Finanzbehörde jagt im Spendenparadies

21. Juli 2009 19:20
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    Der Verein gegen Tierfabriken fühlt sich nicht artgerecht behandelt: Nach der Justiz hat die Aktivisten jetzt auch der Fiskus im Visier.

Ob eine Reihe von Tierschützern vor Gericht kommt, ist nach wie vor ungeklärt - Dafür haben sich die Finanzbehörden an die Fersen eines beteiligten Vereins geheftet

Laut Anwalt und Experten kein Einzelfall.

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Wien - Harald Balluch, Geschäftsführer des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), hat in diesem heißen Sommer schon viel Zeit im Finanzamt sowie bei seinem Steuerberater verbracht. Die Sorge ums Vereinskonto lasse ihn manchmal sogar die in Schwebe stehende Anklage gegen seinen Bruder und VGT-Obmann Martin Balluch und eine Reihe weiterer Tierrechtsaktivisten wegen des Anti-Mafia-Paragrafen 278a vergessen (siehe Artikel rechts unten), sagt er: Immerhin seien die Vorhaltungen des Fiskus "für den VGT potenziell existenzgefährdend".

Die Finanzbeamten nämlich bezweifeln, ob dem VGT - der wie 95 Prozent aller registrierten Vereine in Österreich als gemeinnützig gilt und Spenden daher nicht versteuern muss - dieses Privileg weiterhin zukommen soll. "Geht das durch, so müssen wir für unsere Haupteinnahmequelle, die Spenden, Abgaben bezahlen."

"Das wäre unser Ruin"

Und zwar nicht nur in Zukunft, sondern rückwirkend bis zu fünf Jahren: "Das könnten wir nie bezahlen, das wäre unser Ruin", meint Harald Balluch. Mit den Zuständigen will er daher "unter allen Umständen konstruktiv im Gespräch bleiben".

Die Argumente der staatlichen Säckelwarte liegen dem Standard schriftlich vor: In der Beantwortung einer Frage des zuständigen Finanzamts vom 10. 9. 2009 spricht eine Abteilungsleiterin der Steuer- und Zollkoordination dem VGT "nach Rücksprache mit der Fachabteilung des Bundesministeriums für Finanzen" die Gemeinnützigkeit ab. Die Statuten des Vereins, so führt sie aus, würden der Zuerkennung einer "abgabenrechtliche Begünstigung" widersprechen.

Denn aus den VGT-Vereinsstatuten sei "ersichtlich, dass grundsätzlich begünstigungsfähige Zwecke mit rein politischen Zielen wie der Verankerung des Tierschutzes in der österreichischen Bundesverfassung oder Fragen der Grundrechte vermischt werden". Vom Standpunkt der Gemeinnützigkeit sei das jedoch inakzeptabel, weil: "Die Verfolgung politischer Ziele ist abgabenrechtlich nicht begünstigt."

Diese Interpretation des Vereinsrechts kann Werner Doralt, Vorstand des Instituts für Finanzrecht der Universität Wien, nicht nachvollziehen. Über lautstarke Proteste gegen den Verkauf von Pelzen in der Wiener City hat er sich, wie er sagt, "mehrfach bereits so sehr geärgert, dass ich ins Geschäft gegangen bin, um den Verkäuferinnen meine Unterstützung zu zeigen". Dass "der Tierschutz grundsätzlich als ein Anliegen der Allgemeinheit zu werten und daher von gemeinnützigem Charakter ist", zieht er dennoch "keineswegs in Zweifel".

Auch das Ziel, den Tierschutz in der Verfassung festzuschreiben, widerspreche dem nicht: "Das wäre so, als ob man einen Verein, der Alte betreut, als zu politisch bezeichnet, weil er anstrebt, dass Altenpflege als verfassungsrechtliche Bestimmung definiert wird." Alles in allem: "Die in diesem Schreiben vertretene Rechtsmeinung ist überbordend."

Und sie werde nicht nur im Fall des VGT verwendet, aus dessen Reihen Mitglieder im Zuge der großangelegten Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation nach Paragraf 278a (siehe Wissen) in Verdacht geraten sind, ergänzt hier der Wiener Rechtsanwalt Josef Unterweger. Als Rechtsvertreter einer ganzen Reihe von NGOs - von Flüchtlingshilfsgruppen hin zu Ökovereinen - stellt er fest: "Das Vorgehen des Finanzministeriums gegen NGOs ist seit ein bis zwei Jahren strenger." Finanzbeamte hätte einem "Wildwuchs bei der Gemeinnützigkeit" den Kampf angesagt.

Im Sinn des Neoliberalismus

Das, so Unterweger, geschehe "ganz im Sinn des Neoliberalismus": Wettbewerbsnachteile privater Firmen gegenüber Gemeinnützigen sollten offenbar beseitigt werden; Wettbewerbsnachteile, die die Firmen wegen der steuerlichen Erleichterungen der gemeinnützigen Vereine hätten - konkret etwa im Bereich der Flüchtlingsbetreuung.

