Die Vermittlung zwischen dem geputschten Präsidenten Zelaya und dem Putschisten Micheletti ist gescheitert - Vermittler Oscar Arias warnt vor einem Gewaltausbruch und will einen neuen Anlauf starten.
Die Enttäuschung war groß auf dem Markt der Comunidad del Angeles, als sich am späteren Nachmittag und kurz vor der Verhängung der Ausgangssperre wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitete, dass die De-facto-Regierung von Roberto Micheletti - der am 28. Juni in Honduras durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen war - das Vermittlungsangebot des costaricanischen Präsidenten Oscar Arias abgelehnt hatte.
„Es ist immer dasselbe: Diese blöden Präsidenten schauen nur auf ihre eigenen Interessen", sagte ein Straßenverkäufer, „wie es uns dabei geht, ist ihnen doch scheißegal." Noch vor 14 Tagen war er einer der Hunderttausend, die am Flughafen von Tegucigalpa so lange auf die Rückkehr „ihres" Präsidenten Manuel Zelaya gewartet hatten, bis eine Handvoll von bewaffneten Provokateuren der Armee in die Menge schoss und dabei den 16-jährigen Isis Oved Murillo durch einen Kopfschuss tötete. Der Vater des Jungen, ein bekannter Umweltaktivist, wurde darauf aufgrund eines zwei Jahre alten Haftbefehls festgenommen und sitzt bis heute hinter Gittern. Honduras droht nach dem Scheitern von Vermittlungsgesprächen eine neue Welle der Gewalt.
Die Anhänger Zelayas planten für Montag einen Protestmarsch durch die Hauptstadt Tegucigalpa und riefen zu einem zweitägigen Streik gegen Ende der Woche auf. Die international nicht anerkannte Übergangsregierung warnte, sie werde gegen Unruhestifter hart durchgreifen.
Vermittler Arias warnte nach dem Abbruch der Gespräche sogar vor einem Bürgerkrieg: „Was ist die Alternative zu einem Dialog? Was wird passieren, wenn morgen ein Honduraner auf einen Soldaten schießt und dann ein Soldat auf einen bewaffneten Bürger zielt?", fragte er. Arias will weiter versuchen, die Rivalen zusammenzubringen.
Erst nach und nach werden die Hintergründe der chaotischen Ereignisse, die sich in ganz Honduras während und nach der unfreiwilligen Machtablöse abgespielt haben, klarer. Dass Zelaya eigentlich einem „Schusswechsel" zwischen seinen Anhängern und den Soldaten, die sein Haus umstellten, zum Opfer fallen hätte sollen, hält auch seine jüngste Tochter Xiomara, die zu diesem Zeitpunkt bei ihrem Vater war, für eher wahrscheinlich. Wäre er getötet worden, wären auch seine Gegner im Kongress nicht in den Argumentationsnotstand geraten, der sie dazu veranlasste, ein zwei Tage zuvor gefälschtes Rücktrittsschreiben des Staatschefs herbeizuschaffen, um die Frage der verfassungsmäßigen Nachfolge juristisch abzusichern.
Putsch länger geplant
Dass der eilig eingeschworene Nachfolger im Amt Zelayas, Roberto Micheletti, schon seit längerem zum Schlag gegen seinen Rivalen innerhalb der Liberalen Partei ausholte, war schon im November des vergangenen Jahres offensichtlich, als er bei den Vorwahlen, wieder einmal, gegenüber einen weitaus Jüngeren als Kandidat der Liberalen für das Präsidentenamt den Kürzeren zog. Die Abgeordnete Carolina Echeverría, eine enge Mitarbeiterin von Micheletti, die sich nach dem Putsch gegen ihn stellte, erzählt: „Immer wieder hatte er versucht, die Pläne Zelayas zu durchkreuzen, und konnte von uns nur schwer zurückgehalten werden."
Den Ausschlag gab Zelayas Konflikt mit dem Generalstabschef Romeo Vásquez Velásquez, der sich weigerte den Transport der Urnen für die am 28. Juni geplante Volksbefragung über die Möglichkeit einer Verfassungsreform zu organisieren. Das rief Personen auf den Plan, die in den 1980er-Jahren, als Honduras die Rolle einer US-Drehscheibe gegen die revolutionären Bewegungen zukam, tätig waren. Eine Schlüsselfigur in dem Komplott ist der Sicherheitsberater von Micheletti, der für die CIA tätig war. (Leo Gabriel* aus Tegucigalpa/ DER STANDARD Printausgabe, 21.7.2009)
*Leo Gabriel ist Publizist und kandidierte für die Linke für das EU-Parlament.