Nutrigenomik

Ernährung nach Maß

21. Juli 2009, 09:34

Mit der Entwicklung funktioneller Lebensmittel wollen deutsche Forscher genetisches Krankheitsrisiko reduzieren

Eine optimale Ernährung ist aufgrund der verschiedenen Erbanlagen nicht für alle Menschen gleich aufgebaut. Mit Fortschritten in der Genomforschung könnten neue Lebensmittel speziell für Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Risiko etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt werden. Wissenschaftler aus Kiel und München haben das Marktpotenzial solcher funktionellen Lebensmitteln für eine personalisierte Ernährung untersucht.
Wir Menschen sind verschieden. Nicht nur in Größe, Haar- oder Hautfarbe unterscheiden wir uns. Sondern auch darin, wie unser Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert. Davon wissen all jene ein Lied zu singen, die etwa Milchzucker nicht vertragen oder deren Dünndarm empfindlich auf das Klebereiweiß Gluten reagiert. Schuld sind unsere Gene: Zahlreiche unterschiedliche Reaktionen auf einen Lebensmittelinhaltsstoff wurden bereits auf Genvariabilitäten zurückgeführt.

Seit Jahrtausenden ist bekannt, dass unsere Ernährung die Gesundheit beeinflusst. Doch erst seit Entschlüsselung des Genoms lernen Forscher das komplizierte Zusammenspiel zwischen Erbanlagen, Lebensweise und Ernährung zu verstehen. Ernährungs- oder Nutrigenomik heißt dieser noch junge Wissenschaftszweig. Bei Bluthochdruck, Diabetes oder Störungen im Fettstoffwechsel - allesamt Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen -, bei Osteoporose oder gar bei der Entstehung von Krebs gehen Ärzte aufgrund familiärer Häufungen davon aus, dass genetische Veranlagungen eine Rolle spielen. Wenn aber unsere Ernährung Einfluss nimmt, könnten dann nicht spezielle Nahrungsmittel für Menschen entwickelt werden, die ein genetisches Krankheitsrisiko in sich tragen?

Personalisierte Ernährung

Für jeden das richtige Essen lautet die Vision. Mit funktionellen Lebensmitteln könnte sie Realität werden. Das sind Lebensmittel, die über die Nährwertlieferung hinaus Körperfunktionen positiv beeinflussen. Den probiotischen Joghurt und die Cholesterinspiegel senkende Margarine finden wir längst im Kühlregal. Allerdings richten sich solche Produkte bisher an die Allgemeinheit. "Ziel der personalisierten Ernährung ist es, die Ernährung auf das genetische Profil des Einzelnen zuzuschneiden", sagt Rebecca-Ariane Mecking, Wissenschaftlerin im Team von Professorin Jutta Roosen am Lehrstuhl für Marketing und Konsumforschung der TU München.

Um herauszufinden, ob Verbraucher individuell angepasste Lebensmittel akzeptieren würden und welche Möglichkeiten sich für die norddeutsche Lebensmittelbranche eröffnen, hat die Arbeitsgruppe von Professorin Roosen gemeinsam mit dem Institut für Agrarökonomie der Uni Kiel eine Untersuchung durchgeführt. Das Projekt wurde von der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein finanziell unterstützt.

Befragt wurden 506 Verbraucher. Rund die Hälfte davon würde einer Überprüfung ihres genetischen Profils und ihrer Krankheitsrisiken zustimmen. "Wir hatten eine deutlich kritischere Haltung erwartet, weil die Verbraucher eine Ernährung, die an einen Gentest gekoppelt ist, mit Gentechnik assoziieren könnten", sagt Mecking.

Großes Potential

Wer meint, ein Risiko etwa für Herzkrankheiten in sich zu tragen, reagiert eher positiv auf die Idee personalisierter Ernährung. Genau wie Probanden, die regelmäßig zur Vorsorge gehen. Insgesamt zeigte sich eine große Akzeptanz vor allem bei gut situierten, gesundheitsbewussten Konsumenten. Diejenigen, die einer Genanalyse zustimmten, waren deutlich häufiger bereit, für Risiko senkende Produkte mehr zu zahlen. 40 Cent mehr für Müsliriegel, Brot oder Salatdressing wurden von diesen Personen in der Mehrzahl akzeptiert.

Solche Erkenntnisse sind für die Hersteller von Bedeutung. Die 18 in der Studie befragten Unternehmen schätzen zwar das generelle Potenzial für funktionelle Lebensmittel als groß ein. Die eigenen Chancen wurden aber kritischer bewertet. So zählen Stabilität und Sensorik der Erzeugnisse, die Kosten für den Zusatz und der Nachweis seiner Wirksamkeit zu den Herausforderungen. "Manchen Unternehmen er schien es fraglich, ob für eine personalisierte Ernährung funktionelle Lebensmittel überhaupt notwendig sind", berichtet Mecking. Klärungsbedarf gibt es auch beim Datenschutz und bei der Vermittlung des gesundheitlichen Nutzens.