"Eigens nachgeschulte Betriebsprüfer" legten ihr Augenmerk auf Widersprüche in den Vereinsstatuten zwischen den Vereinszwecken und den dafür eingesetzten Mitteln. Würden diese Widersprüche vom Vorstand nicht binnen Frist beseitigt, komme auf die NGO eine Steuerschätzung zu.

In den vergangenen Jahren habe er schon etliche NGOs in solchen Situationen beraten, sagt Unterweger. Doch bei der Interessenvertretung österreichischer gemeinnütziger Vereine (IÖGV) weiß man im Standard-Gespräch von keinem konkreten Fall. Auch im Finanzministerium wird eine steuerrechtlichen Aktion scharf gegen NGOs dementiert. Wenn schon, dann sei der Fiskus bei den Gemeinnützigen "möglichen Gewinnen durch gewerbliche Tätigkeit" auf der Spur. (Irene Brickner, DER STANDARD Prinausgabe, 22.07.2009)

Kommentar posten
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Tschuri Cazzino
 
11.08.2009 21:59
Die Argumentation des FA ist hanebüchen.

Warum sollte die Verfolgung politischer Ziele der Gemeinnützigkeit widersprechen? Weil es ein Finanzbeamter sagt ohne dies zu begründen. Mit dieser Begründung wären vom Alpenverein über den Weissen Ring bis hin zum Roten Kreuz alle nicht gemeinnützig.

Adyingwish
31.07.2009 19:04

Kann sich jemand an den Verein "Freunde der Wiener Polizei " erinnern ?!

Gabs da eigentlich Ermittlungen ?

Fin Me Oot
01.08.2009 10:04

Die Ermittlungen sind geräusch- und geruchlos in den Sand verlaufen, wie in Özistan zu erwarten war! Gehörte nicht sogar Julius Meinl dazu?

Grand Blanc
27.07.2009 16:23
Steuerfahndung

Bemerkerkenswerterweise wird die Steuerfahndung zur Ermittlung von Sachverhalten eingsetzt, die ganz leicht auch vom Innendienst im Vorhaltewege zu klären gewesen wären.

@ Tier40 (22.07.09 18:24)

Ich weiß nicht, was inzwischen damit passiert war.

Speedle
24.07.2009 04:14

Also wenn ich Spender wäre, würde ich ab dem Zeitpunkt, wo das Finanzamt Steuern einhebt, meine Spende zurückverlangen.

andreas lamers
 
11.08.2009 16:16
Weil

das Geld noch da ist? Glauben sie die haben es nicht benoetigt? Oder das das ein Sparvereien ist? Die Aktionen ohne Geld auskommen? Und um das ganze dann noch lustiger zu machen, glauben Sie wirklich das Ihre Forderungen vorzug gegenueber dem Finanzamt haben?sein sie froh wenn sie nicht auch noch haftbar gemacht werden, dem FA faellt sicher was dazu ein.

hamstertier
24.07.2009 22:37
an speedle

von wem? glauben sie, die tierschutzvereine brauchen nicht jedes centerl? wollen sie denen jetzt alles wegnehmen?
besser wäre es, den zuständigen herren von der finanz (VP) die hölle heiß zu machen. protestieren sie.

Grand Blanc
24.07.2009 07:29

Mit welchem Zweck?

helge schneider
23.07.2009 14:46
reines kasperltheater

was aber stutzig macht: beinahe ganz oesterreich ist auf seiten der tierschuetzer und trotzdem hoert die hetzjagd net auf. wie gibts das ? sin wir wirklich so verfektert und alle jaeger mit trachtenmanterln oder lassen wir uns vom staat alles gefallen, auf ami maessig ?

wirklich, man ist ja vieles gewoehnt von unseren vertrottelten beamten, aber die tierschuetzerhatz ist echt das letzte.

dank dem standard ueberhaupt, die restliche medienlandschaft haette immer noch gerne dass sie beim baluch c4 oder dynamit oder sowas finden.

Tschuri Cazzino
 
11.08.2009 22:04
Die meisten Österreicher sind für Tierschutz, nicht

für Tierschützer vom Schlage eines Balluch und Konsorten.
Selbst wenn die meisten Österreicher auf seiten von Balluch und Konsorten stünden, würden diese in jedem Rechtsstaat für Verbrechen verfolgt. In Österreich entscheiden StA und Gerichte über Schuld bzw. Unschuld. Es gibt darüber keine Volksabstimmungen.

mrheli
24.07.2009 15:00

Ganz Österreich soll hinter den Tierschützern stehen? Das ich nicht lache!
Die Tierschützer sind in etwa so beliebt bei uns wie stinkige Socken!

andreas lamers
 
11.08.2009 16:25
Kommt auf die kreise an

in meinem umkreis gibt es keinen der tierschutz nicht als wichtig ansieht. (schon aus selbstschutz, andere weil sie eben mitgefuehl haben) und kaum einer der verstaendniss fuer die metternischen aktionen der behoerden. aber wer in der SA oder im BMFI arbeitet dem sind natuerhlich menschen die menschen geblieben sind ein dorn im auge. da haben sie sicher recht.

hamstertier
24.07.2009 22:39
an mrheli

ich distanziere mich offiziell von ihnen, somit ist ihre diktion: "uns" nicht zulässig.

