Rezension

Schund ist keine Schande

21. Juli 2009, 18:08
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    foto: standard/newald

    Es war der Abend des Christoph Waltz. DER STANDARD, derStandard.at und Universal Pictures hatten zur Vorabpremiere von "Inglourious Basterds" geladen, wo der Hauptdarsteller stürmisch gefeiert wurde. Im Gespräch mit STANDARD-Kulturchefin Andrea Schurian gab Waltz den Applaus an Regisseur Quentin Tarantino weiter. Er sei auf seine Rolle stolz, aber "es ist unmöglich, aus einem Tarantino-Film einen Waltz-Film zu machen". Mehr Bilder in Newalds Photoblog.

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    foto: universal pictures

    Ein Bösewicht, der seine Opfer in allen Sprachen quält: SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz, re.) labt sich in "Inglourious Basterds" an der Angst des Bauern Denis Menochet (Pierre Lapadite).

     

Mit Kolportage und Pulp-Komik Geschichte anders erzählen: Filme wie "Inglourious Basterds" gewinnen aus populären Formaten neue Energien

Wien - Zuchthäusler und Schurken auf Selbstmordkommando anstatt moralisch gefestigter Charaktere mit hehren Motiven; No-Nonsense-Aktionen mit griffigen Onelinern anstatt der Ausmalung heroischen Opfermuts: Als wichtiger Urtypus eines veränderten Zugangs zum Zweiten Weltkrieg im Kino kann Richard Aldrichs Das dreckige Dutzend (1967) gelten, ein Film, der den Krieg nicht mehr als Folie ehrwürdiger politischer Auseinandersetzungen und Überzeugungen verwenden mochte.

Ohne ihn wäre wohl auch The Inglorious Bastards nie entstanden. Der Italiener Enzo G. Castellari schloss mit seinem B-Movie an ein actiongeladenes Subgenre an, das sein Publikum mit grellen Effekten bediente und 1978 längst zum Erfolgsformat geworden war. Eine anarchische Gruppe - unter ihnen der Blaxploitation-Star Fred Williamson - agiert zwischen allen Fronten und militärischen Rängen. Ihre einzige Maxime lautet, heil aus diesem Krieg herauszugelangen. Kleinere Abschweifungen wie ein Bad mit nackten Wehrmachthelferinnen inklusive.

Quentin Tarantinos Inglourious Basterds ist kein Remake dieses Films, dessen Stunts und Schlachtenchoreografie sympathisch ungelenk erscheinen - dafür bürgt schon die spitzfindige Falschschreibung des Titels. Wie schon in seinen früheren Filmen bedient sich der US-Filmconnaisseur und -regisseur auch hier eines Pulp-Formats, das keinem Kanon des Qualitätskinos angehört, um es zu würdigen und gleichzeitig einer neuen Lesart zu unterziehen.

Welche Energien setzt ein solcher Zugriff auf den Trash frei - zumal, wenn es um heikle historische Realitäten geht? Tarantino begreift das Kino als große Wunscherfüllungsmaschine, die sich um keine historische Tatsachen schert. Geschichte wird hier vielmehr torpediert und umgeschrieben, da sie im Kino ohnehin meist nur noch als Klischee erscheint. Eine großartige Rache- und Rehabilitationsfantasie, die durch das Kino - von filmischen Zitaten bis zum konkreten Raum - hindurchführt, um es als Draufgabe gleich auch noch von seinem Sündenfall als Propagandainstrument zu heilen.

Ein koscherer Porno

Die Basterds sind bei Tarantino keine Gefangenen mehr, sondern Mitglieder einer jüdischen Spezialeinheit der US-Armee. Ihre Aufgabe ist pure Passion. Sie jagen Nazis, um ihnen den Skalp abzuziehen oder ein Hakenkreuz in die Stirn zu kratzen. Hostel-Regisseur Eli Roth spielt Donny, den Bear-Jew, eine Golem-ähnliche Gestalt, die den Nazis einen eigenen Mythos entgegenhält. In Cannes bezeichnete Roth den Film freimütig als "kosher porn" - etwas, wovon er schon als Kind geträumt habe.

