2010 will die rote Stadtregierung, die um ihre Absolute bangt, die Öffi-Nutzer nicht verärgern - Experten sind gegen Verzögerung und fürchten unnötige Mehrkosten
Projekt laut internem Papier "politisch" , Mehrkosten wegen Verzögerung befürchtet - Von Martina Stemmer
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Wien - Unter Punkt "Begründung der Vorteilhaftigkeit" stehen "strategisch sinnvoll" , "gesetzlich" , "sicherheitstechnisch" , "politisch" "operativ notwendig" , "wirtschaftlich" und "sonst" zur Auswahl. Angekreuzt ist nur der Punkt "politisch" .
Die Wiener Linien und das Büro von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) haben es zwar stets bestritten - die Verschiebung der Generalsanierung der U1 zwischen Reumann- und Schwedenplatz war aber offenbar doch eine politische Entscheidung.
In einem internen Papier der Wiener Linien, das dem Standard vorliegt, wird das Projekt jedenfalls als "politisch" eingestuft.
Unnötige Mehrkosten befürchtet
Im Wahljahr 2010 will die rote Stadtregierung, die um ihre Absolute bangt, nicht riskieren, die Öffi-Nutzer ob einer siebenwöchigen Sperre der U1 zwischen Reumannplatz und Schwedenplatz zu verärgern. Die Wiener Linien gaben zwar offiziell technische Gründe für die Aufschiebung der dringend notwendigen Erneuerung der 30 Jahre alten Strecke an, aus gut informierten Kreisen hört man allerdings, dass am Projekt beteiligte Experten gegen eine Verzögerung sind und unnötige Mehrkosten fürchten. Trotz vieler guter Argumente habe man sich in der Sache nicht gegen das Rathaus durchsetzen können.
"Die Wiener Linien haben das nach rein baulichen Kriterien entschieden" , sagt hingegen Wolfgang Hassler, Sprecher von Renate Brauner. Er schließt einen Zusammenhang der verschobenen Arbeiten mit dem bevorstehenden Wahlkampf aus.
Die Sanierungsarbeiten an der alten Strecke werden wegen der Verlängerung der U1 nach Rothneusiedl notwendig, 2011 und 2012 sind diese laut Wiener Linien wegen der in diesen Jahren erfolgenden Fahrbahnsanierungen beim Hauptbahnhof nicht durchführbar - da sei kein leistungsfähiger Schienenersatzverkehr möglich.
Gleise müssen 2010 getauscht werden
Ganz ohne Sperre der roten U-Bahn-Linie wird's aber auch im Wahljahr nicht gehen: Die Stromschienen entlang der Gleise müssen bereits 2010 getauscht werden. Auch diese Arbeiten sind laut Wiener Linien nicht im Regelbetrieb zu erledigen. Weshalb die U1 zumindest kurzzeitig - maximal eine Woche - nicht fahren kann.(Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe 23.7.2009)