Nissan EV: Mit Begleitschutz in die Zukunft

21. Juli 2009, 11:02
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Der Antriebsstrang des Nissan EV-Prototyps entspricht jenem, der ab 2010 in Serie gehen soll und wurde von saubereAutos.at bereits jetzt getestet

Nissan überlässt bei den Testfahrten nichts dem Zufall: Um unangenehme Zwischenfälle zu vermeiden, wird der EV-Prototyp von einem vorausfahrenden und einem nachfolgenden Fahrzeug eskortiert. Die Unterschiede zu einem konventionell motorisierten Modell halten sich beim Elektrofahrzeug in erstaunlich engen Grenzen: Hinsichtlich Fahrgefühl, Bedienung und Motorleistung entspricht der EV ganz dem, zu Vergleichszwecken zur Verfügung gestellten, Nissan Note.

Auf die Tatsache, dass Elektroautos praktisch keinen Motorlärm verursachen, waren wir vorbereitet. Dafür treten alle anderen Fahrgeräusche, die durch das Abrollen der Reifen und den Wind erzeugt werden, fast unangenehm in den Vordergrund. Ein Beispiel dafür, dass der Umstieg auf die Elektromobilität eher eine psychologische Anpassung, als eine tiefgreifende Änderung unserer Gewohnheiten sein wird. Das gilt nach Auffassung der Nissan-Techniker auch für das vieldiskutierte Thema Reichweite, die beim kommenden Serienfahrzeug rund 160 Kilometer ausmachen wird: Wenn der Bordcomputer eines konventionellen Fahrzeugs darüber informiert, dass der verbliebene Treibstoff noch für knappe hundert Kilometer reicht, steuert bereits ein Großteil der Autofahrer die nächste Tankstelle an. Was nicht sein muss, denn die durchschnittliche Tagesdistanz liegt deutlich unter diesem Wert und ermöglicht es, in fast allen Fällen mit der Reichweite eines Elektroautos problemlos sein Auslangen zu finden.

Hinsichtlich der Bedienung wird sich gar nichts ändern: Gaspedal bleibt Gaspedal, daneben ist das Bremspedal montiert und der Automatikwählhebel ist genauso zu bedienen wie bei einem konventionellen Fahrzeug. Auch in unserem Platzbedarf werden wir uns nicht einschränken müssen: Der Innenraum des Nissan Cube, der die Basis für den EV bildet, ist in keiner Weise durch die Antriebstechnik beeinträchtigt. Wobei diese Aussage eher von theoretischem Wert ist, denn in Sachen Design hat das endgültige Serienfahrzeug mit dem von uns gefahrenem Versuchsträger nichts gemein.

Einen bereits relativ seriennahen Ausblick soll ein Concept Car ermöglichen, das in wenigen Wochen in Japan vorgestellt werden wird. Was darüber bisher an Informationen veröffentlicht wurde, verweist auf einen klugen Schachzug Nissans: Beim ersten Serienmodell geht man nicht den offensichtlichen Weg und präsentiert einen Elektro-Kleinwagen, sondern siedelt es in der Golf-Klasse an und macht damit von Beginn an Schluss mit dem lästigen Golfwagerl-Image der Elektroautos. Fünf Personen und ausreichend Gepäck soll es Platz bieten und mit reichweitenfreundlich aerodynamischem, aber keineswegs praxisfern futuristischem Design versehen sein.

Beim EV wird es sich um ein neu konstruiertes Fahrzeug handeln, dessen Plattform für die platzsparende Unterbringung des Antriebsstrangs samt Batterie ausgelegt ist, wobei das Gewicht um rund 200 Kilogramm höher ausfallen wird als bei einem vergleichbaren konventionellen Modell. Die Nachhaltigkeit beschränkt sich nicht auf den Antrieb allein: 99 Prozent der Bauteile können am Ende wiederverwertet werden und bei der Produktion bestehen rund 20 Prozent der Komponenten aus wiederverwerteten Materialien. Im Jahr 2010 soll das Elektrofahrzeug in Serie gehen. Es wird zuerst in Japan und den USA angeboten werden, ab 2011 in Europa und ein weiteres Jahr später weltweit. Es liefert damit den Auftakt für eine ganze Familie an emissionsfreien Modellen, der auch eine Version des Nissan-Nobelablegers Infiniti angehören soll.

