Auszeiten sind für 86 Prozent "sehr wichtig"

3. August 2009, 10:10
5 Postings

Eine Karmasin-Studie befasste sich mit der Bedeutung von Auszeit, auch im Hinblick auf die Wirtschaftskrise

Welchen Stellenwert hat das Wechselspiel von Leistung und Entspannung in unserer Gesellschaft? Erlauben sich die Österreicherinnen und Österreicher in den wirtschaftlich turbulenten Zeiten überhaupt noch Auszeiten? Gerade in unserer Leistungsgesellschaft hat das bewusste Nehmen einer Auszeit mehr Bedeutung denn je und ist entscheidend für gesteigerte Lebensqualität und Leistungsfähigkeit.

Eine Studie der Karmasin Motivforschung im Auftrag von Nestlé Schöller liefert Ergebnisse zu Motiven, Barrieren und Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf das "Auszeit-Verhalten" der Bevölkerung im Alltag und Berufsleben.

Das Bedeutungsumfeld von Auszeit

Für 86 Prozent der Österreicher ist Auszeit sehr wichtig. Sich regelmäßig eine kurze Auszeit zu nehmen hat nach "innerer Zufriedenheit" den höchsten Stellenwert, noch vor einer befriedigenden Partnerschaft, einem aktiven Sozialleben, einem erfüllenden Beruf oder der Karriere.

"Im Umfeld anderer Lebensbereiche wird der hohe Stellenwert von Auszeit erkennbar: lediglich innere Zufriedenheit steht noch vor Auszeit, andere Bereiche wie Freizeit, aktives Sozialleben, Spaß im Beruf erschienen weniger relevant als Auszeit", erklärt Sophie Karmasin.

Mehrmals täglich

Ein Viertel der Befragten gönnt sich mehrmals täglich eine Auszeit, ein weiteres Viertel einmal täglich und 29 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche. "Als Resultat erleben die Befragten neue Energie und ausreichend Kraft, um die Anforderungen des Alltags und des Berufslebens mit neu aufgeladenen Batterien wieder meistern zu können", erklärt Karmasin. Eine Auszeiteinheit dauert durchschnittlich 64 Minuten, wobei Männer sich um acht Minuten mehr gönnen als Frauen. Für ein Drittel der Befragten bedeutet Auszeit Luxus.

Nach Farb-Assoziationen gefragt erhält nach der Umweltfarbe Grün die Farbe Blau die meisten Nennungen - eine Bestätigung für das geflügelte Wort "Blaumachen" als Synonym für kleine Alltagspausen.

Motive für Auszeit

Nach den Motiven gefragt: Neun von zehn Österreichern nehmen eine Auszeit um zu entspannen. Es verwundert nicht, dass laut der Umfrage eine Auszeit überwiegend positive Gefühle begleiten: Entspannung, Wohlbefinden, Ruhe und Krafttanken.

Aus der Untersuchung geht hervor, dass Herr und Frau Österreicher ihre Auszeit sehr unterschiedlich und abwechslungsreich gestalten: Der Bogen spannt sich von körperlichen Aktivitäten wie Sport und Spaziergängen über Medienkonsum (TV, Radio, Internet) bis hin zum Lesen, Nichtstun oder Faulenzen. Die kulinarische Komponente ist mit rund 24 Prozent auffällig stark und bestätigt die Verbindung von Auszeit und Genuss: Eis und Süßigkeiten stehen auf der Beliebtheitsskala ganz oben, bei den Getränken ist der Kaffee klar mit der Auszeit verknüpft.

Nach ihren Gewohnheiten befragt zeigen sich deutliche Unterschiede bei Frauen und Männern: Während Frauen öfter frische Luft tanken oder die Sonne genießen und einen Spaziergang machen, entspannen sich Männer häufiger beim Nichtstun, beim Fernsehen oder vor dem PC.

Barrieren für Auszeit

Insgesamt gelingt es den Befragten sehr gut, sich aus dem Alltag auszuklinken: Lediglich 13 Prozent der Befragten fällt es schwer, sich regelmäßig Auszeiten zu nehmen. Primär finden Auszeiten nachmittags und abends statt, ein Viertel der Befragten nimmt sich die wichtige Alltagspause zwischendurch, also zu keiner bestimmten Tageszeit. Für vier von zehn Österreichern ist der Zeitfaktor die größte Hürde für eine Auszeit - für Männer ist der Faktor Zeitmangel tendenziell eine größere Barriere als für Frauen. Immerhin ein Viertel der Befragten wird durch schlechtes Gewissen von einer Pause abgehalten. Einer der Gründe dafür ist, dass Kinder viel Aufmerksamkeit brauchen und v.a. bei Frauen kleine Pausen im Alltag nicht ermöglichen. Frauen verzichten aus diesem Grund häufiger auf eine Auszeit als Männer.

"Im Zuge der Untersuchung äußern viele Befragten auch Befürchtungen dahingehend, dass Auszeiten im Job wegfallen, weil man sich nicht mehr traut, regelmäßig Alltagspausen einzulegen", erklärt Karmasin, und ergänzt: "Damit macht die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise auch vor dem Auszeitverhalten der Österreicher und Österreicherinnen nicht Halt: Für drei von zehn Befragten ändert sich die Bedeutung von Auszeit in unserer aktuellen Zeit."

Gesundheitliche Aspekte

"Wir leben in einer Zeit, in der Stress zu haben fast schon zum guten Ton gehört. Täglich werden uns vielfältige Aktionen und Reaktionen abverlangt, dauernd müssen wir uns nach Zeitplänen richten, sind ständig in Eile und müssen effizient sein. Das Resultat ist, dass unser Körper mit innerer Unruhe, Konzentrationsschwächen, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen oder Resignation reagiert. Die Folgen sind oft hoher Blutdruck, Gefäßkrankheiten, Herzmuskelschwächen usw.", illustriert Roman F. Szeliga, Facharzt für Innere Medizin am Hanusch-Krankenhaus Wien, die Wichtigkeit von Auszeiten als gesundheitsförderndes Moment aus medizinischer Sicht.

"Vor einigen Jahren noch war das Burn-out-Syndrom auf Berufe mit helfender Tätigkeit reduziert. Heute findet man Burn-out in fast allen Berufen, sowie bei Arbeitslosen und auch im privaten Bereich als Folge langfristiger familiärer Belastung", weiß Szeliga.

Der Rat des Mediziners: Man müsse lernen mit Stress umzugehen und den immer mehr werdenden Dauerstress durch gezielte Entspannungsmöglichkeiten unterbrechen. Sehr wohl könne man bewusst Antistressoren wie Kreativität, Zärtlichkeit, Vertrautheit, Belohnungen oder Bewegung, einsetzen, um den Stress zu neutralisieren."(red,  derStandard.at, 3.8.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Für einen Großteil der Österreicher sind Auszeiten wichtig

Share if you care.