Bassisten-Großmeister in der Festspielstadt: Ron Carter

21. Juli 2009, 16:11
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Auf 2500 Alben ist Ron Carters Bass zu hören - und bei der Jazzgala zur Festspieleröffnung im Salzburger Congress

In Salzburg war Ron Carter schon in den letzten Jahren im Rahmen des Jazzherbsts mit teilweise denkwürdigen Konzerten zu Gast, nach Salzburg kehrte der 72-jährige Bassisten-Großmeister am Mittwoch aus Anlass der Jazzgala zur Festspieleröffnung zurück. Nicht nur deshalb ist ihm die Stadt längst vertraut. Mozarts Klarinettenquintett hat er bereits als Jugendlicher gespielt: als Cellist, als der er in seiner Schulzeit in Detroit, später als Student an der Eastman School of Music, eine klassische Musikerkarriere ansteuerte.

Als Afroamerikaner in einem Symphonieorchester unterzukommen war in diesen Jahren noch Utopie: Also wechselte Carter zum Kontrabass, übersiedelte 1959 nach New York und machte dort alsbald in der Jazzszene von sich reden: durch Einspielungen mit Eric Dolphy, vor allem aber durch sein fünf Jahre währendes Engagement im sogenannten zweiten Miles-Davis-Quintett. "Jeder Abend mit Miles war ein Abenteuer. Es gab keine schlechten Konzerte" , resümiert Carter die Jahre von 1963 bis 1968. Nein, es stimme nicht, dass er durch seine Weigerung, elektrischen Bass zu spielen, das Ende jener Formation mitverursacht habe, wie Davis in seiner Autobiografie suggeriert. "Ich hatte eine Frau und zwei Söhne, und ich wollte sie aufwachsen sehen. Also beschloss ich, nicht mehr so viel zu reisen" , so Carter.

Unterwegs ist er dennoch stets gewesen, hat auf unzähligen Hochzeiten getanzt. Auf 2500 Alben ist Ron Carters Bass zu hören, einer der bemerkenswertesten Termine war dabei das Gastspiel auf dem HipHop-Markstein The Low End Theory von A Tribe Called Quest im Jahr 1991.

"Sie hatten schon zuvor Material von meinen CTI-Aufnahmen aus den 70er-Jahren gesampelt. Es war schön, als mich Q-Tip anrief und sagte, er wolle für eine Nummer gerne meinen Bass live dabeihaben" , erinnert sich Carter, der als einer der wenigen seines Fachs auch als Leader Akzente setzen konnte.

Mit seiner Formation lässt er die Musik gerne ohne Unterbrechung fließen, verbindet die einzelnen Piecen zu klingenden Bildfolgen - "wie in einem Buch, in dem die Seiten umgeblättert werden, ohne dadurch die Geschichte zu unterbrechen" . (felb/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 7. 2009)

>> 22. 7., Congress, 5020 Salzburg, Karten: 01/504 85 00, www.viennaentertainment.com. 19.30

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    foto: jazzherbst
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