Parteien als die schlechten Unternehmer

21. Juli 2009, 17:18
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Wären Parteien wie erfolgreiche Unternehmen aufgestellt, würden sie womöglich erfolgreichere Politik machen - aber das sind sie nicht

Linz - Müssten sich die österreichischen Parteien auf einem kommerziell orientierten Markt bewähren - sie wären ziemlich schlecht aufgestellt. Das geht aus einer Umfrage des Linzer Market-Instituts für den Standard hervor. Dabei wurden 20 für Unternehmen und politische Parteien wichtige Eigenschaften abgefragt - die Tabelle rechts gibt eine Übersicht darüber.

Market-Chef Werner Beutelmeyer sieht ein "feines Gespür der Menschen dafür, was Unternehmer erfolgreich macht" - auf einer fünfstufigen Skala von sehr wichtig bis völlig unwichtig geben 95 Prozent die Note eins (und die restlichen fünf Prozent die Note zwei) für die Motivation der Mitarbeiter.

Ganz anders bei der Politik. Market fragte: "Wenn Sie diese Eigenschaften jetzt von Unternehmen auf Parteien umlegen: Wie wichtig sind diese Eigenschaften für eine politische Partei?" Hier geben nur 63 Prozent an, dass motivierte Funktionäre "sehr wichtig" sind, 29 Prozent gaben die Note zwei.

Glaubwürdigkeit als Kapital

Während nur 64 Prozent (plus 29 Prozent mit der Note zwei) die Glaubwürdigkeit von Unternehmen als wichtigen Erfolgsfaktor betonen, ist in der Politik Glaubwürdigkeit der wichtigste Erfolgsfaktor.

Das Wissen darum, wofür die Partei steht, und die aktive Führungsmannschaft sind mit jeweils 77 Prozent die zweitwichtigsten Parteieigenschaften.

Bei Unternehmen wird beides nicht ganz so wichtig genommen. Da gelten gut geschulte Mitarbeiter als wesentlich wichtiger.

Gute Werbung wird sowohl bei Unternehmen als auch bei Parteien unter "ferner liefen" gereiht - viel wichtiger ist, dass es jemanden gibt, der bei Fehlern Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Das wird von Parteien noch stärker erwartet als bei Unternehmen.

Über Geld redet man nicht - vor allem nicht in der Politik: Das erklärt, warum bei Unternehmen gerade nur jeder zweite Befragte, bei politischen Parteien nicht einmal jeder dritte Befragte eine gesicherte finanzielle Basis als "sehr wichtig" betrachtet.

Bei Parteien als gut doppelt so wichtig und bei Unternehmen mindestens als gleich wichtig wie die Finanzen gilt, dass man nicht in Skandale verwickelt sein darf. Und im Notfall muss es personellen Ersatz geben. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2009)

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  • Müssten sich die österreichischen Parteien auf einem kommerziell
orientierten Markt bewähren - sie wären ziemlich schlecht aufgestellt.
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    Müssten sich die österreichischen Parteien auf einem kommerziell orientierten Markt bewähren - sie wären ziemlich schlecht aufgestellt.

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