Neuer Bauchfleck in der Salzburger Bäderdebatte

20. Juli 2009, 19:45
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Das nächste Ungemach beim Versuch, in der Stadt Salzburg ein Hallenbad zu bauen: Das Denkmalamt könnte das Paracelsusbad unter Schutz stellen - Ein Abriss wäre somit unmöglich

Salzburg - Das Thema ist längst zur Lachnummer geworden und für viele Salzburger inzwischen das Synonym für die Absurditäten in der Stadtpolitik: Seit mehr als zwei Jahrzehnten diskutieren Stadtregierung und Gemeinderat den Bau eines neuen Hallenbades. Ein Ende ist nicht in Sicht.

"Was wir aufführen, ist eigentlich unglaublich", gibt Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) im Standard-Gespräch zu. "Wir machen uns komplett lächerlich", pflichtet ihm ÖVP-Vizebürgermeister Harald Preuner bei. Mit dieser Einschätzung der eigenen Arbeit sind die Gemeinsamkeiten in der Baddebatte freilich beinahe erschöpft.

Einig sind sich die drei Regierungsfraktionen SPÖ, ÖVP und Bürgerliste gerade noch, dass irgendetwas am Standort des Paracelsusbades geschehen soll. Das im Andräviertel zentrumsnah gelegene Hallenbad mit angeschlossenem Kurbetrieb ist das einzige in der rund 150.000 Einwohner zählenden Landeshauptstadt.

Das noch bis zu den Gemeinderatswahlen im März dieses Jahres von allen drei Parteien favorisierte neue Spaßbad im Stadtteil Liefering ist vom Tisch. Eine - ausgerechnet von der sonst weitgehend unbedeutenden KPÖ losgetretene - Bürgerkampagne für den Erhalt des Paracelsusbades brachte den Stimmungsumschwung.

Kleiner geworden sind die Probleme damit nicht: SPÖ und Bürgerliste schlagen (in verschiedenen Varianten) den Abriss der bestehenden Substanz vor. An der gleichen Stelle soll eine neue Anlage - möglichst noch mit Tiefgarage - errichtet werden. Erste Kostenschätzungen gehen von mehr als 60 Millionen Euro aus.

33.000 Moor-Anwendungen

Das ist freilich mehr als das Doppelte jener 27 Millionen, die laut Arbeitsübereinkommen der Stadtregierung für das Vorhaben reserviert sind. Genau da hakt die ÖVP ein. Angesichts der "tristen Budgetsituation" sei das große Projekt einfach nicht finanzierbar, warnt Preuner im Standard-Gespräch. Er schlägt eine Sanierung des desolaten Bades und eine kleine Erweiterung bei laufendem Betrieb des Kurhauses vor. Immerhin würden dort jährlich etwa 33.000 Moor-Anwendungen erfolgen. Eine im Abrissfall notwendige Containerlösung für den Kurbetrieb im Mirabellpark ist für Preuner undenkbar. Mit etwa zwölf Millionen Euro wäre die Sanierungsvariante eine für die Stadt erträgliche Belastung.

Indirekte Schützenhilfe erhalten die Stadtschwarzen für ihre Minimalvariante inzwischen vom Denkmalamt. Dort hat man die großzügige Fensterfront, verschiedene Wandreliefs und den Marmorboden entdeckt. Derzeit wird in einem Vorprüfungsverfahren die Schutzwürdigkeit des Baus von Architekt Josef Hawranek aus den 1950er-Jahren geprüft.

Kommt das Amt zu einem positiven Abschluss, wäre die Abrissvariante vom Tisch und der Versuch, in Salzburg ein neues Hallenbad zu errichten, mit einem veritablen Bauchfleck beendet. Bestenfalls ginge sich noch eine Renovierung mit teilweiser Erweiterung aus. Das Ergebnis der Denkmalschützer wird noch diesen Sommer erwartet.

Wie immer es ausgehen mag: Dass noch heuer ein Beschluss für eine der Varianten am Standort Paracelsusbad gefasst wird, glaubt kaum jemand. "Keine Entscheidung ist eine gute Entscheidung", beschreibt Preuner die Stimmung im Stadtsenat. Auch Stadtrat Padutsch traut sich, wenn er nach einem Beschlusstermin gefragt wird, angesichts der vergangenen zwanzig Jahre "nichts zu sagen". (Thomas Neuhold, DER STANDARD Printausgabe, 21.07.2009)

  • Sieht toll aus, ist aber dringend sanierungsbedürftig: Das nach
Paracelsus benannte Hallenbad der Stadt Salzburg ist seit Mitte der
1950er- Jahre in Betrieb. Das Bad ist so alt, dass sich schon das
Denkmalamt dafür interessiert.

    Sieht toll aus, ist aber dringend sanierungsbedürftig: Das nach Paracelsus benannte Hallenbad der Stadt Salzburg ist seit Mitte der 1950er- Jahre in Betrieb. Das Bad ist so alt, dass sich schon das Denkmalamt dafür interessiert.

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