Mit Gewalt auf sich aufmerksam machen

21. Juli 2009, 19:26
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Tierrechtsaktivisten bekennen sich mitunter offen zu illegalen Maßnahmen

Wien/Amsterdam - Um 8 Uhr früh drangen am 26. April 2005 Aktivisten des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT) in die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle im oberösterreichischen Almtal ein, um einen genehmigten Tierversuch zu verhindern. Sie besetzten für dreieinhalb Stunden den Operationssaal und konnten so verhindern, dass den Wildgänsen zigarettenschachtelgroße Sensoren in den Bauchraum implantiert wurden. Die Besetzung endete mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen die Aktivisten. Der Prozess endete mit einem Freispruch. Anfang Jänner dieses Jahres lud eine Wiener Galerie zu einer "Kalbsembryonen-Verkostung". Die Gruppe "Animal Spirit" bezeichnete die umstrittene Aktion als "Perversion, die der Tierquälerei im Namen der Kunst und des Gaumenkitzels die Krone aufsetzt". Initiator Christoph Theiler erhielt massive Droh-E-Mails. Er werde am Laternenpfahl aufgehängt und ihm der Bauch aufgeschlitzt, so der Inhalt.

Seit Jahren werden regelmäßig Auslagen von Kleider Bauer oder Fürnkranz demoliert und mit Slogans wie "Pelz ist Mord" beschmiert. Fürnkranz-Geschäftsführer Karl Bauer fühlt sich vor allem vom VGT "schikaniert": "Ich wurde als Tiermörder beschimpft, an meinen Händen klebe Blut." Im Kampf gegen die Pelzmode soll in den Niederlanden ein Tierschützer ein Attentat auf Königin Beatrix geplant haben, der Mann wurde am Dienstag festgenommen.

"Die Aktionen der Animal Liberation Front (A.L.F.) passieren jenseits der Legalität", hießt es sogar ausdrücklich auf ihrer Homepage. Dabei werde nicht vor "Sachbeschädigungen oder Brandstiftungen" zurückgeschreckt, wie es weiter heißt. Außerdem operieren sie im Geheimen.

Riskieren derartige Aktionen nicht, dass die eigentlichen Interessen des Tierschutzes kriminalisiert werden? Der Präsident des österreichischen Tierschutzvereins Erich Goschler verneint dies. "Es muss ein Aufreger sein", verteidigt er etwa die Besetzung des Operationsaals. Im Gegensatz zu anderen Hilfsorganisationen müsse der Tierschutz Missstände direkt aufzeigen. Der Versuch, "uns deshalb jetzt als kriminelle Organisation hinzustellen, ist absurd."

Die Vereine in Österreich seien nicht vernetzt, zum Aufbau einer Organisation fehle es zudem an Geld. Die gemeinnützigen Vereinigungen seien auf Spenden oder Mitgliedsbeiträge angewiesen. Das große Problem der Tierschützer sieht Goschler darin, dass sie einer unglaublich starken Lobby gegenüberstehen. Dazu zählt er die Jäger und die Schlachtbetriebe. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 22.07.2009)

 

  • Wegen des Pelzverkaufs warfen Aktivisten 2006 die Fenster der Wiener Kleider-Bauer-Filiale in der Meidlinger Hauptstraße ein.
    foto: kleider bauer

    Wegen des Pelzverkaufs warfen Aktivisten 2006 die Fenster der Wiener Kleider-Bauer-Filiale in der Meidlinger Hauptstraße ein.

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