Finanzkrise sorgt für Run auf Zinshäuser

21. Juli 2009, 15:11
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Die Preise zogen seit Jahresbeginn deutlich an, gefragt sind vor allem voll entwickelte Objekte in guten Lagen

Die Wirtschaftskrise erweist sich als mächtiger Motor für den Zinshausmarkt. Während sich der von institutionellen Investoren dominierte Bereich der großen gewerblichen Immobilieninvestitionen mit Volumina von zumindest 20 Millionen Euro pro Objekt erst allmählich erholt und erst in der zweiten Jahreshälfte mit einem starken Anstieg des Transaktionsvolumens zu rechnen ist, ist der Markt für Zinshäuser bereits im ersten Halbjahr voll angesprungen. "In den ersten sechs Monaten haben wir im Jahresvergleich wesentlich mehr Nachfrage nach Zinshäusern registriert, und das von uns abgewickelte Transaktionsvolumen ist daher auch deutlich gestiegen", erklärt Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting, in einer Aussendung.

Insgesamt vermittelte die EHL Investment Consulting - eine Tochter des Immobiliendienstleisters EHL Immobilien, der seinerseits durch ein Management-Buyout aus der CPB Immobilientreuhand hervorgegangen ist - im ersten Halbjahr 2009 Zinshaustransaktionen mit einem Gesamtwert von ca. 170 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen des klassischen Wiener Zinshausmarktes sei den Angaben zufolge in diesem Zeitraum bei knapp unter 300 Millionen Euro gelegen. Inklusive so genannter "Share deals" (Erwerb ganzer Immobilienbesitzgesellschaften) dürften Zinshäuser im Wert von bis zu einer halben Milliarde Euro den Eigentümer gewechselt haben, schätzt Pöltl.

Wohnobjekte als "Inbegriff von Sicherheit"

Motor dieser Entwicklung ist ausgerechnet die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise. "Wohnimmobilien sind für viele Privatanleger geradezu der Inbegriff von Sicherheit, und das ist derzeit das mit Abstand wichtigste Kriterium bei den Investitionsentscheidungen privater Investoren", so Pöltl. Wohnimmobilien seien damit "zu einer Art Ersatzwährung für Geldanleger geworden".

Die sehr niedrigen Zinsen auf dem Geld- und dem Anleihemarkt tragen ebenfalls dazu bei, dass es geradezu einen Run auf das klassische Wiener Zinshaus gibt. "Wir haben mittlerweile einen echten Anbietermarkt", erklärt Pöltl. "Zwar strukturieren einige institutionelle Immobilieninvestoren ihre Portfolios neu und verkaufen Zinshäuser, doch wird dieses Angebot von der Nachfrage deutlich überstiegen." Besonders stark ist das Käuferinteresse vor allem für Objekte in guten Lagen, geradezu explodiert ist die Nachfrage nach erstklassigen Zinshäusern im 1. Bezirk.

Preise steigen

Die starke Nachfrage lässt inzwischen auch die Preise steigen. Die Renditen sind seit dem zweiten Halbjahr 2008 im Durchschnitt um rund 0,5 Prozentpunkte gefallen, was einem Preisanstieg um rund zehn Prozent entspricht. Überdurchschnittlich stark haben dabei in erster Linie die Preise für Objekte in sehr guten Lagen angezogen, weitgehend unverändert geblieben seien hingegen die Preise für Zinshäuser in unattraktiven Lagen in Randbezirken ohne gute Verkehrsanbindung. Besonders gesucht sind derzeit Zinshäuser in gutem baulichem Zustand ohne weiteren Ausbaubedarf.

Tendenziell werden die Zinshauspreise auch im 2. Halbjahr 2009 weiter steigen, erwartet man bei EHL Immobilien. "Bei unveränderter Wirtschaftslage dürfte der Anstieg moderat ausfallen. Mit einer markanten Preiserhöhung ist aber dann zu rechnen, wenn die von vielen Investoren befürchteten inflationären Tendenzen tatsächlich eintreten", so Pöltl. (red)

  • Die starke Nachfrage nach Zinshäusern lässt inzwischen auch die Preise steigen.
    foto: derstandard.at

    Die starke Nachfrage nach Zinshäusern lässt inzwischen auch die Preise steigen.

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