"Wikipedia-Manipulation gehört zu den wichtigsten Aufgaben von PR-Agenturen"

20. Juli 2009, 10:33
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    Häufig werden Manipulationen aber rasch von engagierten Wikipedia-Nutzern wieder rückgängig gemacht

Freie Online-Enzyklopädie als Schauplatz: Lobbyisten der Atomindustrie contra Umweltgruppen

Es ist eine Frage des Glaubens. Glaubt man der Atomindustrie, dann sind Kernkraftwerke Klimaschützer. Glaubt man den Umweltaktivisten, dann gehören sie abgeschaltet. Abseits der hitzigen politischen Debatte nach dem Störfall im Atommeiler Krümmel gilt es, auch die Öffentlichkeit für seine Sichtweise zu gewinnen - im Fokus steht dabei auch die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Laut der Organisation LobbyControl sind PR-Agenturen und Tarnorganisationen damit beschäftigt, Einträge zum Beispiel bei Wikipedia zu ändern. Aber nicht nur hier werden die jeweiligen Sichtweisen platziert. Besonders aktiv sei in diesen Tagen das Pro-Atom-Netzwerk "Bürger für Technik" - einige Mitglieder fielen vor allem mit Leserbrief-Offensiven zum Thema Kernkraft auf.

"Wikipedia-Manipulation gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben großer PR-Agenturen"

"Wikipedia-Manipulation gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben großer PR-Agenturen", sagt auch Axel Mayer, Geschäftsführer der BUND-Regionalstelle in Freiburg. Es ist einfach, den Korrigierer von Einträgen ausfindig zu machen. Die IP-Adresse des Computers, die bei einer geänderten Version angegeben ist, wird bei www.coolwhois.com eingegeben und dort wird der Standort des Computers ausgespuckt. In den vergangen Jahren vergriffen sich etwa die CIA, Microsoft, Scientology, die SPÖ oder ÖVP an Wikipedai-Einträgen - der WebStandard berichtete.

Häufig werden Manipulationen aber rasch von engagierten Wikipedia-Nutzern wieder rückgängig gemacht - zumindest, wenn sie gegen das unparteiische Selbstverständnis der Enzyklopädie verstoßen.

120 Änderungen

Beim Thema Atom tauchte in der Vergangenheit beim Eintrag zum AKW Biblis wiederholt die IP-Adresse 153.100.131.14 auf: Der Computer steht laut coolwhois.com bei Biblis-Betreiber RWE - geändert wurden etwa Angaben zu Störfällen. Auf den Seiten von deutschen Atommeilern seien nur selten Infos über Radioaktivitäts-Abgaben im Normalbetrieb oder zu Krebserkrankungen, kritisiert Mayer. Allein beim Eintrag zum Pannenreaktor Krümmel gab es seit der Reaktorabschaltung am 4. Juli mehr als 120 Änderungen - die meisten waren aber nicht tendenziös.

"Wir haben niemanden damit beauftragt, entsprechende Einträge zu ändern"

"Der professionelle Einsatz zum Ändern kritischer Einträge und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung geschieht häufiger als man denkt", meint LobbyControl-Vorstand Ulrich Müller. Oft träten nicht Konzerne selbst, sondern Agenturen oder scheinbar interessierte Privatpersonen als Korrektoren auf den Plan. Müller verweist auf Fachgruppen der Kerntechnischen Gesellschaft. Dort heißt es in einem Protokoll: "Zahlreiche Mitglieder der Fachgruppe engagieren sich auch als Autoren bzw. Korrektoren bei www.wikipedia.de". Besonders das damit verbundene Netzwerk "Bürger für Technik" versuche über Leserbriefe in Zeitungen und durch das Ändern von Internet-Einträgen eine atomfreundliche Haltung zu befördern, sagt Müller.

