Faymann fordert ÖVP mit Spekulationsgipfel heraus

22. Juli 2009 18:27

Die Kritik an den Deals der Bundesfinanzierungsagentur nützt Kanzler Faymann, um sich an seinem Vize Pröll zu reiben

Wien - Bundeskanzler Werner Faymann nützt die öffentliche Diskussion über die Veranlagungen der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA), um seinen Vizekanzler Josef Pröll unter Druck zu setzen: Der Regierungschef beruft für den 31. Juli einen Finanzgipfel ein.

Die Einladung hatte der SPÖ-Chef jedoch nicht zuerst regierungsintern ausgemacht, sondern in einem Interview, das am Mittwoch in mehreren Bundesländerzeitungen abgedruckt wurde, ausgesprochen: "Ich bin der Meinung, dass sich die öffentliche Hand nicht in Spekulationsgeschäfte begeben darf. Daher werde ich nächste Woche sowohl den Rechnungshof-Präsidenten als auch den Gouverneur der Nationalbank zu mir bitten und sie fragen, ob es eine gesetzliche Bestimmung geben könnte, diese Spekulationen präventiv zu verhindern", so der Kanzler.

Dass er Pröll als für die vom Rechnungshof kritisierte Bundesfinanzierungsagentur zuständigen Finanzminister erst via Interview mit dem ORF-Radio Mittwochfrüh quasi nachnominiert hatte, hatte in ÖVP für Verärgerung gesorgt. Auch mokiert man sich bei den Schwarzen darüber, dass Faymanns Vertrauter, Medien-Staatssekretär Josef Ostermayer, zugegen sein soll.

In Richtung Prölls und seines Vorgängers in Partei- und Regierungsfunktion, Wilhelm Molterer, legte Faymann im Radio nach: Es sei nicht die Aufgabe des Staates, Risiken einzugehen. "Wenn mehr als 300 Millionen Euro Steuergeld in Gefahr sind, dann kann man nicht sagen: Wir gehen zur Tagesordnung über. Das wäre eine Beleidigung des Steuerzahlers." Die Verteidigungslinie der (Ex-)Finanzminister - inklusive Karl-Heinz Grasser, unter dessen Ägide die Käufe von strukturierten Finanzprodukten mit dem Cashbestand des Bundes plus extra dafür aufgenommenen Geldern stark ausgeweitet wurde - lautet: Die Ratingagenturen haben die jetzt kritisierten Finanzprodukte bestens bewertet, unterm Strich hat die Republik damit im Lauf der Jahre verdient. Wie berichtet, hängen derzeit 458 Millionen Euro in drei sogenannten Special Investment Vehicles (SIV), registriert auf den Cayman-Inseln. Der Rechnungshof rechnet derzeit mit einem Ausfallsrisiko von 377 Millionen Euro.

Pröll konterte mit den Worten, nur mit "Philosophiererei" werde es nicht getan sein. Es gehe um "Knochenarbeit", und die sei im Finanzressort bereits aufgenommen worden. Der ÖVP-Abgeordnete und Banker Michael Ikrath sprang seinem Parteichef bei, indem er sagte, die Veranlagungen der Bundesfinanzierungsagentur wären "zum damaligen Zeitpunkt keinesfalls als Risikoprodukte oder als Spekulation" zu sehen gewesen. Wer dies behaupte, nehme "damit in Kauf, dass der Finanzplatz Österreich geschädigt wird". Finanzminister Pröll hat Anfang der Woche angekündigt, er wolle eine Expertenkommission einberufen. Diese solle überprüfen, ob neue Richtlinien für die ÖBFA oder neue Gesetze notwendig seien, um die Investments der Agentur strenger zu kontrollieren und zu regulieren. ÖBFA-Chefin Martha Oberndorfer hat betont, die Richtlinien seien seit ihrem Antritt 2008 verschärft worden - etwa was die maximale Aufnahme von Cash betrifft.

