausgaben der Eltern für Nachhilfe zurückgehen, so Tumpels Hoffnung. Wesentlich sei außerdem die Möglichkeit, Bildungsabschlüsse wie Hauptschulabschluss und Berufsreifeprüfung künftig kostenlos nachzuholen.

Schmied begrüßte in einer Aussendung die Anregungen der Sozialpartner und sah in den zentralen Fragen Übereinstimmung."Wir werden weiterhin gemeinsam Schritt für Schritt konsequent daran arbeiten, dass die öffentlichen Schulen leistungsstark und wettbewerbsfähig sind: Die Zeit der Umsetzung ist gekommen", so Schmied. (APA)

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