Die Sklavin des Präsidenten

21. Juli 2009, 13:15
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Ann Liv Young arbeitet in "The Bagwell in me" die amerikanische Geschichte auf

Aus dem Internet ertönt eine gruselig raue Frauenstimme: "Muaha ha ha ha! Welcome to my website." [Donner, Regengeräusch] "I am Ann Liv Young, demon master ..." Zu sehen sind ein Märchenschloss, Wolken, Einhörner, ein toter Hund, eine singende Frau plus Geschirrspüler. Hinter der Startseite befinden sich wenige Informationen über die Künstlerin und viele Versuche, Geld zu akquirieren.

Wir befinden uns in den USA mit ihrer makabren Geschichte aus Ureinwohnergenozid, Sklaverei, Rassismus und Atombomben. Die Choreografin Ann Liv Young wohnt in Brooklyn, New York. Von dort aus arbeitet sie in allen ihren Shows daran, das Monster an Amerika auf die Bühne zu schleifen: in all seiner Oberflächlichkeit, Bigotterie und Gewalttätigkeit.

Youngs Mutter, geborene Bagwell, stammt aus dem Süden der Vereinigten Staaten. Young entdeckte, dass die Bagwells Sklaven gehalten hatten. Mit ihrer jüngsten Performance The Bagwell in me arbeitet die Choreografin - der Schrecken der in ästhetischen Restriktionen und Political Correctness erstarrten New Yorker Tanzszene - diese Vergangenheit auf.

Zur Brust nimmt sie sich dabei den ersten US-Präsidenten, George Washington, der eine Affäre mit seiner schwarzen Sklavin Oney hatte, und seine Frau Martha. Weil im prüden Amerika offen dargestellter Sex immer noch pfui ist, nützt Young auch hier die Gelegenheit, eine richtige Hardcore-Show auf die Bühne zu bringen.

Eine Frau, die gar nicht der Norm des drahtigen Tänzerkörpers entspricht, und ein Mann schlüpfen in die Rollen des Ehepaars Washington und der Sklavin Oney - und ab geht die Post mit Gesang, Tanz und Dildosex. The Bagwell in me ist eine außer Rand und Band erscheinende Orgie in einer engen Umkleidenische, die die Geschmacklosigkeit der Gesellschaft, die sie abbildet, gnadenlos aufdeckt. (Helmut Ploebst/DER STANDARD, Printausgabe 21.07.2009)

 

"The Bagwell in me"
25. & 26. 7., Schauspielhaus, 21.00

  • Demon-Master Ann Liv Young, wie sie George Washington als miesen Sexsklavenhalter vorführt.
    foto: newman

    Demon-Master Ann Liv Young, wie sie George Washington als miesen Sexsklavenhalter vorführt.

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