Doch das Ausagieren von Sehnsüchten mittels Gewalt spielt in Inglourious Basterds keineswegs die bedeutendste Rolle. Wo Death Proof eine Hymne auf die Bewegung war, handelt der neue Film zuallererst von Sprache. Tarantino hat darauf insistiert, über einen möglichst bunt gemischten Cast zu verfügen. Das Sprachwirrwarr bietet nun nicht nur Grundlage für einige der besten Gags des Films. Mit dem SS-Oberst Hans Landa, den der Österreicher Christoph Waltz als genießerischen Sadisten spielt, der seine Opfer mit Worten narkotisiert, ist auch die zentrale (Bösewicht-)Figur ein Sprachvirtuose.

Schon Paul Verhoevens Zweiter-Weltkriegs-Drama Black Book (2006) hat bewiesen, dass sich eine seriöse Auseinandersetzung mit der Vergangenheit durchaus auch mit den Mitteln des Exploitation-Kinos bewerkstelligen lässt. Eine Jüdin im Widerstand, die während der Okkupation Nazis ausspioniert und sich dabei in einen SS-Mann verliebt, diese wahre Geschichte wurde hier mit jeder Menge Action, romantischer Emphase und inszenatorischer Verve umgesetzt. Verblüffend blieb daran, wie viel mehr Zwischentöne dies gegenüber Filmen wie Der Untergang generiert, die sich für eine konventionelle Form der Geschichtsdarstellung entscheiden.

Bei Tarantino heißt die zentrale Aktion, die mit herrlicher Verzögerungstaktik verwirklicht wird, dann auch nicht umsonst "Operation Kino" : Geschichte wird hier endlich wieder zum Möglichkeitsraum - und alle Möglichkeiten kommen für einen entscheidenden Augenblick lang in einem Lichtspielhaus in Paris zum explosiven Stillstand. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 7. 2009)

Ab 21. 8. im Kino

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 142
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Michael Monikowski
 
00
8.12.2009, 12:33
Wirklich ein Schund...

Schund und Schande zugleich...
It is movies like this one that made me write this text:
http://www.monio.info/2009/12/0... z-english/

Cheers!!!

Hr. Vorragend
00
15.9.2009, 15:03

In der Bildunterschrift hat sich ein Fehler eingeschlichen. Der Bauer heißt Pierre Lapadite und wird von Denis Menochet gespielt, nicht umgekehrt.

Buxo_1871
02
23.8.2009, 09:02
Geteilter Meinung

War bereits am Donnerstag in der Vorpremiere und muss sagen, dass es zwar schön ist, den Film vor vielen anderen gesehen zu haben, aber dennoch wäre ich im nachhinen nicht böse gewesen den Streifen nicht im Kino gesehen zu haben. Die 9,50 Euro wären in drei Bier genauso gut angelegt gewesen.

Ich halte den Film nicht für schlecht. Aber einige Dinge wirken dennoch nicht ganz rund. Erstens fällt Tarantino offenbar nichts neues originelles mehr ein. Ein paar Dinge wirken schon fast klischeehaft tarantinomäßig. Dann ist der Film nicht trashig genug um kultig zu wirken, weil der pseudorealistische historische Rahmen den Zuschauer immer wieder den Kontext deuten lässt. Was letztlich auch stört ist die mangelnde Differenzierung.

Buxo_1871
02
23.8.2009, 09:17

Mangelnde Differenzierung zwischen Nazis und Soldaten der Wehrmacht. Was ebenfalls befremdlich wirkt ist, dass Hitler und Goebbels fast zeichentrickhaft als Witzfiguren dargestellt werden. Im Kern vermutlich richtig, aber dennoch störend. Zugegeben, an Trashigkeit waren beide nicht zu überbieten. Der Schluss gibt einige Rätsel auf: Warum lässt sich Landa, das Super-Hirn des Filmes im Wald von Raine so plump vorführen?