Die Grünen fordern indessen angesichts des Bauskandals am Flughafen Wien sowie der Spekulationsverluste mehr Kontrollrechte für den Rechnungshof und junktimierten diese mit ihrer Zustimmung zur von der Regierung gewünschte Lockerung des Bankgeheimnisses. (szem, DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2009))

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 335
1 2 3 4 5 6 7 8
skocy
24.07.2009 12:52
Der Populismus-Werner schürt mal wieder...

Und warum fragt kein Journalist Lacina von der SPÖ? Und warum fallen wieder alle auf den Faymann´schen Populismus rein? Die Krone bekommt jetzt wieder Millionen von der SPÖ für Inserate und alles ist wieder paletti zw. Onkel und Neffen und der Cousin Wolfgang von "Österreich" kommt auch nicht zu kurz. Woher nimmt die SPÖ das viele Geld? Wär auch einmal interessant zu wissen? Das Thema ist viel zu kompliziert und für den einfachen Bürger gar nicht mehr zu durchschauen, also Aufklärung, wenn geht mit einfachen Worten, und keine Schuldzuweisungen a la Populismus-Werner, Pröll und Co sind nun gefordert, aber auch unsere seriösen Journalisten!

also dann ...
24.07.2009 12:28
spekulativ und (teilweise) kriminell... ist es,

- in papierln zu "veranlagen" die von emittenten der caymann`s (oder anderen st.oasen !) stammen
- die papierln...nicht mal zu kennen (laut eder... der die agentur lange jahre...leitete ?!)
- in ABS, MBS u.a.m. das geld zu investieren
o h n e auch nur ansatzweise die "securities" (!) geprüft zu haben
- s c h u l d e n EXTRA aufzunehmen, um zu spekulieren (jeder pimperl-bankberater rät davon AB, mit krediten in aktien zu spekulieren !)
- das 4 - augen-prinzip sträflich zu vernachlässigen.

die ÖVP...
ist eine einzige "spekulative veranlagung" (!)
der wählerstimmen der österreicher.
. . .sie verlor auch 40 % - genau deswegen !

JA - faymann - JUST DO IT !

homo zappa
25.07.2009 11:35

vielleicht wollten sie es der bawag und den roten gewerkschaftspekulanten nachmachen ? ggggg.
ausserdem sollte man mal nachschauen wie es rote finanzminster gemacht haben - wäre sicher aufschlussreich

badblackguy.blogspot.com
 
24.07.2009 23:10
Bitte, was dran ist kriminell? Die Sozis haben 1000mal mehr Geld verschwendet und der Steuerzahler hatte keinen Nutzen davon nur noch mehr Schulden die unser Leben teurer machen!

Es lebe der Schuldenkanzler Kreisky!
MFG

Aufreger
24.07.2009 09:39
Da wird wieder einmal "der Finanzplatz Ö geschädigt", solche Aussagen regen mich auf...

was den Finanzplatz "schädigt":
- kleine Privatbanken in Konkurs schicken (nicht passiert)
- keine Staatshilfe für Banken (ohne Auflagen oder Kosten für Banken)
- Bankgeheimnis abschaffen (ohne sind wir anscheinend nicht konkurrenzfähig)
- Verbot von Finanzanlagen in Steueroasen (sa ma net so).

Was den Finanzplatz NICHT "schädigt":

- hohe Arbeitslosigkeit
- schlechtes Bildungssystem
- hohe Steuerlast, zumindest für alle die zu Arm oder zu "Dumm" sind
- Korruption und Politikerstiftungen
- monopolistische Energieversorger als Versorgungspostenmaschinerie für Politiker
- etc.


Trotzdem, irgendwas kommt mir nicht ganz richtig vor.......

skip it
24.07.2009 11:37
bingo!...

Datenklaus
 
23.07.2009 16:11
Ui

Glücksspiel wurde in der ÖVP NÖ immer schon seeeehr geschätzt (Hahn-Novomatic-kleines Glücksspiel). Damit sticht Faymann in tiefste Zockerinnere dieser "Gesinnungsgemeinschaft".

Grüß Gott

Pol e Mike
23.07.2009 15:40
Ja, manche Leute spekulieren mit Leserbriefen und Boulevard-Käseblättern.

Manche spekulieren mit Parteibüchln auf Gemeindewohnungen.