Das Deutsche Atomforum weist jegliche Verbindung zu PR-Agenturen zurück. "Wir haben niemanden damit beauftragt, entsprechende Einträge zu ändern", sagt Geschäftsführer Dieter Marx. Er verweist darauf, dass zu einseitige Wikipedia-Einträge ruckzuck wieder korrigiert würden. "Das sind alles Einzelpersonen, die da mitdiskutieren." Die Bürger für Technik seien aktiv, ohne dass man da irgendetwas steuere. In der Kerntechnischen Gesellschaft seien 2500 Mitglieder, auf die man nicht alle Einfluss nehmen könnte. "Wir sehen das auch zum Teil kritisch, weil sie manchmal über das Ziel hinausschießen."

"Unsere Anmerkungen und Links wurden in der Vergangenheit zum Teil nach 15 Minuten gelöscht."

BUND-Aktivist Mayer kämpft seit Jahren gegen die Veränderung von Seiten zur Kernenergie bei Wikipedia und das Löschen kritischer Verweise. "Einige Wikipedia-Seiten sind zwar ausgewogener geworden, Links zu den Seiten von Atomkraftgegnern werden nicht mehr sofort gelöscht", sagt er. "Wir haben aber das generelle Problem der Waffenungleichheit", klagt er. "Unsere Anmerkungen und Links wurden in der Vergangenheit zum Teil nach 15 Minuten gelöscht."

Für unausgewogen hält Mayer unter anderem die Seiten der bayerischen Kernkraftwerke Isar in der Nähe von Landshut und Gundremmingen. Vergangenes Jahr war Mayer aber auch selbst ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil der BUND Freiburg als Gegenwehr so penetrant kritische Links bei Wikipedia-Einträgen zur Atomkraft setzte, dass diese Links auf einer Spamliste landeten. (APA/dpa/red)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 52
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Dein schönster Traum
41
30.7.2009, 20:40
Naja...

...99% der Kernkraftgegnerseiten bestehen aus Propaganda und Angstmacherei, basierend auf falschen Grundannahmen und der teilweise schon bizarren Abwesenheit von Fachwissen.

Natürlich wird die Kernenergie - "lobby" (die aber ZUM GLÜCK existiert, weil wir sonst noch viel grauslichere Erderwärmungs- und Umweltverschmutzungsprobleme hätten!) sich selber im positivsten Licht darstellen, aber hm... dafür haben wir ja gelernt, Medien "with a grain of salt" zu konsumieren, oder?

Zu den Kernkraftgegnern:

Nein, die Eso - Angstmache von Leuten, die nichtmal Mikrowellen von Gammastrahlen unterscheiden können, prallt an mir, als gebildetem Menschen, eben ab.

Der "Kernenergielobby" traue ich noch eher über den Weg als diesen Ökofundis.

Andreas Haunholter
 
11
31.7.2009, 01:34

hier ein kleiner link

http://de.wikipedia.org/wiki/Strahlenrisiko

und wenn Sie glauben, dass das von "Ökofundis" geschrieben wurde, können Sie das gerne mithilfe der Links prüfen, die Webseiten wurden wahrscheinlich von Leuten geschrieben, welche Mikrowellenstrahlung von sehr wohl von Gammastrahlung unterscheiden können.

free2g
00
31.7.2009, 13:11

und was genau soll uns das sagen?

Vielleicht dass Grenzwerte von 1 mSv pro Jahr gelten?!

In den dort genannten Studien der Atombombenopfer wurde eine grobe Berechnung der Strahlendosis auf Grund der Entfernung angenommen (ganz unabhängig ob die Person im Freien oder hinter 2m dicken Bleiwänden war), keiner der untersuchten Probanden hat eine Dosis unter 100mSv. Und von diesen Werten wird ein Worst-Case berechnet von welchen der Wert von 1mSv ausgeht bei dem Erkrankungen sicher ausgeschlossen werden können.

Übrigens beträgt die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung 2,1mSv -.-

Wie du sowas überhaupt als Argument gegen Kernenergie sehen kannst, ist mir schleierhaft.

