Beatrix Karl wird ÖAAB-Generalsekretärin

20. Juli 2009, 12:21
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Erstmals Frau an Spitze des ÖVP-Arbeitnehmerbundes - Karl war bisher Wissenschaftssprecherin der Partei

Wien - Der Abgang Werner Amons als ÖAAB-Generalsekretär ist vollzogen. ÖVP-Wissenschaftssprecherin Beatrix Karl wurde bei der Vorstandssitzung des ÖVP-Arbeitnehmerbundes zu seiner Nachfolgerin gewählt. Sie war von Außenminister Spindelegger, dem neuen Obmann, für das Amt vorgeschlagen worden. Karl bezeichnete er als "wirklich großartige Frau" sowie als "hervorragende Abgeordnete".

Weibliche Premiere

Karl ist die erste Frau auf dieser Position. Frauen sollten im ÖAAB insgesamt eine starke Rolle spielen, sagte Spindelegger. Dem scheidenden Generalsekretär Amon streute er Rosen. Amon habe "sehr gute Arbeit" geleistet und für eine Modernisierung des ÖAAB gesorgt.

Denkwerkstatt der ÖVP

Die neue ÖAAB-Generalsekretärin Beatrix Karl will den Arbeitnehmerbund der ÖVP als "Ideenproduzenten und Denkwerkstatt" positionieren. Den ÖAAB wolle sie wieder zu einem wichtigen Bund innerhalb der ÖVP machen. Ihre Bestellung habe sie "mit großer Begeisterung und Freude" angenommen, sagte Karl am Montag bei ihrer Präsentation. Ihre schon bisher als Arbeits- und Sozialrechtlerin betriebenen Themen Soziales, Arbeit und Bildung wolle sie ihn ihrer neuen Rolle jetzt noch forcierter vorantreiben.

ÖAAB-Obmann Michael Spindelegger, auf dessen Vorschlag Karl vom Bundesvostand einstimmig bestellt wurde, bezeichnete es als "bewusste Ansage", dass der ÖAAB nun erstmals in seiner Geschichte eine Frau als Generalsekretärin habe. Der ÖAAB gebe damit ein Signal, Frauen eine Chance zu geben auch in führenden Positionen. Er würde sich wünschen, dass auch die anderen Bünde der ÖVP diesem Beispiel folgen. Karl selbst meinte, es habe sowohl ihre fachliche Qualifikation als auch die Tatsache, dass sie eine Frau sei, eine Rolle für ihre Bestellung gespielt. Auch an der Uni habe sie schon gelernt, sich in einer Männerwelt durchzusetzen, sagte Karl, die sich "sehr freut", als erste Frau ÖAAB-Generalsekretärin zu sein.

Spindelegger verwies darauf, dass Karl sich als Professorin für Arbeitsrecht an der Uni Graz schon bisher mit Arbeitnehmer-Themen beschäftigt habe. "Sie hat im kleinen Finger, was andere sich erst mühsam erarbeiten müssen." Gleichzeitig würdigte der Obmann seine neue Generalsekretärin als "erfahrene Politikerin" die seit 2006 im Nationalrat sitzt. Von ihrem Beruf als Professorin der Uni Graz will sich Karl und freistellen lassen.

Wandel der Arbeitswelt im Visier

Karl sieht den Wandel der Arbeitswelt als neue Herausforderung für den ÖAAB und als Chance. Der ÖAAB müsse neue Antworten auch als Konsequenz aus der Wirtschaftskrise geben und sich in die Gestaltung der Arbeitswelt von morgen aktiv einbringen. Dazu werde auch verstärkt Basisarbeit notwendig sein.

In diesem Zusammenhang präsentierte Spindelegger drei Schwerpunkte: So soll ein "Forum Socialis" aus der Taufe gehoben werden, mit dem nach der Krise eine menschlicher Politik entwickelt werden soll. Zweitens will der ÖAAB ein großes Bildungskonzept erarbeiten. Spindelegger betonte dazu, dass es dabei nicht nur um das Lehrer-Dienstrecht, sondern um eine größere Konzeption gehen solle. Man wolle "einen großen Schritt nach vorne" machen. Ein konkretes Datum für die Fertigstellung nannte er nicht, aber die Beratungen sollen jetzt rasch beginnen. Und drittens plant der ÖAAB einen österreichweiten Arbeitnehmertag, an dem die Funktionäre in die Betriebe gehen, die Sorgen der Arbeitnehmer erkunden und Erkenntnisse für die tägliche Arbeit gewinnen wollen.

Offen ist vorerst noch die Zukunft des abgelösten Generalsekretärs Werner Amon innerhalb des ÖAAB. Ob sein bis 2011 laufender Vertrag aufgelöst wird, wollte Spindelegger noch nicht verraten. Er werde noch heute mit ihm reden und diese Frage mit ihm erörtern, sagte der Obmann. Er kündigte jedoch bereits an, dass Amon seine berufliche Zukunft "auf neue Beine stellen" werde. Gleichzeitig betonte Spindelegger aber, dass es "kein Scheiden im Bösen" sei. Amon bleibe weiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der ÖAAB-Abgeordneten im Parlament. Spindelegger würdigte die "hervorragende Arbeit", die Amon sechs Jahre lang geleistet habe. Nun wende er sich anderen Aufgaben wie dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu, wo er die Funktion des ÖVP-Fraktionsführers übernommen hat. (APA)

  • Die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Beatrix Karl folgt Werner Amon nach.

    Die ÖVP-Wissenschaftssprecherin Beatrix Karl folgt Werner Amon nach.

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