29 Firmen pro Tag

Pleitewelle rollt weiter

21. Juli 2009, 10:15

Firmen- und Privatkonkurse sind im Halbjahr deutlich gestiegen - Täglich melden 42 Private und 29 Firmen Insolvenz an

Wien - Im ersten Halbjahr 2009 ist in Österreich die Zahl der Firmen- und Privatpleiten deutlich gestiegen. Die Zahl der Firmenpleiten stieg im Jahresvergleich um 9,3 Prozent auf 3.509 Fälle, bei den eröffneten Verfahren gab es ein Plus von 15,7 Prozent auf 1.834 Verfahren.

Die Privatkonkurse stiegen im Halbjahr um 6,5 Prozent auf 4.564 Pleiten. Dabei nahm vor allem die Zahl der mangels Masse abgewiesenen Insolvenzanträgen mit plus 14,5 Prozent auf 657 Fälle besonders stark zu. Im ersten Halbjahr gingen täglich 29 Firmen und 42 Private pleite.

Managementfehler als häufigster Grund

Hauptursache bei den Firmenpleiten in gut 80 Prozent der Verfahren sind nach wie vor Managementfehler, obwohl gerade in Krisenzeiten aktives Risikomanagement wichtiger denn je wäre, so die Creditreform. Nach Bundesländern sind vor allem Oberösterreich (plus 17,5 Prozent) und Salzburg (20 Prozent) von der Pleitewelle betroffen, gefolgt von Tirol und der Steiermark. In Wien gab es absolut betrachtet die meisten Insolvenzen, auch die Insolvenzbetroffenheit war mit 12,3 insolventen Firmen pro 1.000 Unternehmen am höchsten. Einzig im Burgenland gingen die Insolvenzen zurück.

Im Branchenvergleich verzeichnete den größten Zuwachs die "Sachgütererzeugung", gefolgt vom "Kredit- und Versicherungswesen". Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit herrschte nach wie vor im Bauwesen mit 23,3 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Im Handel und den "Unternehmensbezogenen Dienstleistungen" gab es deutlich geringere Steigerungen als in den anderen Branchen.

Die "typische" insolvente Firma ist ein Wiener Gewerbebetrieb in der Rechtsform einer GmbH mit maximal zehn Mitarbeitern und einer Geschäftstätigkeit von fünf Jahren oder weniger. In der Gründungs- und Aufbauphase vergessen die Jungunternehmer neben der Produktion und dem Verkauf/Marketing leider allzu oft auf buchhalterische Notwendigkeiten (rechtzeitiges Ausstellen und Mahnen der offenen Rechnungen, Einholen von Informationen über Geschäftspartner, etc.). Sie setzen mit diesen Versäumnissen oft eine verhängnisvolle Entwicklung in Gang, die in vielen Fällen schlussendlich mit dem Gang zum Insolvenzgericht endet.

Arbeitslosigkeit treibt Privatkonkurse in die Höhe

Am starken Anstieg bei den Privatkonkursen sei die steigende Arbeitslosigkeit mitverantwortlich, so die Creditreform. Dadurch verfügen viele Privatschuldner nicht mehr über die Mittel zur Entschuldung über ein Insolvenzverfahren. Da das Ende der Krise vorläufig nicht absehbar sei, sei eine verantwortungsvolle Einschätzung des finanziellen Spielraums besonders wichtig. "Aber auch eine vorsichtige Einschätzung und Kalkulierung diverser Risiken schützt nicht vor unvorhersehbaren Ereignissen wie plötzliche Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unfall."

In Wien gab es im Halbjahr mit 1.952 Fällen die meisten Privatinsolvenzen. Auch war die relative Insolvenzbetroffenheit mit 14 Insolvenzen pro 10.000 Erwachsenen in der Bundeshauptstadt am größten. Die stärksten Zuwächse verzeichneten Oberösterreich (plus 16,7 Prozent), Kärnten (14,2 Prozent), Wien (12,4 Prozent) und das Burgenland (11,3 Prozent). In drei Bundesländern sanken die Privatinsolvenzen: Tirol, Steiermark und Vorarlberg. (APA)

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Posting 1 bis 25 von 64
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Def. Izit
00
22.7.2009, 08:53
In "Schüsseldeutsch" hieße es "Entgründungwelle"!

Kapitalismus Luege
10
21.7.2009, 18:33
@ Managementfehler


diese Propaganda lesen zu müssen ist eine Zumutung.