Andreas Haunholter
 
00
31.7.2009, 22:24
es sind ja die folgewirkungen

die zählen. Wo zum Beispiel wird der radioaktive Müll eingelagert? In alten Bergwerken zum Beispiel. Geraten die Müllcontainer irgendwie mit wasser in berührung korrodieren sie schneller als geplant und konterminieren ihre umgebung. Im schlimmsten Fall gelangt der radioaktive müll wieder an die oberfläche. Ob das Schwarzmalerei ist? Vielleicht, aber es kann passieren.

Und das ist die Verwertung heutzutage bei allen Sicherheitsvorschriften. Aber was, wenn wir jenseits des Kaukasus blicken? Besonders die UdSSR hat sich nicht besonders berühmt gemacht mit der fachgerechten Entsorgung von Atommüll.

Ja, die Umwelt darf für billigen Strom bluten, das wäre kein Argument, oder?

Andreas Haunholter
 
01
28.7.2009, 21:39
eigentlich

ist es ja eine Schande, dass die Beiträge geändert werden, da Wikipedia ein großes Netzwerk von Wissen präsentiert, welches von Menschen geschaffen wird, die ihr Wissen anderen Menschen zugänglich machen wollen.

Durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen durch Beschönigungen von wem auch immer wird nur gezeigt, dass manche Menschen noch nicht reif genug sind, an diesem Prozess, der niemals aufhört, teilzunehmen.

Roman Bichler
 
31
21.7.2009, 23:56
das schlimme an wikipedia ist ...

das es wahrscheinlich ALLE renomierten lexika zugrunde richten wird - und dann ist fast jeder auf den wikipedia-mist angewiesen ....

schade eigentlich ...

Stahlhoden
01
24.7.2009, 13:40

Das wirklich Schliimme an Wikipedia ist, dass da auch sachen drinstehen, die den (derzeit noch) Mächtigen so gar nicht passen.

Edward NORTON
00
23.7.2009, 10:40
Das schlimme ist, dass Sie nicht denken bevor Sie posten!

schade eigentlich!:-)

Wikipedia kann nichts zugrunde richten, das kann ausschliesslich der Mensch der sich auf 1-Quellen-Recherche verlässt.



Rudolf1958
00
6.10.2009, 20:42
Bittte!

Bitte keine antireligiösen Postings!
Religionen sind alle 1-Quellen-Recherchen!
Also bitte!!, lassen Sie solche gelten!!

Sonstwer
01
22.7.2009, 19:15
lexika werden auch von Menschen geschrieben

Lrrr
 
02
22.7.2009, 15:04

und wieso ist jetzt das ganze wikipedia-projekt ein mist?
oder sagen sie das nur, weil sie es irgendwo gehört haben?

hannes neil
00
22.7.2009, 22:55
so go
20
21.7.2009, 13:31
"Häufig werden Manipulationen aber rasch von engagierten Wikipedia-Nutzern wieder rückgängig gemacht" - GENAU DAS GEGENTEIL IST FAST IMMER DER FALL!

Medien = Meinungsmacher = GEFAHR

WunzelPunzel
00
21.7.2009, 10:25

möge die kriese soweit greifen, dass diese "organisationen" auch eingehen!!

nueva arte
 
01
20.7.2009, 21:58

Ich glaub' ich muss Kotzen! Gibt's keine richtigen Arbeitsplätze mehr im Land?

NONE
00
20.7.2009, 16:19

Ein Hauptproblem sind Behauptungen die keine Quellenangaben haben.

Meiner Meinung nach sollten all diese "citation needed" entfernt werden - ohne Gnade.

h 90
01
21.7.2009, 03:14

Wenn ich schreibe wieviele Punkterl der Marienkaefer hat werde ich vielleicht nicht die Quelle suchen und es wird auch keiner boesartig den Artikel aendern.
Waerend bei umkaempften Artikeln kann man auch fuer jeden Schwachsinn Quellen finden.

