Wien steht noch nicht unter Strom

21. Juli 2009, 19:50
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Autoindustrie und Kommunen bereiten sich auf den Umstieg zur Elektromobilität vor - Wien steht allerdings auf der Bremse und fördert derzeit nur Gasautos

Wien - In der Autoindustrie gibt es derzeit wenig Themen, bei denen man auch nur einen Hauch von Euphorie heraushören könnte. Allein, wenn es um Elektroautos geht, steht die Branche unter Strom: Fast jede Marke präsentiert Prototypen, Mitsubishi bringt beispielsweise das erste Elektroauto für die breite Masse auf den Markt, VW plant den Einstieg ins Stromgeschäft für 2013, Nissan baut in Großbritannien und Portugal Fabriken für Elektroautobatterien.

Auch einige Länder und Kommunen geben bereits Strom statt Gas: Die Salzburg AG bietet etwa neuerdings auch Privatkunden an, Elektroautos zu leasen. Im Vorarlberger Rheintal wurde das "Vlotte"-Projekt gestartet: Binnen eines Jahres sollen hundert Elektrofahrzeuge und 50 neuerrichtete Stromtankstellen im Rheintal zum Einsatz kommen. Oberösterreich fördert Elektroautos mit 750 Euro - Ökostrombezieher bekommen noch einmal 500 Euro dazu.

Im Vergleich dazu scheint Wien eher auf der Leitung zu stehen: In der Bundeshauptstadt wird derzeit einzig der Kauf von Erdgasautos von der Kommune unterstützt - während gleichzeitig die Stadtwerketochter Wien Energie in einem Konsortium das Netz von Erdgastankstellen zügig ausbaut. Im ersten Halbjahr 2009 wurden in Österreich 528 Erdgasfahrzeuge neu zugelassen - jedes zweite davon in Wien, lautete die jüngste Erfolgsmeldung der Wien Energie.

"Fakt ist: Elektromobilität ist ein Zukunftsthema", betont WienEnergie-Geschäftsführer Robert Grüneis dazu im Standard-Gespräch. Aus seiner Sicht "gibt es derzeit noch keine Technologie, die man wirklich guten Gewissens fördern könnte". Ein Hauptproblem sieht Grüneis nach wie vor in der Batteriefrage: Die Ladezeiten seien immer noch zu lang und die Reichweiten zu gering. Außerdem gebe es noch keine wirkliche Massenfertigung von Elektroautos - und entsprechende Risiken: "Was ist, wenn man ein Elektroauto fördert, und dann hat die Batterie nach einem halben Jahr nur noch die halbe Leistung?"

Ein früher Pilotversuch

Entsprechende eigene Erfahrungen habe man bereits gesammelt: "Wir hatten in den 90er-Jahren einen Pilotversuch mit sechs Elektroautos und der ersten Stromtankstelle von Wien vor dem Wien-Energie-Haus. Insgesamt seien bei diesem Projekt 300.000 Kilometer abgespult worden - doch jetzt sei von der Elektroflotte nur noch ein einziges Fahrzeug in Betrieb.

Gleichzeitig sieht Grüneis in der Elektromobilität auch Vorteile und entsprechendes Zukunftspotenzial: Bei Elektroautos müssten seiner Einschätzung nach die Betriebs- und Servicekosten deutlich günstiger sein. Nicht zuletzt deshalb, weil es beim Elektroantrieb "weniger bewegte Teile gibt". Und aus der Sicht des Energieversorgers: "Eine Stromtankstelle ist um ein Vielfaches billiger als eine Erdgastankstelle." Kostet die Errichtung einer Gastankstelle rund 300.000 Euro - muss man für eine Stromtankstelle nur 15.000 Euro in die Hand nehmen.

Klar sei auch: "Derzeit macht der Verkehr rund 50 Prozent der CO2-Emissionen aus. Mit Elektroautos könne man pro Jahr und Fahrzeug rund eine Tonne CO2 einsparen. Zum Durchbruch werde die Technologie aber erst kommen, wenn die Anschaffungskosten sinken - und die öffentlichen Zuschüsse entsprechend attraktiv werden.

"Dann setz ich mich drauf"

Noch will Grüneis aber abwarten: "Sobald serienreife Autos vorliegen, dann setz ich mich drauf. Dann werden wir einen Piloten machen." Laut Herstelleraussagen könnte dies 2010 so weit sein, aber da ist der Wien-Energie-Geschäftsführer noch skeptisch. Daher will Grüneis Anfang 2010 einen weiteren Versuch starten. Betriebsintern. "Nach zehn, 15 Jahren muss sich ja was getan haben." Vor allem im Kundendienst würde sich der Einsatz von E-Autos anbieten.

Um inzwischen auch in der Öffentlichkeit eine "Sensibilisierung für Elektromobilität zu schaffen", kündigt Grüneis einen weitere Initiative an: "Was ist mit Elektro-fahrrädern und E-Rollern in der Stadt? Das muss man erst einmal testen und abfragen." Derzeit gebe es Überlegungen, Anfang nächsten Jahres einmal Elektroräder auszuprobieren und den Kundenbedarf zu erheben." Hier sei man derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Partner. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2009)

 

  • Dass Strom als Energiequelle für Autos vor allem in der Stadt ein
Zukunftsthema ist, wird nicht bezweifelt. Bei Wien Energie will man
aber noch die nächsten Entwicklungsschritte abwarten.
    foto: mini

    Dass Strom als Energiequelle für Autos vor allem in der Stadt ein Zukunftsthema ist, wird nicht bezweifelt. Bei Wien Energie will man aber noch die nächsten Entwicklungsschritte abwarten.

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