Der Film zeichnet sich mEn durch großteils genial gezeichnete und gut gespielte Charaktere aus, bis auf Pitt, der war eindeutig zu wässrig. Waltz hat hingegen eine kolossale Nummer abgezogen. Das Szenenbild und vor allem der tarantinomäßige Schnitt sind ebenfalls wie immer ausgezeichnet gewesen.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Landa läßt sich nicht von Raine vorführen,

sondern er ist auf seinen eigenen Überschmäh reingefallen.

SO ist das!!

michael jordan
11
22.8.2009, 21:32

Hab mir den Film heute angesehen und muss sagen, dass er meine ohnehin schon hohe Erwartungshaltung noch übertroffen hat. Einfach nur unglaublich großartiges Kino.

mostbirn
51
23.7.2009, 07:39
Unsympathler

Christoph Waltz hat den Vorteil, dass er den arroganten Unsympathler nicht spielen muss.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Waltz wirkte z. B. im "Frühstück bei mir" auf Ö3 wesentlich sympathischer als Stöckl.

Noja, ist nicht soo schwer, geb ich zu.

Filmliebhaberin
12
28.7.2009, 08:38
Ihr Nick passt perfekt!

Bei so einem Posting kann ich nur sagen:
Ihr Nick passt perfekt!

antonowitsch
01
23.7.2009, 06:41
Robert Aldrich

hieß der eigentlich.

Ston3at
22
22.7.2009, 16:58

Immer nur schön draufhauen =)
Wenn ihr nur 1/10 soviel Spaß am Film habts wie Tarantino bei den Dreharbeiten, dann wird er euch gefallen, falls nicht wirds Tarantino wsl. auch wurscht sein ;)

Theodor Schule
10
22.7.2009, 15:21
Na geh, Herr Kamalzdeh... wo bleibt die Filmkritik?

IB ist gut gelungen.
Die erste Szene ist an Spannung kaum zu überbieten, schon lange nicht mehr so gebannt gewesen. Gewalt ist übermäßig vorhanden, allerdings kaum als komischer Selbstzweck, die obligaten Kicherer waren extrem spärlich. Pitts Rolle und Performance sind ebenso daneben wie die "Briten" (Fassbender totale Fehlbesetzung). Waltz mit extrem dankbarer Rolle die er freilich großartig ausfüllt. August Diehl als SS-Mann ist der neue Chris Walken.
Allein das Sprachgewirr macht diesen Film sehens- und vor allem hörenswert.

Sie waren doch sicher gestern Abend im Gartenbau und dann schwurbeln Sie so am Film vorbei?
Mit Fehlern?
Der Name des Bauern ist Lapadite, nicht Menochet. Und Roths Charakter ist keineswegs Golem-ähnlich...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Der Bear Jew

wird im Dialog zwischen Hitler und Goebbels als Golem bezeichnet!! Nämlich, daß es "den Juden" gelungen sei, nun tatasächlich einen solchen zu schaffen als Retter in der Not, sei ein Gerücht unter Landsern.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Pitt spielt eine erstklassige Karikatur

eines mittelwestlichen Hillbilly, der für einen Moment der Geschichte glaubt, die große weite Welt beherrschen zu können.

stuntman cameron
10
23.7.2009, 12:34

Ihre Sager über die schauspielerischen Leistungen sind so lau wie Mineralwasser in der Sonne.
Bleiben sie bei RTL Produktionen-das ist Ihre Welt.

die_eidechse
 
00
22.7.2009, 17:37

was ist denn "schwurbeln"? noch nie gehört...

Theodor Schule
11
22.7.2009, 18:57
Aus dem Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene des Printjournalismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschwurbel

In Standard-Filmrezensionen ziemlich selten, in Musik- und Konzertkritiken (ja, genau DEN mein ich)aber oft anzutreffende inhaltsleere Texte, die sich weniger mit dem Objekt der Kritik beschäftigen als viel mehr dem Kritiker eine Projektionsfläche für eigene Befindlichkeiten bieten.