Jeder, der im Sommer Heizöl einbunkert, weil er SPEKULIERT, daß es im Winter teurer wird, gehört eingesperrt.....ist nämlich ein Warentermingeschäft!

Faymann spekuliert mit der Dummheit der Wähler, bei seinen Kreuzldeppen geht die Spekulation sogar auf.....ein Elend!

Eva Ulrich
24.07.2009 06:49

Bevor Sie Leute mit anderer Meinung Deppen nennen, kehren Sie bitte vor ihrer eigenen Türe!

des grasser burli
23.07.2009 18:21
mit seinem eigenen geld kann jeder soviel spekulieren wie er will.

hier geht es aber darum, dass ein paar kapitalisten mit fremden geld spekulieren.

diese diskussion ist ähnlich wie: "es gibt keinen pflegenotstand - nein, den gibt es nicht"

amber103
23.07.2009 18:33

Wo kann der Staat sein Geld sicher anlegen? Bei Banken, für die er selbst gerade stehen muss? Bei anderen Staaten deren Anleihen bei weitem genausogut von heute auf morgen ausfallen können? (Wer dachte schon, dass Island von heute auf morgen zahlungsunfähig sein könnte? Glauben Sie, dass die USA ihre Schulden ganz sicher zurückzahlen kann?

Schon aufgrund der enormen Summen muss der Staat Risiken eingehen, weil eine theoretische vollständige Ausfallsversicherung den Steuerzahler um ein Vielfaches teurer kommt.

Im übrigen Spekuliert der Staat mir Aktien auf Kredit. Bisher war der Totalverlust der Normalfall, dennoch gedenken insbesondere die SPÖ Politiker nicht an einen Verkauf (=Privatisierung) der Risikobeteiligungen.

europa fassen
23.07.2009 21:41
Wo kann der Staat sein Geld sicher anlegen?

Die sicherste Geldanlage wäre, die Schuldenrückzahlung.

Zwei Vorteile:
1. Hätte man kein Spekulationsrisiko beim Anlegen.
2. Hätte man weinger Kreditrisiko, beispielsweise auf die Fremdwährungskredite des Staates.

Ich habe immer gehört, dass die Staatsschulden zu hoch sind. Wieso wird dann angelegt, statt zurück gezahlt?

Wieso sind es dieselben, die am meisten gegen Staatsschulden predigen, welche dann extra Schulden machen um zu spekulieren?

clearlake
23.07.2009 20:25
solang ich schulden hab

ist keine zeit fürs spekulieren. zocker haben das noch nie verstanden...

des grasser burli
23.07.2009 19:39
wo leben sie denn?

in der heutigen zeit wird geld erfunden.

dank unserer kapitalistischen kapazunder.

dacashjohnny
23.07.2009 15:20

Interessant, meine Aufzählung der österreichischen Skandale und die Feststellung, dass wir StuerzahlerInnen selbst mitschuld sind indem wir uns das alles gefallen lassen hat der Standard nicht veröffentlicht. Gut zu wissen!

Euroumrechner
23.07.2009 15:28

Heut haben die Überwacher wieder viel zu tun, meine Posts kommen auch erst nach 30 Minuten wenn überhaupt.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
23.07.2009 15:25
Die Republik

ist eh schon lange zu einem einzigen Totalskandal zusammengebacken. Man braucht sie nur noch aus dem Ofen holen und kalt stürzen.

dacashjohnny
23.07.2009 15:16

Es sollte uns aber schon klar sein, dass wir ÖsterreicherInnen uns das alles gefallen lassen. Wer schreit den laut auf beim Bankenpaket das ein Herr Konrad mit dem kleinen Pröll zugunsten der Banken und auf Kosten der Steuerzahler ausgehandelt hat?
Und wer wird wohl an den Spekulationsgeschäften der ÖBFA verdient haben, während SteuerzahlerInnen draufzahlen? Der Flughafenterminal ist ein Riesenskandal, die ÖBB Spekulationsgeschäfte ebenso, die alte Bawaggeschichte, die Managergehälter wo Verantwortung ausgeschlossen ist...usw. Wir lassen es uns gefallen! Und wenn der Ruf zur Urne kommt, wählen wir wieder die gleichen Wahnsinnigen. Aber gut, viele Möglichkeiten gibts ja nicht mehr.

