1984 (nicht) bei Amazon: Online-Händler löscht Bücher vom Kindle

20. Juli 2009, 12:04
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Remote-Delete-Funktion sorgt für Verärgerung der KonsumentInnen - Anbieter hatte offenbar nicht die nötigen Rechte zum Verkauf

Es hört sich wie ein schlechter Witz an, die Geschichte ist aber durchaus realer Natur: Ausgerechnet zwei Bücher von George Orwell wurden nun Opfer einer beim E-Book-Reader Kindle eingebauten Kontrollfunktion: Der Online-Händler Amazon hat sowohl "1984" als auch "Animal Farm" nachträglich von den Geräten der LeserInnen löschen lassen.

Delete

Dabei kam eine der umstrittensten Funktionen des Kindle zum Einsatz: Der Hersteller kann von außen über eine Remote-Delete-Funktion einzelne Titel nachträglich entfernen lassen. Die NutzerInnen, die meinten die beiden Bücher rechtmäßig erworben zu haben, sahen sich ohne Vorwarnung mit deren Entfernung konfrontiert, wie die New York Times berichtet.

Aufregung

Ein Vorgang der nun für einige Empörung sorgt, immerhin gibt es auch ernsthafte Zweifel daran, dass Amazon zu einer solchen Löschung überhaupt berechtigt ist. Die Geschäftsbedingungen sagen den KundInnen nämlich eigentlich ein unbeschränktes Nutzungsrecht zu, da hilft selbst der Umstand, dass man zumindest das Geld zurückerstattet bekommt, kaum mehr um die Gemüter zu beruhigen.

Vorfälle

Laut Informationen der Zeitung soll es sich dabei übrigens nicht um den ersten entsprechenden Vorfall gehandelt haben, so sollen bereits in der Vergangenheit Harry-Potter-Bücher Opfer der Löschung geworden sein. Die Argumentation von Amazon für die Maßnahme: Im Nachhinein habe sich herausgestellt, dass der Anbieter gar nicht die nötigen Rechte für die entsprechenden Bücher besessen habe.

Rechte

Ein Vorfall, der Privacy-VerfechterInnen in ihrer grundlegenden Kritik am Kindle zu bestätigen scheint. So verweist etwa Bruce Schneier darauf, dass sich hier eindrucksvoll zeige, wie wenig Rechte die KundInnen beim Kauf eines Ebooks bei Amazon haben. (red)

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