Bausparer erwartet ein Zinsrutsch

21. Juli 2009, 19:11
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Bausparen wird nächstes Jahr weniger lukrativ, weil die Zinsen dem aktuellen Niedrigzinsniveau angepasst werden

Bausparen wird nächstes Jahr weniger lukrativ, weil die Zinsen dem aktuellen Niedrigzinsniveau angepasst werden. Bei den Darlehen werden mehr Kreditausfälle erwartet, die S-Bausparkasse erhöht daher die Risikovorsorge. 

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Wien - Der Trend beim Sparen geht weiter in Richtung Bausparer. Im ersten Halbjahr wurden bei der S-Bausparkasse 159.698 Bausparverträge neu eröffnet - das ist ein Zuwachs zur Vorjahresperiode um 12,8 Prozent. Heuer peilt die Bausparkasse der Sparkassen insgesamt 300.000 neue Verträge an, auch das Darlehensgeschäft soll auf Jahressicht über dem Vorjahr liegen, kündigte Generaldirektor Josef Schmidinger am Dienstag an.

Mit dem Jahreswechsel werden allerdings die Zinsen sinken - und zwar sowohl beim Sparen als auch bei den Krediten. Schmidinger rechnet bei der jährlichen Anpassung mit einem Zinsrutsch von rund zwei Prozentpunkten, auch die staatliche Prämie werde etwas sinken. Die bestehenden variabel verzinsten Bausparverträge werden zum Jahreswechsel auf etwa 1,3 Prozent Zinssatz angepasst. Bei den Darlehen mit variablem Zinssatz werde von derzeit 5,5 auf 3,5 Prozent zurückgegangen. Bei den Produkten mit fixer Zinsvereinbarung ändere sich nichts, "fix bleibt fix", betonte Schmidinger.

Spekulationsverluste gebe es mangels Spekulationen bei der S-Bausparkasse keine. Dass so viel über internationale Investmentbanken finanziert werde, bezeichnet Schmidinger als "weltweites Angsthasensyndrom". Auch österreichische Unternehmen seien davon nicht verschont. Die S-Bausparkasse investiere das Geld nicht im Ausland und über teure Investmentbanken: "Wir haben keine Wertpapiere irgendwo in der Welt, das Geld wird in den österreichischen Wohnbau investiert".

Die durchschaubaren Finanzprodukte seines Instituts sieht Schmidinger als die "Gewinner der Krise". Anleger sollten immer wissen, welche Produkte sie kaufen und wo das Geld veranlagt wird, plädiert Schmidinger für eine "Ethik der Finanzwirtschaft".

Risikovorsorge wird erhöht 

Negative Auswirkungen der Krise erwartet Schmidinger allerdings bei den Bauspardarlehen: Die Ausfallsquote bei den Darlehenszahlungen im ersten Halbjahr sei zwar in etwa gleich hoch wie im Vorjahr, das Thema werde aber sicher im nächsten Jahr kommen.

Die steigende Arbeitslosigkeit werde zunächst durch das Sozialsystem abgefedert, erst bei anhaltender Arbeitslosigkeit drohen Kreditausfälle. Daher werde man heuer die Rückstellungen erhöhen. Die Risikovorsorge für die Kredite wird von derzeit einem halben Promille auf ein Promille erhöht.

Erstmals seit Unternehmensgründung betreut die S-Bausparkasse mehr als 1,5 Millionen Kunden. Per 30. Juni wurden 1.503.871 Bausparkonten und 143.414 Darlehenskonten gezählt. Der Bestand an Bauspareinlagen nahm um sechs Prozent auf 5,69 Mio. Euro zu. Der Ausleihungsbestand erreichte Ende Juni einen Wert von 6,63 Mio. Euro, was einer Steigerung von fast 300 Mio. Euro bzw. 4,6 Prozent im Jahresvergleich entspricht. (APA, bpf, DER STANDARD, Printausgabe, 22.7.2009)

  • Noch läuft das Geschäft der Bausparkassen mit Krediten für Eigenheime gut. Darlehensausfälle werden aber erwartet.
    foto: immo exit solutions

    Noch läuft das Geschäft der Bausparkassen mit Krediten für Eigenheime gut. Darlehensausfälle werden aber erwartet.

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