europa fassen
23.07.2009 15:16
Platzende Blasen

Genauso wie der US-Hausbesitzer, der seinen Konsum über den virtuell steigenden "Wert" seines Hauses finanzierte,

genauso wie der Banker, der seinen Rekordbonus mit dem virtuell steigenden "Wert" der Finanzkonstruktionen begründete,

genauso wie der Aktionär, der seine Dividenden aufgrund vitueller "Wertsteigerungen" bekommten hat,

ganz genauso haben unsere Finanzminister virtuelle Milliarden für uns erzockt.

Und alle sind sooo unschuldig, wenn der virtuelle "Wert" sich plötzlich in Luft aufgelöst hat.

Ich wäre dafür, die daraus resultierenden Schulden auch nur als virtuell anzusehen. Dann sind wir alle aus dem Schneider. Denn virtuell ist eh alles toll gelaufen.....

Peng!

also dann ...
23.07.2009 17:26
stimmt ... nur das war noch nicht alles..., denn

- die virtuellen = aufwertungs-gewinne (z.b. MEL, die bonißs etc.)
wurden ja in realem CASH (!) ausbezahlt.
d.h.
mit allen tricks (bewertungen a la IFRS !) wurden
gewinne + vermögen (mithilfe der wi-prüfer!)
"geschaffen" - UND an die begünstigten
vom nicht vorhanden cash...ausbezahlt.

und der st.zahler... be-gleicht auch die realen verluste des finanzsektors !

d a s ...nennt man : ponzi - game !

des grasser burli
23.07.2009 15:11
ha ha

die bauernpartie aus pröll und molterer haben doch nicht diese wirtschaftskompetenz, von der sie immer sprachen.
und der grasser ist auch nix anderes. die ganze övp-sippe kann nur mit geld zocken, das ihr nicht gehört.

skip it
24.07.2009 07:58
das wuerd ich an ihrer stell SO nimmer hinschreiben:...

...erkundigen sie sich einmal nach "crossborder leasing" in der gemeinde wien.

die ist bekanntlich rotes eigentum.

Finn McCool
23.07.2009 15:10
Dass diese Steuergelder in einer Steueroase veranlagt wurden,

scheint von den Verantwortlichen überhaupt niemand zu stören, und es soll auch weiterhin gemacht werden.

Dabei ist das für Firmen und Privatpersonen verboten weil Steuerhinterziehung. Aber bei der "Vorbildwirkung" die die ÖFBA hier setzt ist die Botschaft doch eher: "Naja, verboten ist es vielleicht schon, aber doch eher ein Kavaliersdelikt, schließlich macht es der Staat ja auch, also kann es nicht so schlimm sein"

europa fassen
23.07.2009 15:21
Mich würde nur interessieren,

ob die Caymans deshalb gewählt wurden, weil man dort keine Steuern zahlen muss

und Österreich deshalb nicht gewählt wurde, weil sonst die Republik so viele Steuern an die Republik hätte zahlen müssen.

???

Oder ist es das dortige Bankgeheimnis, das angeblich so strikt ist, dass man auch Drogengeschäfte dort abwickelt
???

Finn McCool
23.07.2009 16:04

Noch eine Möglichkeit: Masnche dieser strukturierten Anlageprodukte sind nur dort möglich, weil der rechtsfreie Raum dort größer ist und Regulierungen nicht so steng angewendet werden, so es sie überhaupt gibt.

Es sind also einfach Dinge möglich, die bei uns nicht erlaubt wären. Was allerdings wieder dafür spricht, dass diese Anlageformen doch nicht so super-sicher und solide sind wie uns jetzt vorgegaukelt wird.

Ihr Argument, dass sonst die Republik so viele Steuern an die Republik hätte zahlen müssen, ist nur scheinbar paradox. Nach meiner Erfahrung denken die handelnden Personen nicht gesamtwirtschaftlich, sondern schauen ausschließlich darauf dass sie in ihrem Bereich gut da stehen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 335
1 2 3 4 5 6 7 8

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.