Aus der Kraftprobe zwischen Obama und Netanjahu über den Siedlungsbau in den besetzten Gebieten dürfte ein handfester Konflikt werden
Die Kürzung von Kreditgarantien ist eine der stärksten Waffen im amerikanischen Arsenal für den Umgang mit seinem Verbündeten - nicht weil Israel das Geld so dringend braucht, sondern weil es von seiner Bevölkerung als Zeichen für die unbedingte Unterstützung des jüdischen Staates durch seinen einzigen wirklichen Verbündeten gesehen wird. Indem Netanjahu den Amerikanern die Stirn bietet, riskiert er auf der psychologischen Ebene eine Isolation, vor der sich selbst manche seiner eigenen Wähler fürchten.
Auch für Obama ist dies ein riskantes Spiel. Finanzielle Unterstützung für Israel gilt als Stromschiene der US-Politik: Berühren ist lebensgefährlich. Als Präsident George Bush senior 1992 Kreditgarantien für Israel aussetzen ließ, um schon damals gegen den Siedlungsbau zu protestieren, kostete ihn dies wertvolle Unterstützung jüdischer und evangelikaler Wähler und trug möglicherweise zu seiner Wahlniederlage gegen Bill Clinton bei.
Aber die Stimmung in den USA hat sich seither gewandelt. Selbst eingefleischte Israel-Freunde im Kongress wollen dem illegalen und politisch so destruktiven Siedlungsbau nicht mehr tatenlos zusehen, weder im Westjordanland noch in Ostjerusalem. Obama - und das weiß auch Netanjahu - sitzt diesmal auf dem längeren Ast. (Eric Frey/ DER STANDARD Printausgabe, 21.7.2009)