Die schwierigen Moleküle angehen

21. Juli 2009, 19:18
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Die Molekular-Biologin Kristina Djinovic-Carugo entwickelt neue Methoden der Proteinherstellung

Seit 2004 leitet Kristina Djinovic-Carugo das Department für Strukturbiologie und Computational Biology am Zentrum für Molekulare Biologie an der Universität Wien (Max F. Perutz Laboratories). Mit Kernspinresonanz, optischer Spektrografie, Röntgen-Kristallografie und biomathematischen Ansätzen werden dort einander ergänzende Informationen über die räumliche Anordnung der Atome in Biomolekülen gesammelt. "Aus Sicht der Chemie sind auch einfache organische Verbindungen sehr kompliziert", sagt die Fachfrau für Makromoleküle. Informationen über mögliche Bindungsstellen in den Proteinen sind letztlich Bausteine, um die Funktionen im lebenden Organismus aufzuklären.

Die Strukturbiologin überzeugte im wfforte-Impulsprogramm mit einer fruchtbaren Kooperation von Arbeitsgruppen am Campus Vienna Biocenter. Das "Laura Bassi Center für optimierte strukturelle Studien" (COSS) startet im Herbst 2009 mit zwei Teams vom Institut für Molekulare Pathologie, den Max Perutz Labs und dem Impfstoffentwickler Intercell AG.

In den nächsten vier Jahren wird die Plattform mit Mitteln des Wirtschaftsministeriums neue Methoden entwickeln, um Proteine in derart hoher Qualität herzustellen, wie sie für Analysen bei der Erforschung von Krankheiten und deren Therapien notwendig sind: "Die einfachen Proteine wurden schon gemacht. Wir gehen schwierige Makromoleküle in Membran oder im Zellskelett mit einer Kombination vielversprechender Ansätze, die in Deutschland und Schweden publiziert wurden, an", erklärt Djinovic-Carugo, die fünf Jahre die Strukturbiologe-Unit am Synchrotron in Triest leitete.

Der Fokus des Laura-Bassi-Programms liegt neben Anwendungsforschung auf Forscherinnenkarrieren. Für die frischgebackene COSS-Chefin steht aber das Kriterium Exzellenz an erster Stelle. Die Möglichkeit, strukturbiologische Experimente am Synchrotron in Grenoble vom Schreibtisch aus "fern zu bedienen" oder Fortschritte der Kristallzüchtung am Laptop zu überwachen, sowie einen Kindergarten und Mentoring kann sie jungen Eltern fix anbieten.

In das Fach eingeklinkt hat sich die Mutter einer Teenagertochter schon während der Diplomarbeit an der Universität ihrer Geburtsstadt Ljubljana. Anhand von Infrarotspektren sagte sie die Form eines metallo-organischen Komplexes voraus. Das Gefühl beim Blick auf die Röntgen-Kristallografie, die ihre Prognose bestätigte, wird sie nie vergessen.

Für das Studium der Chemie entschied sie sich, weil das Fach "bei allem nötigen Respekt präziser ist als die Medizin". Ihr Großvater, ein Chemieprofessor, machte es ihr schmackhaft. Nach PhD und PostDoc an der Universität Pavia nahe Mailand, wo sie ihren Mann kennenlernte, wechselte sie in das Strukturbiologie-Programm des European Molecular Biology Laboratory nach Heidelberg.

Am Wiener Campus reizt die 46-Jährige das multidisziplinäre Umfeld, das "zu gemeinsamen Themen fast wie ein Körper arbeitet". Einer der rund tausend Life-Science-Profis ist "sicher auch Freitagnachmittag greifbar, um etwas abzuklären". (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 22.07.2009)

  • Strukturbiologin Kristina Djinovic-Carugo leitet ab Herbst ein neues Laura Bassi Centre.
    foto: uni wien

    Strukturbiologin Kristina Djinovic-Carugo leitet ab Herbst ein neues Laura Bassi Centre.

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