Dante Alighieri
03
20.7.2009, 20:02

Löst das Problem aber nicht wirklich. Man kann ja im Internet für jede schwachsinnige Lüge eine Quelle finden -- und wenn nicht, na dann macht man halt selbst eine Website dazu.

aceFruchtsaft
00
20.7.2009, 19:22

Kann man nicht pauschal sagen. Wieso sollte es immer eines Zitats bedürfen? In der Wissenschaft wird schließlich auch nicht immer zitiert, nämlich dann wenn etwas zum Basiswissen einer Disziplin gehört oder wenn etwas originäres Wissen des Forschers ist.

Wikipedia braucht also nicht versuchen, heiliger zu sein als der Papst, denn der erste Punkt trifft bei technischen Artikel oft genug zu. Wofür sollte ich technische Daten, die dem Fachmann bekannt sein müssen, und die objektiv gegeben sind, zitieren müssen? Trotzdem sehe ich gelegentlich auch bei solchen Dingen ein "citation needed".

xray -
00
21.7.2009, 00:14

mich nervt es ja auch, für jeden furz eine quelle "finden" zu müssen, aber: wenn die wikipedia eine enzyklopädie sein will, muss es eigentlich so sein dass alles belegt sein muss - originäres gehört nicht über die wikipedia veröffentlicht, sondern regulär.

pumuckl
24
20.7.2009, 15:01

Wikipedia sollte meiner Meinung nach den Zugang zur Diskussion bei umstrittenen Artikeln noch einfacher machen und besser hervorheben, da gerade diese Zusatzinfo sehr wertvoll ist.

Der Herr Mayer vom BUND scheint vom bei NGOs weitverbreiteten "Ich hab die Wahrheit gepachtet"-Typus zu sein. Macht selber Propaganda aber schimpft auf die anderen.

Peter W1
 
00
21.7.2009, 05:53

BUND macht Propaganda? Heut beim Aufstehen gegen die Zimmerdecke geknallt? Vielleicht gleich ein paarmal?

pumuckl
00
22.7.2009, 09:00

Lesen Sie bitte mal den letzten Absatz, dann wissen Sie was ich meine.

Sonstwer
02
20.7.2009, 19:55
wie viel einfacher soll man das denn machen ???

oben ist der Karteireiter für Artikel

GENAU DANEBEN

ist der Karteireiter für Diskussion (über den Artikel)

und 2 Karteireiter daneben ist der Karteireiter Versionen/Autoren -> mit diesem kann man alle Änderungen (so weit man will) zurückverfolgen und sich nebeneinander die Artikel (vorher / nachher) anzeigen lassen.

Wenn man sich die 2 Minuten Zeit nimmt sich damit auseinander zu setzen wie man Wikipedia bedient, wird man schnell drauf kommen wie einfach es funktioniert.

macindd
15
20.7.2009, 14:43
Wikipedia ist halt immer nur eine Erstanlaufstelle,

um sich in einem Thema zu orientieren und Ansatzpunkte zu finden. Für eine eingehendere Bearbeitung besorgt man sich die jeweilige Fachliteratur und/oder nimmt Kontakt mit kompetenten Personen auf.

Leider wissen die Ä****e in den PR-Agenturen auch, dass aufgrund der profitmaximierenden Sparmaßnahmen in den Redaktionen die Online-Recherche auch bei Journalisten zunimmt, denen die Öffentlichkeit ja doch immer noch erhöhte Glaubwürdigkeit zuschreibt. Die mit den "richtigen" Informationen zuzuschütten, beherrscht man in der PR-Branche ja auch ganz gut, was nicht schwer ist, weil auf jeden Journalisten mehrere PR-Heinis kommen.

Aber die Wahrheit hängt in unserem wirtschaftlich- politischen System sowieso generell davon ab, wer am besten zahlt.

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