Stichwort Batterie: Diesem Punkt widmet Nissan die größte Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt darum hat man auch mit den Spezialisten von NEC unter der Bezeichnung AESC (Automotive Energy Supply Corporation) ein Joint Venture gegründet, um die Batterieentwicklung voranzutreiben. Auf erste Erfolge kann man bereits verweisen: Die kompakte laminierte Lithium-Ionen-Speichereinheit ist doppelt so leistungsstark wie die bisher eingesetzten Typen und veranlasst die Nissan-Techniker zur Prognose, dass die Reichweite von Elektrofahrzeugen in Zukunft deutlich größer werden wird. Aufgeladen werden kann die Batterie, deren Lebenserwartung bei fünf bis sechs Jahren liegt, entweder an einer herkömmlichen Steckdose in rund acht Stunden oder in einem Schnellladeverfahren, das den Speicher in 30 Minuten auf 80 Prozent seiner Kapazität bringt.

Doch die Kooperationen beschränken sich nicht allein auf das Gebiet der Forschung und Entwicklung. Nissan arbeitet unter anderem auch mit Energieversorgern zusammen, die die erforderliche Infrastruktur an Stromtankstellen aufbauen und nach Möglichkeit „grünen" Strom aus Wind-, Wasser- und Sonnenenergie liefern sollen. Auch die Regierungen sollen ihren Beitrag dazu leisten: Initiativen, die das Interesse der Bevölkerung an der neuen Antriebsart wecken sollen, sind da genauso angedacht, wie steuerliche Vorteile und Förderungen beim Kauf eines Elektrofahrzeugs. Als Vorzeigeland möge hier Portugal gelten: Die Regierung dieses Landes hat sich dazu verpflichtet, bis 2011 zumindest 750 Ladestationen in der Hauptstadt Lissabon in Betrieb zu nehmen. Dazu kommen weitere 400 in Porto und zusätzliche Versorgungspunkte an den Autobahnen. In Sachen Förderung unterstützt der portugiesische Staat den Erwerb eines Elektrofahrzeugs mit 4.000,- Euro und verspricht, dass ab 2011 mindestens 20 Prozent der vom Staat angeschafften Fahrzeuge elektrisch und damit emissionsfrei unterwegs sein werden. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Autovermieter Europcar, der jedem, der am innovativen Fahrzeugkonzept interessiert ist, die Möglichkeit gibt, sich kostengünstig von dessen Alltagstauglichkeit zu überzeugen.

Womit wir zu einem entscheidenden Kriterium für eine erfolgreiche Markteinführung des Elektrofahrzeugs kommen, bei dem alle Hersteller vom Begleitschutz der Regierungen abhängig sind: Je höher die staatliche Förderung, desto geringer die preisliche Differenz zu einem konventionell angetriebenen Fahrzeug. Wobei diese Zuschüsse als Starthilfe zu sehen sind, denn wie bei jeder neuen Technologien, wird ein Ansteigen der Produktionszahlen den Verkaufspreis senken. Nissan hält sich mit genauen Zahlen noch zurück und meint, dass das Elektrofahrzeug in etwa so viel kosten wird wie ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor; dazu kommt allerdings noch der Preis für die Batterie, der bei rund 10.000,- bis 11.000,- Euro liegen wird. Werden diese Kosten durch eine entsprechende Förderung etwa halbiert, liegt die Hemmschwelle für den Autokäufer schon deutlich niedriger. Der finanzielle Mehraufwand beim Kauf des Fahrzeugs kann aufgrund der ungleich geringeren Betriebskosten und des ebenfalls reduzierten Wartungsaufwands (laut Nissan können hier 10-15 Prozent eingespart werden) in absehbarer Zeit amortisiert werden - wobei der Umweltvorteil ab dem ersten gefahrenen Meter zu wirken beginnt. (saubereAutos.at)

Die inhaltliche Verantwortung liegt beim Autor. Zur Verfügung gestellt von saubereAutos.at.

  • Nissan will Schluss machen mit dem "Golfwagerl-Image" von Elektroautos.
    foto: saubereautos.at

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  • Potzblitz - 160 Kilometer Reichweite verspricht Nissan für den EV.
    foto: saubereautos.at

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