"Die vielen ungeklärten Fragen verunsichern die Unternehmen", resümiert die Wissenschaftlerin. Um Krankheiten mit einer personalisierten Ernährung präventiv entgegenzuwirken, seien daher neben Fortschritten in der Genforschung die Einführung von Regeln zur Umsetzung des Konzepts und die Kommunikation von Bedeutung. (red)

 

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16 Postings
super_simultan
00
22.7.2009, 01:15

Mir gefällt das Foto.

presonic
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22.7.2009, 00:09
Personalisierte Ernährung

= man isst, was einem schmeckt und bekommt. alles andere lässt man sein.

offensichtlich muss man in einer orthorektischen welt allerdings das den leuten erst wieder beibringen.

Petzi Petz
00
22.7.2009, 22:04
In einer Zeit, in der immer alles verfügbar ist.

Ist das wohl kein sinnvoller Ratschlag. Mein Körper ist evolutionsbiologisch geprägt auf simple Signale, zB Zucker, Salz oder Fett. Jedoch verlangt er sicherlich nicht explizit nach Eis, Chips, Schweinsbraten oder Gummibärchen. Ob das dann so bekömmlich ist, bezweifle ich stark.

presonic
00
während in vielen ländern verhungert wird...

.... regt man sich im bobo-forum auf, dass essen jederzeit verfügbar ist.
europa verliert langsam den realismus.

Petzi Petz
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Dekadent ist das, was Sie betreiben.

Nämlich alles futtern unter dem Deckmäntelchen "mein Körper braucht das ja" - dann aber auch noch auf den Hunger in der Welt hinzuweisen, ist schon sehr dreist.

presonic
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nicht zu hungern ist nicht dreist.

sich probleme zu schaffen, damit man die echten probleme in der welt nicht lösen muss, ist tödlich.

Sunflare
00
22.7.2009, 10:05

Das ist nicht richtig, denn der Körper ist auf Überleben programmiert und will deshalb vor allem Zucker und Fettreiches - also soviel Energie wie möglich - zu sich nehmen.

Um über den harten Winter zu kommen, den es dank Billa und Co. nicht mehr gibt.

Diese Programmierung funktioniert in der heutigen (Industrie-)Welt nicht mehr. Ergo: Man muss Energiereiches ENTGEGEN der eigenen Programmierung kontrolliert und mit Bedacht zu sich nehmen.

...warum wohl packt die Lebensmittelindustrie in absolut ALLES Zucker rein, hm? ;)

presonic
00

jaja. der harte winter in südeuropa, afrika, im nahen osten.....

magenta cyan
01
21.7.2009, 22:19
"Für jeden das richtige Essen lautet die Vision."

"für jeden ETWAS zu essen" sollte die primäre vision lauten. während weltweit mit währungsmilliarden jongliert wird, haben weltweit noch nie so viele menschen auf der erde gehungert!

das mag hier pathetisch klingen, aber bei diesem seit jahrzehnten wachsenden ungleichgewicht es kommt einem wirklich die galle hoch.

presonic
00
22.7.2009, 00:10

das sehe ich auch so. dauernd liest man nur artikel über irgendwelche randgruppen, die zu viel gewicht haben. dass täglich tausende menschen an untergewicht sterben, hat in den medien wenig platz. offensichtlich, weil sich damit nichts verdienen lässt.

Shanajio
00
22.7.2009, 09:27

Genau. Stellen Sie sich mal vor wieviel Geld sich damit verdienen ließe, wenn man jedem Westeuropäer sein personalisiertes Functional Food verkaufen könnte.

presonic
00

das versucht man ja eh schon. jetzt ist grad metabolic balance recht modern, hab ich gelesen.
offensichtlich traut sich die 1. welt nicht an die wirklichen probleme ran, wenn wir mit vollem magen über ernährung nachdenken müssen.
ist aber nicht nur da so. wer keine probleme hat und wem der mut fehlt, echte probleme zu lösen, schafft sich einfach künstliche probleme.

Kathi1609
 
02
21.7.2009, 18:18
passt gut zu dem artikel "chemie auf dem teller" hier nebenan.

interessante idee, irgendein neues künstliches zeug in die lebensmittel zu packen, um das risiko für die krankheiten, die man durch das alte künstliche zeug (und die maßlosigkeit beim fressen) begünstigt, wieder zurückzuschrauben ...

man könnte auch einfach aufhören, soviel künstliches zeug ins essen zu mischen, und den leuten von klein auf beibringen, wie man sich vernünftig ernährt ...

presonic
21
22.7.2009, 00:02

und auch, dass man "nein" sagen darf - selbst wenn einem irgendwer einreden will, etwas sei gesund.

little django
 
00
22.7.2009, 08:10

das find ich ein bisserl bedenklich. dann würd sich sohn nur mehr von eis, schoki und chips ernähren.
da ist die mutti ein bisserl ekelhaft und zwingt ihm doch glatt vernünftiges essen auf.......... (wobei sie insofern recht haben daß die für einen ungesunden dinge meistens eh net unter die nase gehen)

presonic
00

phasenweise kann ich mir das vorstellen, aber nicht dauerhaft. kinder brauchen manchmal extrem viel fett. ein halbes jahr später mögen sie das fette dann auf einmal gar nicht mehr.
ich würd den kindern einfach immer nur vielfältige nahrungsmittel anbieten. sie dürfen wählen, was sie essen. (und sie müssen auch lernen, zuzubereiten, was sie essen wollen.)

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