DerStandard versteht sich immer mehr als Organ des Systems. Oder sind die auch gerade "aufgefangen" worden?

DerMäx
01
21.7.2009, 18:25

Managementfehler???

Ja, vielleicht sollte man den grössten Managementfehler gleich zu Beginn nicht begehen, und zwar den, in einem Land mit einer weltmeisterlichen Abgabenquote und selbstgerechten Beamten und Politikern überhaupt eine Firma aufzumachen??

Ingrid Goeschl
21
21.7.2009, 20:18

Und wie erklären Sie sich, dass es im gleichen Land bei den gleichen Abgabenquoten jede Menge sehr gut verdienende Unternehmen gibt?

DerMäx
01
22.7.2009, 00:55

Was ist denn das für eine komische Frage??

Das ist ja so, als ob ich, wenn mir erklärt wird, dass es ein Fehler ist betrunken mit dem Auto zu fahren, die Gegenfrage stelle, wie man es sich dann erklären kann, warum bei tausenden Alkoholfahrten nichts passiert ist.

Ingrid Goeschl
10
22.7.2009, 10:09

Die Abgabenquote ist nicht höher als in anderen europäischen Ländern, gleichzeitig gibt es in Österreich sehr viele Förderungen, hohe Kaufkraft und eine ausgezeichnete Infrastruktur.

Begründete Kritik an verbesserbaren Dingen ist natürlich immer gut; aber das, was Sie das schreiben, ist einfach unsinnig.

obiwan
01
21.7.2009, 18:11
Lustig

Aktives Risikomanagment bei 80% Auftragsrückgang, was für Komiker sitzen da ?

RS69
 
00
21.7.2009, 19:05

80% Auftragsrückgang heisst auch, dass Sie jahrelang beim Kundenportfolio nicht aufgepasst haben.

Fehlendes Risikomanagement. Es war nicht vorherzusehen, wann die Krise kommt - dass das Wachstum nicht ewig ohne Rückgänge weiter gehen kann, war schon einzuplanen.

Jene Grüne Straßenkatze
02
21.7.2009, 15:32
...

Tja, der Politik ist es halt wichtiger, plakativ Großunternehmen zu retten, mit freundlicher Unterstützung der aus Kopieren von Pressemitteilungen beschränkten Medien: 8000 Arbeitslose einmal machen wochenlang Schlagzeilen, 20 Arbeitslose 60 mal (oder noch viel mehr) reichen für einen kurzen Bericht nebenbei.

Dass die Kleinunternehmen unter der Last der Steuern und Sozialleistungen, die man ihnen aufbürdet, weil sie nicht mit Abwanderung drohen können, zusammenkrachen, ist egal.

Nirak8
00
21.7.2009, 15:10
Zwei Firmen habe ich kontaktiert,

die erste telefonisch, da wurde mir vom Chef mitgeteilt, dass ich ganz sicher zurückgerufen werde, was bis dato nicht geschehen ist.
Die zweite Firma ebenso telefonisch, auf die Bitte der Chefin habe ich noch eine E-mail geschrieben, ja, und auch da habe ich keine Antwort erhalten, obwohl mir das ebenso zugesagt wurde.
Da wird immer wieder von einer Wirtschaftskrise gesprochen (und da wird sicher auch ws dran sein), ich für meinen Teil muss aber leider feststellen, dass die von mir kontaktieren Firmen (für Renovierung der Wohnung) offenbar wirtschaftlich sehr gut dastehen, weil so überhaupt nicht zu reagieren, ist schon eigenartig. Oder ist es so, dass so "kleine Fische" nicht wirklich lukrativ sind?

Def. Izit
01
22.7.2009, 08:56
Viel Kleinvieh macht auch Mist


Wer das nicht versteht, wird irgendwann auch keinen Großauftrag mehr bekommen.

RS69
 
00
22.7.2009, 21:13

Kleinvieh macht viel Mist.

Dumm nur, dass man als Unternehmer nicht den Aufwand sondern den Gewinn steigern möchte.

VotefromtheRooftop
00
21.7.2009, 19:55

gg - hängt halt von ihren Vorstellungen ab. Mich haben schon Kunden angerufen, die mir schon beim Erstgespräch am Telefon den Preis vorschreiben wollten. Aber wenn sie eine seriöse Baufirma für Sanierungs- Renovierungsarbeiten brauchen, sollte sich das schon machen lassen. Schickens mir halt ne Mail.

