Der letzte Cop seiner Art

    23. Juli 2009, 16:33
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    Der Anti-Easy-Rider: "Electra Glide in Blue" von James William Guercio

    Auf den endlos geraden Highways im Mittleren Westen gibt es wenig zu tun. Hin und wieder gibt sich einer dem Geschwindigkeitsrausch hin, ab und zu kommt ein Hippie im VW-Bus vorbei, den man zur Ablenkung schikanieren kann. Während sich seine Kollegen mit dem Arbeitsalltag zufrieden geben - immerhin kann man seine Harley Davidson Electra Glide spazieren fahren -, träumt "Big" John Wintergreen (Robert Blake), der kleinste Cop der Straßen-Flotte, davon, irgendwann einmal im Anzug und Cadillac seinen Aufgaben nachzugehen.

    Träumer aber werden in "Electra Glide in Blue", dem einzigen Film von James William Guercio, bestraft. In dem trockenen New-Hollywood-Gegenstück zu "Easy Rider" - vier Jahre später, im Jahr 1973 entstanden - ist von der Aufbruchstimmung im Land wenig übrig. Nur die Widersprüche sind geblieben, zwischen Cops und Hippies, zwischen Wünschen und Wirklichkeit. "Big" John ist der letzte gute Cop einer schlechten Welt - einer, der zwischen allen Lagern sitzt, weil er tatsächlich noch an Gerechtigkeit glaubt.

    Der großartige Robert Blake - später der Mystery Man in David Lynchs "Lost Highway" - spielt den kleinen Mann, der sich dem Zynismus seiner Zeit entgegenstellt. Die Kamera, die zwischen verwirrenden Nahaufnahmen und Landschaftstotalen wechselt, stammt von Conrad L. Hall. Das Ende ist großartig fatalistisch - ein (fast) vergessenes Meisterwerk. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.7.2009)

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