Tiefseeaustern im Mittelmeer doch nicht ausgestorben

20. Juli 2009, 15:47
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Expedition findet Tiere, die bis zu 30 Zentimeter groß und 500 Jahre alt werden können

Bremen - Lebewesen, die man im Mittelmeer schon für ausgestorben hielt, wurden nun von Tiefseeforschern des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen (MARUM) wiederentdeckt. Sie fanden - eigentlich auf der Suche nach Kaltwasserkorallen -  in der Alburan-See zwischen Südspanien und Marokko in einer Tiefe von 500 Metern lebende Tiefseeaustern. "Von diesem bis zu 30 Zentimeter großen Schalentier hatte man bisher im Mittelmeer nur Fossilien aus der letzten Eiszeit gefunden", berichtet Forschungsleiter Dierk Hebbeln.

"Die Entdeckung geht vor allem auf den Fortschritt der technischen Entwicklung zurück. Wir setzten ferngesteuerte Tauchrobotern ein, die in größeren Tiefen Videoaufnahmen vom Meeresgrund liefern. Somit können ganz neue Stellen wie Felsen oder Überhänge beprobt werden, an denen diese Austernart vor allem beheimatet ist", erklärt Hebbeln. Der einzige Nachweis lebender Tiefseeaustern vor dieser Entdeckung im Atlantik nahe den Azoren war durch ein Forschungs-U-Boot gelungen. Dass auf dem Mittelmeer-Meeresboden noch zahlreiche unbekannte Lebewesen ihrer Entdeckung harren hält der Tiefseeforscher für sicher, die Suche könne jedoch nur langsam erfolgen. "Auf einer einzigen Expedition kann nur ein Gebiet in der Größe eines halben Fußballfeldes untersucht werden."

Für wichtig hält Hebbeln den Fund der Tiefseeaustern vor allem wegen deren Langlebigkeit und weil sie aufeinander wachsen: "Die Tiere können bis zu 500 Jahre alt werden. Jedes Jahr bilden sie einen Anwachsstreifen, vergleichbar mit den Jahresringen eines Baumstammes. Wenn man eine chemische Analyse dieser Schalen vornimmt, können diese Informationen zahlreiche Rückschlüsse auf Umweltentwicklungen wie etwa die Meerestemperatur über einen langen Zeitraum geben." Ähnliche Funktionen haben auch Dichtebänder von Korallen - und die Erforschung von Korallenskeletten war auch das Hauptziel der "Poseidon"-Expedition, der dieser Tiefseeaustern-Nachweis gelang. Die Geschichte des Ökosystems der Mittelmeer-Tiefen soll somit schrittweise erforscht werden, um mit Hilfe dieser Informationen den heutigen Wandel der Umwelt besser bewerten zu können. (pte/red)

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MARUM

  • Tiefseeaustern sind ein imposanter Anblick - zu ihrem Glück lohnt sich kommerzieller Fang jedoch nicht.
    foto: marum, universität bremen

    Tiefseeaustern sind ein imposanter Anblick - zu ihrem Glück lohnt sich kommerzieller Fang jedoch nicht.

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