Nirak8
00
22.7.2009, 07:43
Danke,

habe mittlerweile jemanden gefunden, aber falls sich das ändern sollte, werde ich mich melden:-)

RS69
 
00
21.7.2009, 19:06

Was haben's denn zu bieten?
Grossaufträge?

Der Denker
 
00
21.7.2009, 15:10
Ja, ja, die Managementfehler

Nein! Nicht oder nicht nur die Managementfehler sind schuld!!! Das ist schlichtweg lächerlich!
Es heißt immer noch: "Den Letzten beissen die Hunde." In diesem Falle sind es vor allem die Banken, das Finanzamt, die „Interessensvertretung“ und diverse Beratungsfirmen, die den Betroffenen vorgaukeln, mit ihnen könnte man die Probleme besser bewältigen.
Es geht vor allem um das Geld. Egal jetzt, ob es sich um Geld für ordentliche Steuerberatung, um Spielgeld für „unterstützende Maßnahmen“ (she. Wirtschaftskriminalität) oder sonstige Begleitumstände handelt.
Außerdem ist ein schöner Teil der Insolvenzen auf jene Bedauernswerten zurückzuführen, die den Lügen Glauben geschenkt hatten, als Arbeitslose ihr Glück in der Selbstständigkeit zu suchen.

RS69
 
00
21.7.2009, 19:06

Unternehmer sein heist eben auch selbst Verantwortung übernehmen.

per verser
00
21.7.2009, 15:05

http://derstandard.at/fs/124654... ilisierung

der artikel ist vom 8. juli und hat bis heute keinen einzigen kommentar bekommen. was sagt uns das?

Lorenz Davis
 
00
21.7.2009, 19:25

der artikel is ja nur ein kurzes APA-statement über den G8-Gipfel (der eine reine Show und Arschkriecherei ist). So was gibt kaum Stoff für eine Diskussion her.

Der Denker
 
00
21.7.2009, 15:20
Woher sind Sie so sicher, dass ...

... diese Firma noch genug liquid ist, um Ihren Auftrag noch auszuführen?
- Vielleicht hat man nicht mehr genug Personal, welches man bezahlen könnte, oder man hat Leute, denen man aufgrund ihrer fehlenden Qualifikation eine ordnungsgemäße Erledigung nicht mehr zutraut?
- Vielleicht kann man auch das Material nicht mehr zahlen?
Es gibt wirklich nichts, was es nicht geben könnte, oder?

RS69
 
00
21.7.2009, 19:07

Oder das Unternehmen könnte sich auch auf weniger, aber lukrative Aufträge fokussieren.

Der Denker
 
00
21.7.2009, 15:24
es galt das ...

... dem posting von Nirak8, Verzeihung!

lucacenko
00
21.7.2009, 14:44

DANKE AN DIE BANKEN KREDIT POLITIK

Lord Lurch
13
21.7.2009, 14:07
Managementfehler?

Ha! Ist es Managementfehler, wenn die Kunden ewig nicht zahlen? ist es ein Managementfehler, wenn man den Kunden nicht den Anwalt oder das Inkasso-Büro schicken kann, wenn es öffentliche Stellen oder stadt-/landes-/staats-nahe Unternehmen sind? Ist es ein Managementfehler, wenn keine Bank mehr einen Kredit rausrückt? Ist es ein Managementfehler, wenn den wichtigsten Kunden die Osteuropamärkte zusammenbrechen und sie darum ihre Aufträge zusammenstreichen? Und kümmern diese Widrigkeiten eines Krisenjahres Finanzamt oder Sozialversicherung? Natürlich nicht! Managementfehler! Ha!

what shells
01
21.7.2009, 19:39
JA, genau das nennt sich Managementfehler!

Wenn Kunden nicht zahlen, muss ich bald genug ein Inkassobüro beauftragen, detto bei staatsnahen Betrieben (kein Problem sofern die Verträge gut genug sind - und die sind auch in der Verantwortung des Managements).
Ad Kredit: ja, es ist Job des Management eine realistische Cash-Flow Rechnung zu machen (bzw. machen zu lassen). Und wenn ich davon ausgehe nur mit Krediten überleben zu können, dann hab ich als Manager wohl einen Fehler gemacht.
Und ja, ich muss mir ansehen welche Kunden ich akzeptiere und welche nicht, und für Osteuropa gibt es die Kontroll-Bank die haftet, wenn ich über deren Limit gehe, selber Schuld.
Das was Sie hier versuchen lächerlich zu machen sind alles Managementfehler ... hilft nix, Hr. Lord, thats your Job

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