Ich seh den Sternenhimmel

21. Juli 2009, 19:12
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Selten wurde ein Jubiläum der Mondlandung so ausgiebig gefeiert wie das jüngste

Der 40. Jahrestag der "Apollo 11"-Mission war auch hierzulande Anlass zu einem Fest mit hohem heimischem Promifaktor.

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Ein Abend der frommen Wünsche: Doris Bures, als Infrastrukturministerin politisch für österreichische Weltraumaktivitäten verantwortlich, möchte die erste Frau am Mond sehen. Und Franz Viehböck, bisher einziger Kosmonaut Österreichs, hoffte in zehn Jahren einen Nachfolger als heimischer Weltraumfahrer zu haben. "Ich möchte das Zepter übergeben."

Die heimische Forschungscommunity feierte am Montagabend den 40. Jahrestag der ersten Mondlandung. Sie lud dazu österreichische Prominenz ein, die dann auch ein kräftiges Wort mitredete, was die ganze Wahrheit über Raumfahrt und Mond betraf. So bemühte sich Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, erst gar nicht einen Österreichbezug zur "Apollo 11"-Mission herzustellen.

Fernsehlegende Peter Nidetzky, einst Moderator der ORF-Marathon-Liveübertragung jenes epochalen Ereignisses, korrigierte ihn freilich und erzählte von Technologie aus Reutte in Tirol in der "Saturn V"-Rakete, die die Crew 1969 ins All schoss. Er hatte bei einem Besuch in den USA außerdem einige Österreicher angetroffen, die für die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde Nasa arbeiteten. Ein Bezug ließ sich deutlich leichter bei gegenwärtiger Weltraumtechnologie herstellen. Österreich war und ist an unbemannten Missionen beteiligt.

An der TU Graz und am Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften oder im Unternehmen Ruag Aerospace Austria werden Technologien entwickelt, finanziert über die europäische Weltraumagentur Esa, über die EU und über das Weltraumprogramm des Infrastrukturministeriums, das von der Agentur für Luft- und Raumfahrt der Forschungsförderungsgesellschaft abgewickelt wird.

Hier darf man sich auch wissenschaftlichen Lorbeer abholen. Im Rahmen der vor neun Jahren gestarteten Esa-Mission "Cluster" zur Erforschung des magnetischen Schutzschildes der Erde sei jüngst die tausendste wissenschaftliche Publikation erschienen. Unter den zehn Forschern mit den meisten Artikeln befinden sich vier Mitarbeiter des Instituts für Weltraumforschung.

Dessen Leiter, Wolfgang Baumjohann, konnte sich mit den Plänen der Nasa, wieder auf den Erdtrabanten zu fliegen, nicht wirklich anfreunden. Da gäbe es deutlich spannendere Monde im All - wissenschaftlich betrachtet. Wenn schon bemannte Raumfahrt zu fremden Planeten, sei der Mars die interessanteste Vision. Dem konnte auch Franz Viehböck, 1991 Mitglied der Besatzung, die zur Raumstation Mir flog, einiges abgewinnen. Und klang in seinen Worten ganz so wie die "Apollo 11"-Helden Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins, die tags zuvor den bemannten Flug zum Mars forderten.

Die USA würden einen Schub benötigen, denn das Land sei in vielen Bereichen stark ins Hintertreffen geraten. Viehböck nannte als Beispiele die Elektronik und die Automobilindustrie.

Schließlich betrat noch einmal österreichische Prominenz die Bühne. Die in dem heimischen Medienlandschaft allgegenwärtige Astrologin Gerda Rogers durfte erzählen, wie sie einst die Mondlandung erlebte. Sie war in der Wüste in Algerien, selbstverständlich ohne Fernsehgerät. Aber in einem nahegelegenen Dorf hätten viele Menschen das Gelingen der "Apollon 11"-Mission gefeiert, weshalb sie selbst dort von Neil Armstrongs ersten Schritten erfuhr.

Ihre Beziehung zum Erdtrabanten ist von "Erfahrung" geprägt, der Mensch werde in seinem Leben und in seinen Gefühlen vom Mond beeinflusst, das stehe für sie fest. All die langweilig-skeptischen Wissenschafter, die genau das Gegenteil bewiesen, nehme sie nicht so ernst. "Ich weiß ja, dass die Astrologie funktioniert."

Die österreichische Forschungsszene amüsierte sich himmlisch. Rogers Worte waren die letzten auf der Bühne. (Peter Illetschko/DER STANDARD, Printausgabe, 22.07.2009)

  • Mond-Anhängerin Gerda Rogers fliegt auf die Bühne, vorbei an einer Mondfahrerpuppe. Nach der Veranstaltung wurde Astronautennahrung geboten.
    foto: standard/corn

    Mond-Anhängerin Gerda Rogers fliegt auf die Bühne, vorbei an einer Mondfahrerpuppe. Nach der Veranstaltung wurde Astronautennahrung geboten.

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