Wie die AUA fluguntauglich wurde

22. Juli 2009, 19:06
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Die Geschichte eines vermeidbaren Desasters im Zeitraffer - Von Fritz Feitl

Die AUA ist kein Opfer der momentanen Krise, die negative Entwicklung hat sich vielmehr seit langem abgezeichnet. Der Betrieb war zu keiner Zeit schlank aufgestellt und effizient geführt. Er ist schwach im Vertrieb und hat zu hohe Kosten. Zweifellos haben die Rahmenbedingungen Sanierungsmaßnahmen des Vorstandes erschwert. Allerdings hätte sich ein Vorstand mit Zivilcourage, der die Rückendeckung des Aufsichtsrates hat, durchsetzen können.

Die Liste der falschen und unterlassenen Entscheidungen der AUA-Vorstände seit 1993 ist lang, und diese notorische Verkettung von Fehlern und Versäumnissen über fünfzehn Jahre hinweg führte schlussendlich zu jener Ertragslage, die es der Fluglinie verunmöglichte, aus Eigenem ihre Existenz zu sichern. Einschneidende, dauerhaft wirksame Sanierungsschritte unterblieben, stattdessen wurde sukzessive Familiensilber verkauft.

Unter dem Vorstand mit Alfred Ötsch beschleunigte sich die negative Entwicklung trotz der Zufuhr neuen Eigenkapitals von 370 Millionen Euro. Es war 2006, gelinde gesagt, riskant, in schwierigen Zeiten für die Luftfahrt einen Vorstand zu bestellen, der von der Luftfahrt keine Ahnung hatte - umso mehr als es hochqualifizierte Bewerber aus der Branche gab. Offensichtlich war Parteizugehörigkeit das ausschlaggebende Kriterium.

Neben dem Einfluss der Parteipolitik auf die Bestellung der Organe war es vor allem der mächtige Betriebsrat des fliegenden Personals, der die Versuche, kostengünstigere Strukturen zu schaffen, unterlief. So gab es etwa bis 2002 eine Betriebsvereinbarung, die die Aufteilung der Produktion auf die drei Konzerngesellschaften Lauda Air, AUA und Tyrolean regelte und es der AUA nicht erlaubte, von den Kostenvorteilen der Tyrolean und Lauda Air voll zu profitieren - und dies in einem freien, von starkem Wettbewerb geprägten Markt.

Als diese Vereinbarung dann aufgekündigt wurde, kam es unter dem Vorstand mit Vagn Sørensen zu einer Zusammenlegung des fliegenden Personals von Lauda Air und AUA, womit die AUA auf eine kostensparende Auslagerung von Teilen ihrer Produktion für immer verzichtete.

Da der Vorstand einer Aktiengesellschaft bestimmte Geschäfte nur mit Zustimmung seines Aufsichtsrates tätigen kann, stellt sich daher die Frage nach der Verantwortung dieses Organs: Wie konnte es geschehen, dass der Vorstand Jahr für Jahr versprach, die unbefriedigenden Ergebnisse in Zukunft zu verbessern, diese Verbesserung jedoch nicht nachhaltig eingetreten ist und trotzdem Sanktionen unterblieben? Wie konnte es zur Zustimmung des Aufsichtsrates zu Fehlentscheidungen mit enormer Tragweite kommen? Etwa zur Unterlassung, nach dem Erwerb der Lauda-Air5 ein strategisches Konzept zu erstellen, was zur Nichtrealisierung beträchtlicher Einsparungspotenziale und zu teilweisen Fehlinvestitionen führte (Ära Bammer/Rehulka). Oder zu der mit einem Aufwand von mehr als 80 Millionen Euro verbundenen Abfindung teuer ausgebildeter und hochqualifizierter Piloten, zu einer Zeit, da die gesamte Branche Piloten suchte (Ära Ötsch).

Mangel an Selbstkritik

Fazit: Dass die bis zur Zahlungsunfähigkeit herabgewirtschaftete AUA verschenkt werden muss und dies den österreichischen Steuerzahler mindestens 500 Millionen Euro kostet, war vermeidbar. Das heutige Desaster ist die Folge schlechten Managements, eines unkritischen Aufsichtsrats und der parteipolitisch motivierten Besetzung von Organen - und dies alles im Zusammenwirken mit einem mächtigen Betriebsrat.

Dazu kommt noch ein eklatanter Mangel an Selbstkritik, der sich dadurch manifestiert, dass es immer nur "die anderen" und die "widrigen Umstände" waren, die an der negativen Entwicklung Schuld hatten ... (Fritz Feitl, DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2009)

Zur Person

Fritz Feitl (70) war von 1982 bis 2000 Alleinvorstand der Tyrolean Airways und mehr als 30 Jahre lang in der Luftfahrt tätig.

  • Feitl: Missmanagement, Parteieneinfluss, übermächtiger Betriebsrat.
    foto: fischer

    Feitl: Missmanagement, Parteieneinfluss, übermächtiger Betriebsrat.

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