Rakhat Aliew nennt Ross und Reiter im kasachischen Geheimdienstmilieu in Österreich
Wien - Das Problem mit Rakhat Aliew ist, dass er einfach zu viel weiß. Die kasachischen Agenten stellen ihm deshalb nach, und weil der frühere Vizeaußenminister, stellvertretende Geheimdienstchef und Leiter der Finanzpolizei seines Landes so gern nach Wien kam, Politik und Geschäfte verband und zuletzt hier als Botschafter hängenblieb, hat Österreich nun seinen Spitzel-Untersuchungsausschuss.
Der heute 46-jährige Aliew hat viel in seinen Schubladen und einiges davon auch in seinem im Frühjahr erschienen Memoiren The Godfather-in-Law präsentiert: Die Geheimdienstakte des heutigen kasachischen OSZE-Botschafters Kairat Abdrakhmanow etwa, der in der neuen Vertretung in der Wipplinger Straße gleich gegenüber der Wiener Börse residiert und beim sowjetischen KGB 1986 unter dem Decknamen "Danko" geführt worden war.
Auf seinem Internetblog listete Aliew letzte Woche auch die angeblichen Mitglieder des kasachischen Auslandsgeheimdienstes "Barlau" in Europa auf. Österreich hat drei namentliche Einträge: Einer der Herren hört auch auf den Decknamen "Fox" und arbeitet demnach bei der Internationalen Atomenenergiebehörde IAEO in der Uno-City; ein anderer wird als "Hector" geführt und scheint in der Mitarbeiterliste der bilateralen kasachischen Botschaft im 19. Bezirk im Rang eines Botschaftsrats auf, aber auch als Berater für die UN-Vertretung Kasachstans in Wien. Der dritte soll der Kontaktoffizier des "Barlau" in Wien sein - "seit Mai 2008", wie Aliew präzisiert.
Jene Gefolgsleute Aliews, die sich in Sicherheit bringen konnten, berichteten von systematischen Gefälligkeitszahlungen Kasachstans an Politiker, Journalisten und Wirtschaftsleute. "Wir haben von allen Personen, deren Urteil wichtig für die Öffentlichkeit im Westen ist und die beeinflussbar sind, Akten angelegt", sagte ein früherer Botschaftsangehöriger in Europa dem Standard. (mab, DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2009)