FalscherProphet
24.07.2009 16:02
In Deiner Wahrnehmung läuft ordentlich etwas schief.

Die paar Tierrechts-Aktivisten in Österreich sind die EINZIGEN, die sich für die enorme Zahl an Individuen,
die in dunklen "Löchern" eingesperrt gehalten,
bei Bedarf zur Produkttestung gequält, ...
werden usw.
EINSETZEN.

Ohne diese profitmäßig (basierend auf Tierleid) für Konzerne unangenehmen Leute gäbe es in Österreich vermutlich weiterhin:
o) Pelztierfarmen
o) HIV-Infizierungen von Schimpansen zu Forschungszwecken
o) Hühner in Käfighaltung (noch 1 od. 2 Jahre)
usw. usw.
Quelle: http://vgt.at/erfolge

Aber schon klar: Sind ja nur Viecher.
Wurscht, ob die zu hundertausenden leiden.
Hautpsache "uns" geht's auf deren Kosten besser.
(So glauben "wir" halt.)

Tschuri Cazzino
 
11.08.2009 22:07
Die von Ihnen genannten Verbesserungen im Tierschutz

haben wir nicht radikalen Aktivisten zu verdanken, die Menschen bedrohen, erpressen und ihr Eigentum beschädigen, sondern dem breiten gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Tierschutz nötig ist.

Toni Blaher
 
25.07.2009 11:39

Also uns besser.... billiger wäre passender

andreas lamers
 
11.08.2009 16:22
Was nicht

stimmt. denn die legebatterien eier waren nicht so billig, auch die kosmetiktest die genau nichts nachgewiesen haben (keine refernz von schimpansen zum menschen) habne den lippenstift freundlicher oder billiger gemacht. medizinische teste sind bis zu einem gewissen grad immer noch zulaessig, pelztierfarmen, auch mit dem schliessen dieser tierkz wurde kein erheblicher preisanstieg verzeichnet. aber das bewusstsein hat sich geaendert. (muss nicht jede frau in hermelin oder fuchs gehen) auch wurde in der zwischenzeit festgestellt das stressfreie tiere und ohne medikamente gesuendere nahrung fuer den menschen bringen. wer den nahrungsmittelkreis verseucht verseucht sich selbst. (siehe china mit seiner trockenmilch)

Tschuri Cazzino
 
13.08.2009 17:27
In keiner Epoche der Menschheit haben sich Menschen

nur annähernd so gesund zu ernähren vermocht wie heute. Es handelt sich auch um einen weit verbreiteten aber leider nicht totzukriegenden Aberglauben, dass Bioprodukte sich positiv auf die Gesundheit auswirken.

andreas lamers
 
13.08.2009 21:29
bio und manipulierte lebensmittel

sind 2 verschiedene dinge, und das falsche tierhaltung menschen krank macht ist nachgewiesen. das kreuzfeld jakob syndrom als extremstes beispiel, wo verseuchte schafe an rinder verfuetter wurden, weil die schafe ja menschen krank machen, so hatten wir bse und das ist keine legende. das die antibiotika im schweinefleisch, krebs erzeugen und sich mitunter mit anderen medikamten mischen ist auch nachgewiesen, was gen veraenderte lebensmittel anrichten koennen wissen wir noch nicht, nur das der raps (bzw oel) menschen toeten kann ist leider auch klar geworden. das alles hat mit bio nur am rande zu tun, wie bei allem das augenmas macht es.

La dotta rossa grassa
24.07.2009 15:38
"bei uns"

Gemeint ist vielleicht "bei uns Jägern, Schweinezüchtern und Tiertransporteuren"?

hamstertier
23.07.2009 21:45
an helge schneider

die tierschützercausa ist eindeutig eine VP-angelegenheit, deren klientel fühlt sich bedrängt (kleiderbauer, tierfabriksbesitzer, frächter, jäger, etc.)
seit wann schert sich die VP um die volksmeinung? und wieso werden die trotzdem immer und immer wieder gewählt? frag ich mich seit jahren.

albert einstein
23.07.2009 12:09

liebe behörden hier wird eine hetzjagdt veranstaltet!

und ich dachte wir hätten aus der mühlviertler hasenjagdt gelernt!

RebelAngel
 
28.07.2009 15:19
offenbar

haben sie davon nicht viel gelernt...

albert einstein
28.07.2009 17:23

warum weil ich assoziiere veranstalte ich eine hetzjagd?

ich täte mal sagen dass div. leute geister gerufen haben die sie nicht mehr loswerden und jetzt mit aller kraft versuchen ihren arsch aus der schußlinie zu bekommen seies auch mit gestapo methoden!

LGM
24.07.2009 18:44

Rechtschreibung hat Einstein jedenfalls nicht gelernt, und der Vergleich einer völlig legalen Finanzamtsprüfung mit der mühlviertler Hasenjagd ist so etwas von geschmacklos, einfach nur ekelhaft.

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