Wenn Sie eine "Kritik" lesen, nachher nichts über den Film/das Konzert aber sehr viel über das Leben des Regisseurs, die Rolle des Films/Konzertes in seinem Oeuvre wissen und den Eindruck haben, der Rezensent war bei einer anderen Veranstaltung - DAS ist Geschwurbel :)

die_eidechse
 
100
23.7.2009, 09:17
wikipedia akzeptiere ich nicht als quelle. was anderes vielleicht?

Theodor Schule
02
23.7.2009, 11:42

Sie können mich moscherln.
Und das schauns' jetzt selber nach.

die_eidechse
 
90
23.7.2009, 14:03

http://de.wikipedia.org/wiki/Moscherln

seite gibts net. darum darfs laut ihrer wikipedia-hörigen logik das wort auch nicht geben.

überigens wüsst ich nicht, was bei der aussage "wikipedia akzeptiere ich nicht als quelle" leute zu roten stricherl verleiht. genau deshalb ist wikipedia ja schund, weil die leute dadurch denken verlernen.

thomas P
 
03
15.8.2009, 09:40
klugschei**er

es geht bei wikipedia nicht um 1000% wahrheit im humanistischen sinn sondern um sprachvereinheitlichung! was hat der autor mit "geschwurbel" gemeint?= steht genau dort in dem wikipedia link ! das hat er gemeint und darum gehts bei wikipedia!

denken sie sich einfach zu jeder definition die sie bei wikipedia lesen : diese definition spiegelt vorallem den zeitgeist wieder und hat keinen anspruch auf wahrheit!

das denken kann man nur verlernen wen man es überhaupt schon mal gekonnt hat ! ihre aussage spiegelt ihr eigenes unvermögen wieder informationen zu filter/selektieren und in relation zueinander stellen zu können !

nicht von sich selbst auf andere schliessen kann ich hier nur raten und deswegen bekommen sie rote stricherln....



die_eidechse
 
10
17.8.2009, 09:06
bei wikipedia gehts um geschwurbel? ja, den eindruck hab ich auch...

wahrheit und zeitgeist? äpfel und birnen? mein gott...sie armer tropf...

thomas P
 
01
17.8.2009, 10:13
naja

bezgl zeitgeist & wahrheit und äpfel und brinen kann ich ihnen folgendes empfehlen :

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_... _der_Dinge

das sollte jemandem mit ihren ansprüchen ja eigentlich bekannt sein , falls nicht ist es höchste zeit sich da mal einzulesen !

falls das aber zu kompliziert ist und selbst nach eingehender lektüre noch immer nicht klar worum es bei wahrheit und anspruch auf dieselbige geht dann dürfen sie ruhig hier weiterposten.....oder besser sich die allgemein gültig wahrheit am sonntag in der kirche verkünden lassen ....dort brauchen se dann auch kein wikipedia





die_eidechse
 
10
17.8.2009, 10:33

na toll. völlig zusammenhanglos. können sie eigentlich einen einzigen klaren gedanken fassen?

thomas P
 
10
17.8.2009, 13:50
2.

das bedeutet : falls jemand einewiki information als absolute wahrheit behandelt und darauf basierend massnahmen/aktionen/taten setzt dann da gebe ich ihnen recht denkt er nicht sondern schreibt ab ! der eigentliche prozess der aber in realität abläuft ist genauso wie bereits beschrieben und in dem forum zu dem artikel schön sichtbar.

die information "geschwurbel" ist nur teil eines "werkes"(=der artikel) die definition dieses begriffes steht schön formuliert in wiki und die poster nehmen diese information und verarbeiten diese in einem denkprpozess zu einem neuen "werk" der gegenargumentation!
es ist also völlig belanglos inwieweit wiki "stimmt" oder nbicht sondern es geht darum was daraus gemacht wird !
deswegen die roten stricherln..

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