5000. Passivhaus in Österreich

  • Eröffneten das 5000. Passivhaus Österreichs: Fritz Oettl von der IG Passivhaus, Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Architekt Werner Hackermüller (v.l.).
    foto: rk/votava

    Eröffneten das 5000. Passivhaus Österreichs: Fritz Oettl von der IG Passivhaus, Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und Architekt Werner Hackermüller (v.l.).

Die Stadt Wien will den Anteil der passiv gebauten Häuser auf 24 Prozent erhöhen

Wien - Zehn Minuten Fußmarsch bis zur nächsten Straßenbahnstation, von dort drei Haltestellen bis zur U1 Reumannplatz: Besonders verkehrsgünstig liegt das neue Mehrfamilienpassivhaus in Wien-Favoriten ja nicht. Ein Gutteil der Bewohner wird wohl regelmäßig mit dem Auto fahren - und kann trotzdem einen passablen ökologischen Fußabdruck vorweisen. Denn laut Bauträger spart das Passivhaus im Vergleich zu einem Niedrigenergiehaus 75 Tonnen CO2. "Damit könnte man in etwa mit einem PKW 12-mal um die Welt fahren", sagt Karl-Heinz Stadler, Chef des Bauträgers NEUES LEBEN Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgen.m.b.H. Der von der Stadt geförderte zehn Millionen Euro teure Bau in Wien-Favoriten mit 78 Wohnungen ist das 5000. Passivhaus Österreichs.

Das erste Haus des Landes mit wärmebrückenfreier Dämmung und ausgefinkeltem Belüftungssystem wurde am anderen Ende Österreichs - in Vorarlberg - gebaut. Von dort wird demnächst auch das 5001. Passivhaus verschickt: Das Österreich-Haus für die Olympischen Winterspiele in Vancouver. "Wir haben nun 20 Jahre Entwicklung in der Passivbauweise hinter uns", sagt Fritz Oettl, stellvertretender Vorsitzender der IG Passivhaus, "haben viele Fehler entdeckt und vieles verbessert." Österreichweit hatte die Passivhausbauweise 2008 einen Anteil von 6 Prozent, in Wien strebt man laut Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SP) heuer 24 Prozent an.

"Anfangs als Verrückte abgetan"

Noch fleißigere Passivhausbauer sind europaweit nur die Deutschen. In Frankfurt kündigte die Stadtverwaltung kürzlich sogar an, öffentliche Gebäude künftig ausschließlich in Passivbauweise errichten zu lassen. "Das könnte man sich schon auch für Wien anschauen", sagt Oettl. Inzwischen sei es in Österreich aber immerhin gelungen, die wesentlichen Proponenten der Politik auf das Passivhaus aufmerksam zu machen. "Anfangs wurden wir ja als Verrückte abgetan, jetzt sieht es so aus, als würde die Politik drauf aufspringen."

In Wien haben sich SPÖ und Grüne bereits vor Jahren zu einem gemeinsamen Passivhausprojekt namens "Eurogate" durchgerungen. Auf den Aspanggründen im 3. Bezirk soll Europas größter Wohnkomplex in Passivbauweise entstehen. Die Pläne dafür liegen schon länger in der Lade, ab Herbst soll zwischen Gürtel und Rennweg nun aber wirklich gebaut werden.

Bis 2016 sind dort 1700 Wohnungen geplant. Das neue Wohngebiet ist zwar wesentlich zentrumsnäher gelegen als das 5000. Passivhaus in Favoriten, besonders gute Verkehrsanschlüsse weist aber auch "Eurogate" nicht auf: Vorerst ist man dort auf Schnellbahn und Bim angewiesen, ab 2019 soll dann aber im Zuge der Verlängerung Richtung Süden die U2 in der Nähe halten. (Martina Stemmer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.7.2009)

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