Debatte um Auszeichnung von Felicia Langer

23. Juli 2009, 11:58
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Israelische Menschenrechtsanwältin als "Feindin Israels" kritisiert - Ehrung wäre "fatales Signal"

Wien - Die israelische Menschenrechtsanwältin Felicia Langer (79) ist mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Bei der Entgegennahme hat Langer erklärt: "Mein Einsatz für die entrechteten Palästinenser und für Frieden mit Gerechtigkeit betont die Universalität der Menschenrechte. Meine Lehre aus dem Holocaust bedeutet Menschlichkeit, Mitleid mit den Opfern und Ablehnung von Unrecht. Ich habe das Leid der Palästinenser und ihre unerträgliche Lage mit eigenen Augen gesehen und mit ihnen gelitten."

Giordano droht mit Rückgabe eigener Verdienstkreuze

Diese Aussage hat zu Protestrufen von Seiten israelischer Intellektueller wie dem jüdischen Autor Ralph Giordano (86) geführt, der von Bundespräsident Horst Köhler verlangte, Langer die Ehrung rückwirkend abzusprechen, sonst würde er sein eigenes Bundesverdienstkreuz und Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland zurückgeben. Der Autor bezeichnete die in Tübingen lebende Langer, die auch Trägerin des Alternativen Friedensnobelpreises und des österreichischen Bruno-Kreisky-Menschenrechtspreises ist, als eine "Feindin Israels, die in einem Land mit verbreiteter Gesinnung, sich vom eigenen Schulddruck durch Kritik an Israel zu entlasten, nur von verheerender Wirkung sein kann".

"Militanter Hass auf Israel"

In Israel hat die Ehrung Langers ebenfalls heftige Kritik hervorgerufen. Sie zähle zu den "giftigsten Kritikern Israels", hieß es in einem Bericht der "Jerusalem Post". Die Juristin vergleiche Israels Politik gegenüber den Palästinensern mit dem einstigen Apartheidregime Südafrikas und habe die antisemitische Rede des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad vor der UNO-Anti-Rassismus-Konferenz in Genf gelobt.

Gegenüber der "Jerusalem Post" bestätigte Langer, dass sie israelische Regierungsbeamte für "Kriegsverbrecher" halte, die vom Internationalen Gerichtshof abgeurteilt werden sollten. "Frau Langer ist bekannt für ihren böswilligen militanten Hass auf Israel, der (in Deutschland) nur deshalb beachtet wird, weil sie selber Jüdin ist und ihre Holocaustvergangenheit betont," schrieb Dieter Graumann, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, per E-Mail der "Jerusalem Post".

Nachdem Langer erst vor einigen Monaten die pro-israelische Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel als "skandalös" kritisiert habe, sei sie jetzt plötzlich des Bundesverdienstkreuzes würdig. Das sei ein "fatales Signal und legitimiere ihre einseitige Hetze gegen Israel", zitiert die Zeitung aus der Stellungnahme Graumanns. Langer reagierte auf die Angriffe Graumanns mit der Aussage, dass sie den Zentralrat für eine "Filiale der israelischen Botschaft" halte, der "nichts Gutes für Israel oder die Friedensbewegung" unternehme.

Ansichten "schlimmer als die von Ahmadinejad"

Peter Weidner, oberösterreichischer Landesvorsitzender des Bundes der Freiheitskämpfer und Opfer des Faschismus, habe laut "Jerusalem Post" berichtet, dass Langer in Linz die palästinensischen Wahlen vom Jänner 2006, die von der Hamas gewonnen wurden, als die "freiesten demokratischen Wahlen" beschrieben habe, die jemals im Nahen Osten stattgefunden hätten. Kommentatoren auf der Homepage der Zeitung meinten, die Ehrung Langers sei ein "böswilliger antisemitischer Akt". Deutschland positioniere sich damit als "Feind des jüdischen Volkes". Ihre Ansichten wären noch "schlimmer als die von Ahmadinejad", weil sie Jüdin sei. Wer Israels Politik kritisiere, erhalte sofort den Stempel des Antisemiten aufgedrückt, hatte die Kreisky-Preisträgerin betont.

"Humanitäres Lebenswerk beeindruckend"

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) verteidigte Langer dagegen als "ehrliche und aufrechte Kämpferin für Frieden und Menschenrechte". Sie setzte sich seit Jahrzehnten für die Rechte palästinensischer Häftlinge in den von Israel besetzten Gebieten ein. Staatssekretär Hubert Wicker erklärte: "Das humanitäre Lebenswerk von Felicia Langer ist beeindruckend. Sie hat sich in herausragender Weise für Frieden und Gerechtigkeit sowie für die Wahrung der Menschenrechte eingesetzt. Ihr jahrzehntelanges Wirken für Benachteiligte und Unterdrückte verdient großen Respekt und höchste Anerkennung."

"Ihre Stimme denen gewidmet, die kaum gehört werden"

Auch die zur Vereinigung "Europäische Juden für einen gerechten Frieden" (European Jews for a Just Peace/EJJP) gehörende österreichische Gruppe "Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost" und die Wiener Frauen-Friedensinitiative "Frauen in Schwarz" haben Köhler für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Langer gedankt. Die Ausgezeichnete habe "ihr Leben und ihre Stimme denen gewidmet, die kaum gehört werden: den Palästinensern in den besetzten Gebieten und in Israel selbst", heißt es in einem am Mittwoch in Wien namens beider Gruppen veröffentlichten Schreiben, das von Paula Abrams-Hourani unterzeichnet wurde. Langer wisse, dass ein dauerhafter Friede zwischen Israelis und Palästinensern nur auf Gerechtigkeit basieren könne, und widme sich und ihr Leben diesem Anliegen, heißt es in dem Schreiben. (APA)

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