Französischer Schmähtandler

21. Juli 2009, 17:24
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Von der liebevoll kritischen Annäherung der Nationen verspricht sich jetzt auch die ARD etwas und schickt einen ungewaschenen Franzosen mit Zahnlücke hinaus auf die Straßen der Bundesrepublik

Auf Basis der deutsch-französischen Freundschaft lassen sich, denkt man an Harald-Schmidts fabelhaften Manchmal-Gast Nathalie Licard (yeah!), doch ziemlich komische kulturgeschichtliche Erörterungen betreiben. Selbst der tendenziell witzfreie Sender Arte schafft in seinen Karambolage-Beiträgen einschlägige Pointen, wenn es sich etwa um der lieben Deutschen Klopapierhut handelt.

Von der liebevoll kritischen Annäherung der Nationen verspricht sich jetzt auch die ARD etwas und schickt einen ungewaschenen Franzosen mit Zahnlücke hinaus auf die Straßen der Bundesrepublik.

Alfons' wichtigstes Attribut ist dabei ein an Omas Wisch-mopp gemahnendes Riesenmikrofon im Kunstpelz, mit dem er sich durch die Studiomoderation wie seine Reportagen fuchtelt. Man nennt das alles Puschel TV und will sämtliche, sich nach Heiterkeit sehnende Nachmitternachtszuseher adressieren.

Die Einstiegswitze waren allerdings ermüdend. Und auch die extraordinaire gummihaft gedehnten, franko-deutschen Sätze gingen mit dem entschlossenen Schlafzimmerblick des Frontmannes eine recht lethargische Verbindung ein. Die Passantenbefragung wirkte dann ziemlich hausgemacht ("Was fördert das Wachstum von Moos? - Gute Zinsen."). Und so wartete man auf die verheißungsvollen Themen der Alfons'schen Deutschlandentdeckung: ein Praktikum beim Pferdezahnarzt in Ostrfriedsland sowie ein Besuch in einer Kleingartensiedlung in Lüneburg.

Beides riecht nach Hyperkurios - sage nur: die Vereinsstatuten den Gemüse- und Zierpflanzenanbau betreffend. Doch dann war alles nur Komik auf Kommando und fiel schlagartig in sich zusammen. Weniger lustige Attitüde, bitte! (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgbe, 22.7.2009)

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    foto: ard/puschel tv
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